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Aus: Ausgabe vom 18.09.2021, Seite 4 / Inland
Wahlkampf in Baden-Württemberg

CDU-Hochburgen vor dem Fall

Wahlkampf im Südwesten: Die Grünen arbeiten an der Wachablösung in einstigen »schwarzen« Wahlkreisen. Die Linke sucht ihre Nische
Von Tilman Baur, Stuttgart
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Beim Wahlkampf in Tübingen sieht sich Cem Özdemir von den Grünen mit Vorwürfen konfrontiert, dass koloniale Verbrechen Deutschlands unter den Teppich gekehrt werden (1.9.2021)

Für Cem Özdemir und Annalena Baerbock hätte der Auftritt am Dienstag auf dem Stuttgarter Marienplatz ein Triumph werden können, ein Wohlfühlevent vor urbanem Ökokleinbürgertum. Nichts da: Die in der Landeshauptstadt weiter lebendige »Querdenker«-Szene trat in großer Stärke auf, pfiff und schrie das grüne Spitzenpersonal nieder, das sich nur mit Mühe Gehör verschaffte. Typisch waren diese Szenen indes nicht, denn die Grünen bauen ihre Machtbasis im Südwesten aus. Am 26. September wackeln einige Direktmandate der CDU, die ohnehin nach dem Debakel bei der Landtagswahl im März schwer angeschlagen ist.

Beispiel Stuttgart: Hier könnte Özdemir dem CDU-Kreisvorsitzenden Stefan Kaufmann das Mandat abknöpfen. Schon bei vergangenen Wahlen war das Duell immer nur knapp zugunsten Kaufmanns ausgefallen. Beispiel Landkreis Sigmaringen: Hier tritt der Sohn von Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Johannes Kretschmann, mit guten Chancen gegen Thomas Bareiß an, derzeit parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium. Auch in Ludwigsburg steht das CDU-Abonnement auf das Direktmandat auf der Kippe. Hier tritt der Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Steffen Bilger, gegen die Grünen-Landesvorsitzende Sandra Detzer an. Selbst im bislang tiefschwarzen Ravensburg könnte die Grüne Agnieszka Brugger den CDU-Mann Axel Müller schlagen.

Die SPD hat mit der Bundesvorsitzenden Saskia Esken eine prominente Spitzenkandidatin vorzuweisen. Ob sie den günstigen Bundestrend in größere Stimmengewinne ummünzen kann, ist allerdings fraglich. Im März reichte es bei der Landtagswahl nur für desaströse elf Prozent. Auch bei der Partei Die Linke, die zudem auf keinen positiven Bundestrend setzen kann, scheint keine Wende in Sicht. Trotz relevanter Themen reichte es im März nur für klägliche 3,6 Prozent. Sicher liegt ein Problem darin, dass die »Garantin für sozial-ökologische Politik im Bundestag« auf viele Themen setzt, die in Baden-Württemberg mit den überdurchschnittlich starken Grünen verbunden werden. Das Linken-Spitzenduo Bernd Riexinger und Gökay Akbulut wirbt aktuell auf seiner Tour durch 30 Städte für einen sozialen und klimagerechten Wandel. »Wir wollen wieder mit mindestens sechs Abgeordneten aus dem Südwesten im Bundestag vertreten sein«, sagte Riexinger im Vorfeld. Die Mannheimerin Akbulut wirbt vor allem für eine umfassende Steuerreform und für Investitionen in sozialen Wohnungsbau, Gesundheit und Bildung. In einer Debatte der Spitzenkandidaten in den Stuttgarter Wagenhallen am Donnerstag abend profilierte sich Riexinger mit einem Plädoyer für die Vermögensteuer und mit einer Attacke auf den CDU-Mann Andreas Jung, der zu Armin Laschets »Zukunftsteam« gehört. Jung hatte gesagt, im Falle einer derartigen Steuer würden viele Vermögen ganz schnell von Konstanz nach Kreuzlingen wandern, also in die Schweiz. »Und das würden Sie zulassen?« fragte ihn Riexinger.

Während der traditionell gut aufgestellte Landesverband der FDP sich auch 2021 wieder als wichtiger Stimmenlieferant für die Bundespartei erweisen dürfte, ist das Abschneiden der AfD schwerer zu prognostizieren. Deren Südwestlandesverband ist seit Jahren mit Grabenkämpfen beschäftigt; am vergangenen Wochenende konnte sich der Vorstand – wieder einmal – nur knapp vor einer Abwahl retten. Der Wahlkampf der Rechtsaußenpartei nimmt keine Fahrt auf, die gewählten Themen verfangen nicht.

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