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Aus: Ausgabe vom 18.09.2021, Seite 2 / Inland
Neue Standortsuche droht

Gorleben macht dicht

Geplantes Atommüllendlager ist Geschichte. Zweifel bei Aktivisten
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Der Kampf gegen das Atommüllendlager Gorleben scheint gewonnen. Nun sucht der Staat neuen Standort

Die Pläne für die Endlagerung von Atommüll sind vom Tisch, das »Erkundungsbergwerk« Gorleben soll endgültig stillgelegt werden. Einen entsprechenden Auftrag hat das Bundesumweltministerium der Betreibergesellschaft BGE erteilt. »Das Kapitel Endlager Gorleben wird ab dem heutigen Tag geschlossen«, verkündete Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth am Freitag im Wendland.

Atomkraftgegner, die jahrzehntelang für die Verhinderung des geplanten Endlagers gekämpft haben, sind weniger optimistisch. »Die Entscheidung ist zwar begrüßenswert, doch sie reicht nicht aus«, bekräftigte Jochen Stay, Sprecher der Antiatomorganisation »Ausgestrahlt«, laut einer Mitteilung vom Freitag: »Nötig ist auch ein Umgang mit den Problemen der Zwischenlagerhalle in Gorleben, die neben dem Bergwerk errichtet wurde und in der 113 Castorbehälter mit hochradioaktivem Atommüll aufbewahrt werden.«

Die Lagerung der Castoren sei dort nur bis zum Jahr 2034 genehmigt, so Stay. »Eine Einlagerung in ein zukünftiges geologisches Tiefenlager irgendwo in Deutschland soll jedoch nach den Plänen der Bundesregierung frühestens 2050 beginnen. Wahrscheinlich dauert die neue Standortsuche sogar noch wesentlich länger. Bislang ist völlig ungelöst, was mit den Castorbehältern nach 2034 passiert. Es ist noch nicht einmal erwiesen, ob sie überhaupt so lange Zeiträume dicht halten.«

Was also für Gorleben ein Segen sein mag, könnte für andere Regionen zum Alptraum werden. Im September 2020 hatte die BGE mitgeteilt, dass große Teile Deutschlands für ein Atomendlager nach geologischen Kriterien grundsätzlich geeignet seien. Der heftig umkämpfte Salzstock Gorleben befinde sich aber nicht darunter.

Der soll nun innerhalb von zehn Jahren in seinen ursprünglichen Zustand rückgebaut werden. Wie hoch die Kosten dafür seien, stehe noch nicht fest. Zur Zeit koste es 20 Millionen Euro jährlich, den Salzstock offenzuhalten. In das Projekt Gorleben wurden bisher 1,9 Milliarden Euro investiert.

In den 1970er Jahren hatte die Politik entschieden, dort ein Endlager einzurichten, was jahrzehntelange Proteste zur Folge hatte. Flasbarth behauptete nun: »Aus diesem Konflikt hat die Politik für die Endlagersuche gelernt. Am Ende muss gut nachvollziehbar sein, aus welchen Gründen ein Standort gewählt wurde.« (dpa/jW)

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