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Aus: Ausgabe vom 17.09.2021, Seite 11 / Feuilleton
Jazz

Ein anderes Klangbild

Sängerin Nina Ernst erinnert heute in der Berliner Ufa-Fabrik an Hits singender Schauspielstars der 50er
Von Markus von Schwerin
Nina Ernst - A Diva's Mind.JPG
Schuld war nur der Bossa Nova: Nina Ernst

Von einer brasilianischen Plattenfirma unter Vertrag genommen zu werden, die die jüngsten Werke der Samba-Königin Leny Andrade oder des MPB-Altmeisters Ivan Lins veröffentlicht, passiert europäischen Jazzvokalistinnen nicht allzu häufig.

Die Berliner Schauspielerin Nina Ernst indes vermochte die qualitätsverwöhnten Verantwortlichen des Fina-Flor-Labels mit ihren ungekünstelten Interpretationen ausgewählter Balladen des musikalischen Staatsheiligen Antonio Carlos Jobim (1927–1994) so für sich einzunehmen, dass sie seit 2009 zu deren Künstlerstamm zählt.

Auf dem Label erschien auch ihr aktuelles Werk »A Diva’s Mind«, das diesmal nicht nur einem Komponisten, sondern international legendären Schauspielerinnen wie Sophia Loren, Carmen Miranda und Caterina Valente gewidmet ist, die vor allem in den späten 1950er Jahren als Interpretinnen südamerikanisch angehauchter Tanzmusik Furore machten. »Amor«, »Bésame Mucho« und »Misirlou« dürften dabei die vertrautesten Evergreens sein, die Nina Ernst mit einem Quintett um den Bassisten Max Hughes und den Perkussionisten Andreas Weiser (beide produzierten auch das Album) eingespielt hat. Dagegen sind das auf einem mexikanischen Bolero-Mambo basierende »Sway« (dem sich einst Connie Francis, Rosemary Clooney und Julie London annahmen) oder das durch die Andrew Sisters bekannt gewordene Choro-Stück »Tico-Tico no Fubá« nicht mehr so häufig auf den Vocaljazz-Setlisten zu finden. Was auch auf den durch Robert Mitchum zu Notorietät gelangten Calypsoklassiker »From a Logical Point of View« zutrifft, dessen Ratschläge aus der Machoperspektive in Ernsts sanft-süffisantem Vortrag verschmitzt konterkariert werden.

Auch wenn die Melodien stets wiedererkennbar bleiben, haben Nina Ernst und ihre Mitmusiker für die vierzehn Interpretationen ein Klangbild gefunden, das dem entspannten Kammerjazz einer Madeleine Peyroux wesentlich näher ist als den oft sehr auf die Tanzfläche fixierten Originalvorlagen. Wobei im Rahmen der Berliner Live-Premiere durchaus kunstvolle Bewegungen zu sehen sein werden. Hat doch der renommierte brasilianische Fotograf Gal Oppido für über ein Dutzend Lieder von »A Diva’s Mind« Videoclips gedreht, in denen auch befreundete Tänzerinnen und Tänzer aus São Paulo ihr Können zeigen.

Nina Ernst & Band präsentieren das Album »A Diva’s Mind« am heutigen Freitag, den 17.9. um 20 Uhr im Theatersaal der Berliner Ufa-Fabrik

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