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Aus: Ausgabe vom 17.09.2021, Seite 6 / Ausland
»Reise für das Leben«

Zapatisten landen in Wien

EZLN-Delegation aus Mexiko startet Europareise in Österreich
Von Manu Fürtig
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Teilnehmer der EZLN-Delegation vor ihrem Abflug Richtung Europa am Flughafen von Mexiko-Stadt (11.9.2021)

Am Dienstag um 11.15 Uhr war es so weit: Nach elf Monaten voller Komplikationen, bürokratischer Hürden und interkontinentaler Verhandlungen landete der erste Teil der zapatistischen Reisedelegation in Wien. Die insgesamt hundert Delegierten wurden von mehreren hundert Personen am Flughafen Schwechat empfangen. Der zweite Teil der sogenannten Luftbrigade, also derjenigen, die sich per Flugzeug von Mexiko nach Europa aufgemacht hatten, erreichte die österreichische Hauptstadt aufgrund von Problemen beim Umstieg in Madrid erst einen Tag später. Die Mitglieder der Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) aus dem südmexikanischen Bundesstaat Chiapas wollen in den kommenden drei Monaten das linke Europa »von unten« kennenlernen.

Nach der Ankunft am Flughafen Schwechat betonte EZLN-Subcomandante Moisés, der die Delegation anführt, die Zapatistas seien davon überzeugt, dass das kapitalistische Wirtschafts- und Gesellschaftssystem den Menschen ihre Lebensgrundlage raube. In Südmexiko äußere sich das beispielsweise in der vom Bergbau oder der Holzwirtschaft verursachten Umweltzerstörung. »Die Natur lehrt uns, sie zu respektieren. Wenn wir das nicht tun, wird sie uns zeigen, dass sie die Mächtigere ist«, so Moisés weiter. Daher suche die zapatistische Bewegung nun auch in anderen Teilen der Welt nach Verbündeten.

Am 8. Oktober ist es ein Jahr her, dass die EZLN angekündigt hatte, auf Weltreise gehen zu wollen. Bei der ersten Station der »Reise für das Leben« geht es den Zapatisten um Vernetzung mit in Europa wohnenden Aktiven, sei es in der Stadt oder auf dem Land. Bereits im Juni war die sogenannte maritime Delegation per Schiff in Spanien gelandet. Am 13. August, auf den Tag genau 500 Jahre nach der gewaltsamen Eroberung der Aztekenhauptstadt Tenochtitlán durch die spanischen Eroberer, demonstrierten sie gemeinsam mit solidarischen Gruppen in der spanischen Hauptstadt ­Madrid unter dem Motto »Ihr habt uns nicht erobert«. Insgesamt rund 30 europäische Länder sollen in den kommenden Monaten besucht werden, auch in der BRD wird ein Teil der Delegation erwartet. Geplant sind unter anderem ein Fußballspiel zwischen dem zapatistischen Frauenteam »Ixchel Ramona« und den »Frauen Allstars« des FC St. Pauli sowie ein großes Vernetzungscamp im Wendland.

Die EZLN war 1994 erstmals öffentlich in Erscheinung getreten. Am 1. Januar, dem Tag des Inkrafttretens des nordamerikanischen Freihandelsabkommens NAFTA, besetzten bewaffnete Kämpfer gleichzeitig fünf Rathäuser in Chiapas. Nach wenigen Tagen bewaffneter Auseinandersetzungen mit der Armee zogen sich die besonders bei den Indigenen verankerten Zapatisten in den Dschungel zurück. Fortan änderte die Rebellengruppe ihre Strategie und setzte auf den Aufbau örtlicher Selbstverwaltungsstrukturen. Wichtiger Bestandteil der politischen Arbeit der EZLN ist zudem die Vernetzung mit anderen politisch aktiven Akteuren – sowohl mexikoweit als auch international. Die »Reise für das Leben« setzt diese Anstrengungen fort.

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