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Aus: Ausgabe vom 16.09.2021, Seite 16 / Sport
Olympia

Ein gnädiges Ende?

Zukunft des DOSB: Forderungen nach erneuter organisatorischer Trennung von Spitzen- und Breitensport werden lauter
Von Andreas Müller
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Ein neuer Kopf ist nicht genug: Auf den Nachfolger von DOSB-Präsident Alfons Hörmann warten große Aufgaben (7.8.2021)

Freiberufler, wie sie zum Beispiel im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit mitwirken, sind mit den Sparzwängen beim Dachverband des deutschen Sports bestens vertraut. Was den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) nicht daran hindert, regelmäßig größere Summen für externe Berater auszugeben. Oder wie ganz aktuell für Headhunter, um geeignete Kandidaten für die Nachfolge von Präsident Alfons Hörmann zu finden. Für den Mann, der seit 2013 an der Spitze steht, ist nach heftiger Kritik an seinem Führungsstil unfreiwillig schon ein Jahr vor Ablauf seiner offiziellen Amtszeit Schluss. Was die Frage aufwirft, wer ihn auf der nächsten DOSB-Vollversammlung am 4. Dezember in Weimar beerben soll und für wie lange – nur als Interims­lösung für ein Jahr bis zur nächsten ordentlichen Wahl 2022 oder gleich für eine neue dreijährige Amtszeit bis 2024? Vor diesem Hintergrund hat vor einiger Zeit eine sogenannte Findungskommission ihre Arbeit aufgenommen. Das Gremium will nach ARD-Informationen (24.8.) bis zu 35.000 Euro an eine Personalberatungsagentur aus Düsseldorf zahlen bzw. eventuell sogar 120.000 Euro für einen Berliner Headhunter berappen.

Nicht wenig Geld für eine Personalie eingedenk des angeblichen Spardiktats. Nach dem durchwachsenen deutschen Gesamtresultat bei den Olympischen Spielen in Tokio (Platz neun) sollten Themen ganz anderen Kalibers nach vorn drängen. Zuallererst die Änderung der Grundstrukturen des deutschen Sports, die der frühere Weltklasseschwimmer Michael Groß in seiner Olympiaanalyse Anfang August einforderte. Er regte an, ein eigene Organisation zu gründen, die sich um den Spitzensport kümmert – und wesentlich wendiger wäre als der schwerfällige »Tanker DOSB« mit seinen zirka 27 Millionen Mitgliedern in rund 90.000 Vereinen. Die scheidende Vorsitzende im Sportausschuss des Bundestages, Dagmar Freitag (SPD), griff die Idee sofort auf und attackierte die DOSB-Zentrale zum Abschied aus ihrer sportpolitischen Position im Parlament noch einmal frontal. Ein Konstrukt, das sich ausschließlich mit der Förderung und Zukunft des Leistungssports beschäftige, setze »andere Akzente und Schwerpunkte als ein Dachverband, der nach meiner Wahrnehmung seit Jahren vor allem dadurch auffällt, dass er ständig externe Agenturen zur Konzeptentwicklung für unterschiedlichste Dinge beauftragt«, sagte die SPD-Politikerin am 20. August der Deutschen Presseagentur.

Womit 15 Jahre nach dem Zusammenschluss von Deutschem Sportbund (DSB) und Nationalem Olympischen Komitee (NOK) unterm DOSB-Dach plötzlich wieder der Sinn dieser Fusion hinterfragt wird – wie schon in den Monaten bis zum Gründungsakt im Mai 2006 in der Frankfurter Paulskirche. Rolf Müller, seit 1997 Präsident des Landessportbundes (LSB) Hessen, hatte den eigentlichen Grund für diese »Vernunftehe« damals darin gesehen, ein Sprungbrett für den deutschen Sportfunktionär Thomas Bach zu schaffen, um Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) zu werden. Um sein ehrgeiziges Ziel zu erreichen, habe Bach zu Hause unbedingt einen großen Gesamtverband des olympischen Sports benötigt, so Müllers steile These. Tatsächlich führte der frühere Fechter Thomas Bach den DOSB seit dessen Gründung sieben Jahre lang, um dann 2013 im IOC-Hauptquartier in Lausanne an seinem Sehnsuchtsort anzukommen. »Nur für ihn wurde der DOSB gegründet«, ist Rolf Müller noch heute überzeugt und schlägt die Brücke von aktuellen, seit den Tokio-Spielen wieder aufgeflammten Diskussionen zu den Anfängen. »Deswegen sind wir als LSB bis zuletzt gegen die Fusion gewesen, während andere Landessportbünde, die am Anfang auch dagegen waren, umgefallen sind.« Beispielsweise der mitgliederstärkste LSB von Nordrhein-Westfalen, dessen Präsident Walter Schneeloch nach Gründung des neuen Dachverbandes DOSB prompt mit dem Posten des Vizepräsidenten für Breitensport und Sportentwicklung bedacht wurde.

Längst residiert Thomas Bach am Ufer des Genfer Sees, ist nach Müller der ursprüngliche Zweck der DOSB-Gründung also erfüllt. Die erneute Trennung des vielfältigen und von der Pandemie besonders hart getroffenen Vereins- und Breitensports vom Bereich Leistungssport läge nahe. Sie würde dem ständigen »Interessenmischmasch« in der Sportzentrale ein gnädiges Ende bereiten. Auch für die Sportfachverbände wäre die Trennung eine Erlösung. Denn sie schielen einerseits beständig auf Fördergelder und müssen die dafür nötigen Medaillen einheimsen, andererseits sind sie den Interessen ihrer Mitglieder an der Basis verpflichtet. Umstände, die Präsidien und Funktionäre in den unterschiedlichsten Sportarten zu Verrenkungen nötigen, vornehmlich zum Spagat zwischen Olympiakandidaten und Freizeitsportlern – auf Dauer eine sehr unangenehme Position.

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