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Aus: Ausgabe vom 16.09.2021, Seite 15 / Medien
Medienkonzentration

Tarifbindung in Gefahr

Verleger Gruner und Jahr will nach Fusion mit RTL Group Gehälter einfrieren
Von Bernd Müller
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Kein gutes Omen: Gruner und Jahr hat Unternehmensberater von McKinsey ins Haus geholt

Die Beschäftigten des Verlagshauses Gruner und Jahr (G + J) sind verunsichert. Zum 1. Januar 2022 will der Konzern mit der RTL Group fusionieren und im Zuge dessen auch den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ) – sogenannter Tarifpartner vom Deutschen Journalistenverband und Verdi – verlassen. Direkte Auswirkungen dürfte das auf die Gehälter vieler Mitarbeiter haben. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi will das nicht kampflos hinnehmen. Mit einer Flugblattaktion am vergangenen Donnerstag am Firmensitz in Hamburg fordert sie von der Geschäftsleitung ein klares Bekenntnis zur Tarifbindung.

Ein Austritt aus dem Unternehmerverband wäre nicht nur besorgniserregend, sondern eine richtige Zäsur, erklärte Gewerkschaftssekretärin Tina Fritsche am Dienstag gegenüber jW. Schon jetzt würden nicht alle Beschäftigten nach Tarif bezahlt. Doch wenn das Unternehmen den Austritt vollziehe, drohe auch den anderen, dass ihre Gehälter jahrelang eingefroren bleiben.

Fritsche erkennt in dem Vorgehen der G + J-Führung Methode. Löhne würden nicht regelmäßig erhöht und in den Digitalredaktionen werde erst gar nicht nach Tarif gezahlt – immer mit dem Verweis auf angeblich »schlechte Märkte«. Begonnen habe die Tarifflucht aber schon in den 1990er Jahren, den aus heutiger Sicht goldenen Zeiten: Mit dem Neu- und Ausgründen von Tochterunternehmen habe der Verlag entsprechende Vereinbarungen regelmäßig umgangen. Seit Jahrzehnten forderten zum Beispiel die Beschäftigten in den Digitalredaktionen, dass sie nach Tarif bezahlt werden, so Fritsche. Und seit Jahren würden sie auf einen späteren Zeitpunkt vertröstet.

Verdi sieht darin einen eklatanten Widerspruch zu den erklärten Zielen des Unternehmens. Wenn es zum »nationalen Medienchampion« werden und den großen Anbietern wie Google, Facebook, Netflix und Amazon Paroli bieten wolle, dann gehe das »nur mit mehr Beschäftigung«. Die Qualität der journalistischen Inhalte hänge an den Arbeitsbedingungen, so Fritsche. »Wer hier durch Arbeitsverdichtung, Personalabbau und Tarifflucht spart, wird am Ende verlieren.«

Wenn bei G + J von Synergien gesprochen wird, dann ist das kein gutes Zeichen für die Angestellten. Als die Wirtschafts- und Politikressorts der Zeitschriften Stern und Capital in Berlin zusammengelegt wurden, kostete das nach Gewerkschaftsangaben mindestens 15 gutbezahlte Stellen. Sogar renommierte Journalisten mussten gehen.

Es sei auch ein schlechtes Omen, dass man Unternehmensberater von McKinsey im Haus habe, so Fritsche. Diese seien berüchtigt dafür, den Rotstift beim Personal anzusetzen. Wie viele Beschäftigte jetzt bei G+J gehen müssen, ist noch immer unklar. Dass mit der Fusion auch bei ihnen »gespart« werden soll, ist allerdings abgemachte Sache. Mit dem Zusammenschluss will die RTL Group rund 100 Millionen Euro im Jahr einsparen; ein Viertel davon entfällt auf die Personalkosten.

Die RTL Group gehört mehrheitlich zum Bertelsmann-Konzern – der Verlag G + J komplett. Für einen Kaufpreis von 230 Millionen Euro übernimmt RTL nun G + J. Zu dem Verlag zählen Titel wie Stern, Geo, Brigitte und Gala; insgesamt sollen rund 500 gedruckte und digitale Angebote zum Portfolio gehören. Die RTL Group wird allerdings nicht alle Geschäfte des Hamburger Verlags übernehmen. Bei Bertelsmann verbleiben soll etwa die 25prozentige Beteiligung an der Spiegel-Gruppe und der 60prozentige Anteil an der DDV-Mediengruppe, zu der unter anderem die Sächsische Zeitung gehört.

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