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Aus: Ausgabe vom 16.09.2021, Seite 10 / Feuilleton
Klassik

Musikalischer Wasserfall

Martha Argerich und das Philharmonische Orchester Cottbus liefern beim Lausitz-Festival Frische
Von Reinhard Lauterbach
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Welche Message Argerich auf ihrem Kleid trägt? Auf jeden Fall sieht es nicht nach »Tax the Rich« aus

Martha Argerich hätte es sicher nicht nötig, durch die ostdeutsche Provinz zu tingeln. Dass sie es trotzdem tat, und dieses Jahr schon zum zweiten Mal, zeigt, dass sie sich von diesem Abstecher zum Lausitz-Festival auch künstlerisch etwas versprechen muss. Der Auftritt am vergangenen Sonnabend im aus Pandemiegründen nur lückenhaft besetzten Cottbuser Staatstheater machte deutlich, warum. Denn zu hören war neben der weltbekannten Pianistin ein Orchester, das man in dieser Frische und Präzision nicht erwartet hätte.

Um die Brillanz von Argerichs Schumann zu ermessen, reicht es, sich am nächsten Morgen eine beliebige CD mit dem a-Moll-Klavierkonzert aus dem Regal zu nehmen. Dieselben Töne, aber nicht dieselbe Musik. In den ersten Takten wirkt Argerichs Spiel wie ein musikalischer Wasserfall, abgelöst von wunderbar kantablen Piani und dynamisch gespielten Akkorden im Finalsatz. Bei Argerich klingt Schumann in den Forti kraftvoll wie Beethoven und in den Piani fast noch lyrischer als Chopin, an dessen wenige Jahre früher entstandene Klavierkonzerte das Schumannsche Werk stellenweise erinnert. Dabei arbeitet Argerich die Strukturen stets kristallklar heraus.

Die Cottbuser Philharmoniker sind eine Entdeckung. Die Musikerinnen und Musiker spielen den Schumann in verkleinerter Besetzung und »historisch informierter« Spielweise, mit wenig Vibrato, straff und konzentriert. Sehr zum Vorteil des Werks, wenn man sich eine der im Internet verfügbaren Versionen desselben Konzerts mit Argerich und anderen weit berühmteren Orchestern anhört.

Was sie noch können, machten die Cottbuser Philharmoniker nach der Pause in voller Besetzung deutlich: mit der 4. Sinfonie von Mieczyslaw Weinberg, einem polnisch-sowjetischen Komponisten, der sich 1939 in die Sowjetunion retten konnte und von Dmitri Schostakowitsch gefördert wurde. Wobei die Bezeichnung »Sinfonie« nur im weitesten Sinne zutrifft, eigentlich nur mit Blick auf die Viersätzigkeit des Werks. Im Grunde ist Weinbergs Vierte auskomponierter Jazz und gewinnt ihre Spannung aus dem Wechsel von solistischen Partien vor allem der einzeln oder als Gruppe auftretenden Bläser und Tutti. Natürlich waren die Themen keine Ohrwürmer wie bei Schumann, aber es war ein faszinierendes Hörerlebnis vom ersten bis zum letzten Takt. Auch dank des unexaltierten Dirigats von Jacek Kaspszyk. Der starke Beifall war verdient.

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