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Aus: Ausgabe vom 16.09.2021, Seite 8 / Ansichten

Märchenonkel des Tages: Armin Laschet

Von Michael Merz
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Zwischen Laschet und Kindern stand schon in früheren Jahren mehr als eine Wand (als NRW-Minister 2007)

Ganz schön einlullen ließ sich der Laschet. Das Setting: ein Zelt mit Kinderstühlen, gedimmtes Licht, Kuscheltiere, Wimpelketten. Da neigt man schon dazu, die Fragesteller zu unterschätzen, zumal sie elf Jahre alt sind. Die ihn löcherten, heißen Romeo und Pauline, sind Kinderreporter von »Late Night Berlin« und wurden vom CDU-Kanzlerkandidaten erst mal in einer Art gehobener Babysprache angeredet. Zutraulichkeit ließ sich damit jedoch nicht herstellen, so dass Laschet schließlich die assimilierende Märchenonkelnummer fallen ließ und die Tonlage änderte.

So entgleiste das Knautschgesicht gleich bei der zweiten Frage: »Haben Sie Polizei geschickt, um Menschen aus Baumhäusern zu vertreiben?« Die Antwort war ein langgezogenes »Neiiin«, entlarvend unglaubwürdig. Dann versuchte er den Kleinen noch die Taschen vollzuhauen, im Wald dürfe man keine Häuser bauen, und schob dann alles auf seine NRW-Bauministerin. Pauline: »Aber das war gegen das Gesetz, oder?« Das nächste »Neiiin« musste er dann selbst relativieren, weil das nun mal gerichtlich so bestätigt wurde. Seine Hoffnungen liegen nun auf dem »Obergericht«, denn, »wenn du in einen Wald einen Ofen stellst, ist das doch gefährlich«. Mit Hänsel und Gretel kam er jedenfalls nicht weiter. Sein Grinsen vor Flutopfern? »Dämlich.« Maaßen ein Nazi? »Neiiin.« Schließlich ging Laschet zur Offensivstrategie der Gegenfrage über: »Kennst du den?« Funktionierte nicht, aber Laschet versuchte es weiter. Thema Homoehe: »Hast du was dagegen, dass Männer heiraten dürfen?« Antwort: »Neiiin.« Aber das habe er in Interviews doch gesagt. Darauf Laschet, fies grinsend: »Du hast schon den Spiegel vor so langer Zeit gelesen?« Romeo: »Nee, ich hab’s gegoogelt.«

Nächste Woche nehmen sich Pauline und Romeo Annalena Baerbock vor, das wird kein Zuckerschlecken für sie.

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