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Aus: Ausgabe vom 16.09.2021, Seite 5 / Inland
Preisverfall

Schweinemarkt in der Krise

Tierhalter fordern dringende Unterstützung. Arbeitsgemeinschaft kritisiert Blockadehaltung der Regierung
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Viel zuviel: Laut Bundeslandwirtschaftsministerium gibt es derzeit einen Lagerbestand an Schweinefleisch von 260.000 Tonnen

Die Lage auf dem Markt für Schweinefleisch ist angespannt. Tierhalter fordern deshalb dringende Unterstützung. Das aktuelle Preisniveau sei ruinös, erklärte der Deutsche Bauernverband anlässlich eines Gesprächs von Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) mit Branchenvertretern am Mittwoch. Die Lage sei für alle Betriebe existenzbedrohend. Nötig seien jetzt unter anderem weitere Coronahilfen und zinslose Steuerstundungen in dieser schwierigen Phase. Handel, Verarbeiter und Großverbraucher sollten sich auf eine Vermarktungskennzeichnung für deutsches Schweinefleisch einigen.

Nach dem Treffen am Mittwoch sicherte Klöckner dann Unterstützung zu. Die Betriebe seien in einer »akuten Notsituation«, sagte die CDU-Politikerin. Deshalb solle nun unter anderem die Antragsfrist für Corona-Überbrückungshilfen bis Ende Dezember verlängert werden. Zudem habe sie die EU-Kommission aufgefordert, Erleichterungen etwa bei Beihilfen zu prüfen. Gesprochen worden sei auch über Aktionen, wie der Fleischabsatz gefördert werden könne, sagte Klöckner weiter. Dabei gelte es aber, darauf acht zu geben, dass Preise im Handel nicht »dermaßen in den Keller« gingen, dass man daraus psychologisch nicht mehr herauskomme. Es gehe um Wertschätzung für Lebensmittel. Dafür könne etwa die Herkunft aus Deutschland hervorgehoben werden. Gefragt seien alle in der Kette, gemeinsame Lösungen zu finden.

Für den Bundesvorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Martin Schulz, sitzt das Problem tiefer: »Aus Sicht der AbL ist die aktuelle Krise anders zu bewerten, als man es vom normalen Schweinezyklus gewohnt ist. Sie ist auch das Ergebnis einer falschen Ausrichtung der agrarpolitischen Rahmenbedingungen«, so Schulz in einer Mitteilung vom Mittwoch. »Jahrzehntelang wurden den Bäuerinnen und Bauern Hoffnungen gemacht, dass die großen Chancen im Exportmarkt liegen.« Die Devise sei dabei immer mehr und intensiver gewesen. Doch jetzt falle neben Russland auch China als wichtiger Exportmarkt wegen angestrebter Selbstversorgung weg. Schulz kritisierte außerdem, dass ein ernsthafter »Umbau der Tierhaltung« von den Regierungsfraktionen systematisch blockiert werde.

Angesichts der Coronakrise und der vor rund einem Jahr auch in Deutschland aufgetauchten Afrikanischen Schweinepest sind Märkte weggebrochen und die Preise stark unter Druck geraten. Laut Klöckner gibt es derzeit einen Lagerbestand an Schweinefleisch von 260.000 Tonnen. An dem Gespräch am Mittwoch nahmen auch die Landwirtschaftsministerinnen von Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen, Ursula Heinen-Esser und Barbara Otte-Kinast (beide CDU) teil. In beiden Bundesländern werden den Angaben zufolge 60 Prozent der Schweine in Deutschland gehalten. (dpa/jW)

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