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Aus: Ausgabe vom 16.09.2021, Seite 1 / Ausland
Mord an Präsident

Haitis Regierungschef unter Druck

Mord an Präsident: Antrag auf Anklageerhebung gegen Premier. Staatsanwalt entlassen
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Der zwischenzeitliche Premier Joseph (l.) mit dem nun amtierenden Interimsregierungschef Henry bei der offiziellen Trauerfeier für den ermordeten Präsidenten Jovenel Moïse am 20. Juli in Port-au-Prince

In Haiti ist am Dienstag (Ortszeit) ein neuer Chefankläger vereidigt worden, nur wenige Stunden nachdem sein Vorgänger einen Richter gebeten hatte, Premierminister Ariel Henry wegen der Ermordung des Präsidenten anzuklagen und ihm die Ausreise aus Haiti zu untersagen – ein Schritt, der das Land nach dem Mord an Jovenel Moïse im Juli und dem jüngsten schweren Erdbeben weiter destabilisieren könnte. »Ich habe das Vergnügen, Sie über die Entscheidung zu informieren, Sie von Ihrem Amt zu entbinden«, hieß es in dem Schreiben von Henry an den als Chef der Staatsanwaltschaft fungierenden Regierungskommissar der Hauptstadt Port-au-Prince, Bedford Claude, das am Dienstag öffentlich wurde. Datiert war das Schreiben auf Montag. Damit blieb unklar, ob Claude offiziell entlassen wurde, bevor er den Antrag an den Richter stellte. Erst am Sonntag hatte sich Henry die Führung eines übergangsweise regierenden Ministerrats bis zu anvisierten Präsidentschaftswahlen Ende 2022 in einem Abkommen zusichern lassen.

Claude beantragte am Dienstag, dass Henry wegen Mordes, Verschwörung gegen den Staat und bewaffneten Raubes angeklagt wird und nicht aus Haiti ausreisen darf. In seinem Antrag auf Anklageerhebung erklärte Claude, dass Henry kurz nach der Ermordung von Moïse zweimal mit dem Hauptverdächtigen des Mordes, dem ehemaligen Beamten des Justizministeriums Joseph Felix Badio, telefoniert habe. »Es gibt genügend kompromittierte Elemente gegen den Premierminister, um ihn schlicht und einfach anzuklagen«, schrieb Claude laut der Washington Post. Badio, der zwei Monate vor der Ermordung aus der haitianischen Antikorruptionseinheit entlassen wurde, ist seit Juli untergetaucht.

Moïse war in der Nacht zum 7. Juli in seiner Residenz von einer schwer bewaffneten Kommandotruppe überfallen und erschossen worden. Nach Polizeiangaben führten kolumbianische Söldner den Mord aus. Zu den Hintermännern sollen ein haitianischer Arzt, der in den USA wohnte, und ein Exfunktionär des haitianischen Justizministeriums gehören. Es gab zahlreiche Festnahmen, aufgeklärt wurde der Fall bisher nicht. (AFP/jW)

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