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Aus: Ausgabe vom 16.09.2021, Seite 1 / Titel
Pandemiemaßnahmen

Keine Impfung, kein Geld

Coronapandemie: Debatte um Streichung der Lohnfortzahlung für Ungeschützte. Deutliche Kritik der Gewerkschaften
Von Steffen Stierle
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Impfaktionswoche verläuft schleppend: Gesundheitsminister Jens Spahn und Berliner Senatorin Dilek Kalayci (beide Hintergrund) während eines Fototermins im Impfzentrum

Die Pandemiebekämpfung in Deutschland geht nur langsam voran. Seit Wochen stagniert die Impfquote bei rund 60 Prozent. Mehrere Bundesländer wollen deshalb dazu übergehen, das Krankengeld im Quarantänefall für Ungeimpfte zu streichen. In Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg ist eine entsprechende Neuregelung bereits in Kraft getreten. Doch vielen Menschen drohen durch solche Maßnahmen herbe Einkommensrückgänge bis hin zum Arbeitsplatzverlust.

In vielen Branchen werden die Beschäftigten verpflichtet, ihren Chefs Auskunft über den eigenen Impfstatus zu geben. Der DGB-Vorsitzende Reiner Hoffmann kritisierte am Mittwoch im Deutschlandfunk: »Mit einem solchen Zwang werden wir die Impfquote nicht erhöhen.« Man dürfe den Konflikt ums Impfen nicht auf die Betriebsebene verlagern. Ähnlich argumentierte ­Verdi-Chef Frank Werneke gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe: »Die Politik steht im Wort, dass Impfen freiwillig bleiben soll«, sagte er. Die von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ausgelöste Debatte zur Streichung des Entgeltersatzes sei kontraproduktiv.

Die Bundesregierung versucht, die Bevölkerung im Rahmen einer »Aktionswoche« mit Bratwürsten und Dönern in die mobilen Impfstationen zu locken. Das läuft sehr schleppend. Ernsthafte Maßnahmen werden auf die Zeit nach der Bundestagswahl verschoben. Gratistests gibt es nur noch bis Oktober. Danach soll die sogenannte 2G-Regelung greifen: Nur wer geimpft oder genesen ist, darf dann ohne Einschränkungen am gesellschaftlichen Leben teilhaben.

Es muss halt was passieren, schließlich liegt die Impfquote in der BRD deutlich unterhalb des EU-Durchschnitts. Schützenhilfe aus Brüssel dürfen die hiesigen Pandemiebekämpfer jedoch nicht ernsthaft erwarten: Eine Pandemie »ist ein Marathon und kein Sprint«, wusste die Präsidentin der EU-Kommission, Ursula von der Leyen (CDU), am Mittwoch in ihrer Rede zur Lage der Union zu berichten. Immer mit der Ruhe also.

Im übrigen habe man »in Europa« alles richtig gemacht und nehme »weltweit eine Vorreiterrolle« ein. Das Desaster um die kollektive Masken- und Impfstoffbeschaffung – längst vergessen. Außerdem gibt man mittlerweile hierzulande verschmähte Astra-Zeneca-Vakzine an weniger entwickelte Länder weiter, bevor sie verschimmeln. Das sei »eine Investition in Solidarität – aber auch in die globale Gesundheit«, so von der Leyen weiter.

Unzulässig bleiben in der EU weiterhin alle Impfstoffe, an denen westliche Konzerne nichts verdienen. Auch das bereits für die Delta-Variante modifizierte Serum »Sputnik V« des in Moskau ansässigen Gamaleja-Instituts wird durch eine Politisierung des Zulassungsverfahrens vom Markt gehalten. An einer solchen Modifizierung für neuere Coronamutanten wird andernorts noch immer gearbeitet.

Dafür will von der Leyen eine »neue Krisenvorsorge- und Resilienzmission« ins Leben rufen. Bis 2027 sollen 50 Milliarden Euro in die Hand genommen werden, um »die Innovationsfähigkeit, die Wissenschaftler, das Wissen des Privatsektors mit den nationalen Behörden« zusammenzubringen. Ziel sei es, sicherzustellen, »dass kein Virus jemals aus einer lokalen Epidemie eine globale Pandemie macht«.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Jens D. aus Chatou (17. September 2021 um 01:20 Uhr)
    Dass es bei dem De-facto-Impfzwang wohl nicht wirklich um die Gesundheit der Menschen geht, kann man leicht aus der Inkohärenz der Maßnahmen ablesen, die gegen Corona und andere Risiken getroffen werden. Wer stört sich im selben Maße an den Krankheits- und Ausfallrisiken von Rauchern und deren passiven Mitrauchern sowie allen diesbezüglichen Kosten? Wer stört sich im selben Maße an den Krankheits- und Ausfallrisiken von unnötigen Übergewichtigen, bedingt durch den übermäßigen Zuckergehalt von industriell erzeugten Nahrungsmitteln? Wer stört sich im selben Maße an den Krankheits- und Ausfallrisiken von unnötigen Krebskranken, bedingt durch den Gehalt an allermöglichen Chemikalien in Nahrungsmitteln, Kosmetik und Haushaltartikeln (Pestizide, Lösemittel, usw.)? Man beachte, dass die diesbezüglichen menschlichen und Gesundheitskosten jene des Coronavirus sichtlich übersteigen und dass das Coronasterberisiko von den genannten anderen Risiken weitgehend beeinflusst ist. Wer stört sich daran, dass in vielen »Entwicklungsländern« viele Menschen mit sehr hohem Sterberisiko – jedoch geringer Zahlkraft – immer noch nicht geimpft werden konnten, während hier Menschen mit sehr niedrigen Risiken quasi zum Impfen gezwungen werden, wobei bekannt ist, dass die Impfstoffproduktion begrenzt ist? Auch wenn das alles unlogisch scheint, ist es das sicherlich nicht. Zigaretten, Zucker, Chemikalien, Impfstoffe und Politik sind profitable Geschäfte. Menschenleben spielen offensichlich nur eine Nebenrolle.
    • Anmerkung der jW-Redaktion (17. September 2021 um 10:14 Uhr)
      Wir bitten unsere Leser zu beachten, dass Corona erhebliche Folgeschäden nach sich ziehen kann und in jedem Fall bekämpft gehört, wobei ein Mittel die Impfungen sind. (jt)
  • Leserbrief von Klaus P. Jaworek aus Büchenbach (16. September 2021 um 11:19 Uhr)
    Die Schlinge um den Hals des ungeimpften Menschen wird immer fester angezogen, die Luft wird für den »Schlingel« einfach dünner! Halt, da soll es doch noch eine andere Möglichkeit geben? Letzendlich kann der Mensch noch immer selbst und ziemlich frei entscheiden, aber der Druck nimmt zu und vergrößert sich von Tag zu Tag! Der Untertan Mensch ist eben mehr oder weniger, aber irgendwie immer abhängig von dem »Obertan« Mensch, seinem Herrscher oder einer Herrscherclique!

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