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Aus: Ausgabe vom 15.09.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Immobilienspekulation

Weg frei für Megadeal

Vonovia rückt im Ringen um Deutsche Wohnen von bisherigen Bedingungen ab
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Der Bochumer Konzern hat sich bereits mehr als 40 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile gesichert

Der größten Übernahme auf dem deutschen Immobilienmarkt steht offenbar nichts mehr im Wege. Der Branchenführer Vonovia hat die Mindestannahmeschwelle seiner rund 19 Milliarden Euro schweren Kaufofferte für den kleineren Rivalen Deutsche Wohnen über Bord geworfen, wie Reuters am Dienstag meldete. »Die Transaktion kann nicht mehr an Bedingungen scheitern«, sagte Vonovia-Chef Rolf Buch der Nachrichtenagentur.

Das letzte Angebot Vonovias für die Deutsche Wohnen war Ende Juli an der Mindestannahmeschwelle von 50 Prozent gescheitert, der Bochumer Konzern hatte nur 47,6 Prozent der Anteile einsammeln können. Viele Hedgefonds hatten auf mehr Geld spekuliert und ihre Aktien zurückgehalten, Indexfonds hatten ihre Papiere nicht andienen können. Vonovia hatte seine Offerte danach um einen Euro auf 53 Euro aufgestockt, die Mindestannahmeschwelle aber beibehalten. Diese Hürde wurde nun abgeräumt. Vonovia will im insgesamt dritten Anlauf die Übernahme des Wettbewerbers vollenden.

Der Immobilienriese verschafft sich mit dem Manöver mehr Zeit, Aktien des Berliner Wettbewerbers einzusammeln. Durch den Verzicht, mindestens 50 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile einsammeln zu müssen, verlängert sich die ursprünglich am 20. September 2021 auslaufende Annahmefrist um zwei Wochen und wird nun am 4. Oktober enden.

Die Bochumer halten bereits knapp 30 Prozent der Deutsche-Wohnen-Anteile, mehr als vier Prozent sind ihnen bis Montag abend im Rahmen der Übernahmeofferte angedient worden. Vonovia habe zudem Verträge mit Investoren über den Erwerb von rund sechs Prozent der ausstehenden Aktien geschlossen, teilte der Konzern mit. Vonovia habe sich damit schon zum jetzigen Zeitpunkt mehr als 40 Prozent der Anteile gesichert.

Für Mieter ist die anstehende Übernahme eine schlechte Nachricht, erklärte Jonas Becker, Sprecher der Berliner Initiative »Deutsche Wohnen und Co. enteignen« (DWE), am Dienstag gegenüber jW. Denn diese verursache Kosten, die durch weitere Mietsteigerungen zusätzlich eingenommen werden müssten. »Das nochmals erhöhte Übernahmeangebot der Vonovia für die Deutsche Wohnen wird somit auch direkt aus Mietsteigerungen finanziert werden müssen. Dadurch zahlen letztendlich die Mieterinnen und Mieter für die Fusion.« Becker forderte, dass Wohnungen »nicht Spielball börsennotierter Großkonzerne« sein dürften. Die Vergesellschaftung der großen Immobilienkonzerne sei der einzig sichere Weg, langfristig und bezahlbar Wohnraum zu sichern.

Eine Etappe dorthin könnte der parallel zur Bundestags- und Abgeordnetenhauswahl in Berlin stattfindende Volksentscheid sein, bei dem über die Vergesellschaftung von Immobilienkonzernen mit mehr als 3.000 Wohnungen abgestimmt wird. Um diesem Vorhaben jedoch den Wind aus den Segeln zu nehmen, bieten Vonovia und Deutsche Wohnen der öffentlichen Hand etwa 20.000 der rund 150.000 Einheiten in Berlin zum Kauf an. Für 15.000 Wohnungen soll es nun laut mehreren Medienberichten von Montag bereits eine Übereinkunft geben. Demnach will der Berliner Senat 2,4 Milliarden Euro für den Erwerb der Wohnungen ausgeben. (Reuters/dpa/jW)

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