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Aus: Ausgabe vom 15.09.2021, Seite 9 / Kapital & Arbeit
Staat und Wirtschaft in China

Alipay in Schranken gewiesen

Chinesische Behörden ordnen Aufspaltung des Techkonzerns an, der hinter Zahlungsapp steht. Stärkere Regulierungen der Finanzgeschäfte angekündigt
Von Jörg Kronauer
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Unter Aufsicht: Alipay wird seit geraumer Zeit immer fester an die Kandare genommen

Die chinesischen Behörden gehen in ihrer großen Kampagne zur Regulierung der lange Zeit wild wuchernden chinesischen Techkonzerne den nächsten Schritt: Derjenige hinter der Zahlungsapp Alipay soll laut einem Bericht der Financial Times vom Montag aufgespalten werden. Alipay gehört zur Ant Group, einem der größten Fintechkonzerne der Welt, den Beijing seit geraumer Zeit immer fester an die Kandare nimmt. Zunächst hatten die Behörden den geplanten Börsengang des Unternehmens in Shanghai und Hongkong Anfang November 2020 kurzfristig abgesagt; dann folgten empfindliche Strafzahlungen und im April die Anordnung, die Ant Group müsse sich aus einem gewöhnlichen Techkonzern in eine Finanzholding umwandeln. Der Grund: Finanzholdings unterliegen einer stärkeren Regulierung, weil umfangreiche Finanzgeschäfte hohe Risiken mit sich bringen können. Die Ant Group wiederum hatte laut eigenen Angaben Ende Juni 2020 Konsumentenkredite im Wert von gut 225 Milliarden Euro vergeben. Bessere Regulierung schien bei solchen Summen angesagt.

Die Sorge, im Hunderte Milliarden schweren Kreditgeschäft könne bei allzu viel Wildwuchs eine ernste Krise ausgelöst werden, ist ein zentrales Motiv auch bei den aktuellen Plänen zur Aufspaltung von Alipay. Konkret geht es um zwei Dienste – Huabei und Jiebei –, die virtuelle Kreditkarten und Kleinstkredite anbieten und auf der Alipay-App direkt verlinkt sind; das verleitet dazu, schnell mal einen Kleinstkredit abzuschließen und eine begehrte Ware rasch zu kaufen. Entsprechend ist das Geschäft von Huabei – übersetzt: »einfach Geld ausgeben« – und von Jiebei – übersetzt: »einfach Geld leihen« – in den vergangenen Jahren in die enorm gewachsen. Im ersten Halbjahr 2020 stand es schon für 39 Prozent des Umsatzes der Ant Group. Ob diese aber angemessen sicherstellt, dass ihre zahlreichen Kleinstkreditnehmer ihre Darlehen auch wirklich zurückzahlen können, das mag man bezweifeln. Die Ant Group hatte laut Angaben des Handelsblatts zudem nur magere zwei Prozent ihrer Konsumentenkredite eigenständig gegenfinanziert. Eine hohe Zahl an windigen Krediten: So mancher fühlt sich da an die Ursprünge der globalen Finanzkrise im Jahr 2008 erinnert.

Entsprechend schreiten nun die chinesischen Behörden ein. Huabei und Jiebei sollen abgespalten und in einem neuen Joint Venture zusammengefasst werden; zudem sollen sie, um den Anreiz zur unüberlegten Kreditaufnahme zu senken, eine eigene App erhalten und nicht mehr direkt auf der Alipay-App verlinkt sein. Dem neuen Joint Venture wiederum soll die Ant Group die immense Menge ihrer Kundendaten übertragen, auf deren Grundlage sie – nach welchen Methoden auch immer – die Kreditwürdigkeit ihrer Kleinstkreditnehmer überprüft. Darüber hinaus wird das neue Joint Venture eine offizielle Lizenz zur Überprüfung der Kreditwürdigkeit beantragen. Nicht zuletzt sollen Staatsunternehmen an ihm die Mehrheit halten. Damit wird nicht nur die Staatskontrolle über die Kreditvergabepraktiken von Huabei und Jiebei erleichtert: Indem die Ant Group die alleinige Kontrolle über ihre Kundendaten verliert – allein Alipay wird von mehr als einer Milliarde Menschen genutzt –, verliert diese Gesellschaft eine Grundlage für ihre monopolartige Macht.

Wie weit die staatliche Kontrolle über das neue Joint Venture tatsächlich reicht, wird sich zeigen müssen. Wie Reuters zuvor berichtet hatte, soll die Ant Group zwar nur 35 Prozent am neuen Joint Venture halten; zuzüglich eines Sieben-Prozent-Anteils für die Transfar Group, ein Logistik- und Finanzdienstleistungsunternehmen, bleibt der private Anteil bei 42 Prozent. Der staatliche Anteil aber liegt vor allem bei der Zhejiang Tourism Investment Group (35 Prozent); diese freilich ist, wie ihr Name schon sagt, nicht auf heikle Kreditfragen spezialisiert. Faktisch werden die Ant Group und ihr Gründer Jack Ma also weiterhin wohl große Spielräume haben. Im Ernstfall aber kommen sie an der staatlichen Mehrheit kaum vorbei.

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