3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 18. / 19. September 2021, Nr. 217
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 15.09.2021, Seite 8 / Ansichten

Blenderin des Tages: Alexandria Ocasio-Cortez

Von Ina Sembdner
8prt Kopie.jpg
»Tax the rich« – flotter Spruch, aber nichts dahinter? Alexandria Ocasio-Cortez, das prominenteste Gesicht des sogenannten Squad, auf New Yorker Wohltätigkeitsgala (13.9.2021)

Die junge Demokratin hat als eines der vier »Squad«-Mitglieder, die je nach Hintergrund 2018 irgendwas Neues mit in das US-Repräsentantenhaus gebracht haben sollen, viel Vorschusslorbeeren erhalten. Prominent lächeln kann Alexandria Ocasio-Cortez, kurz AOC, immer noch bei jeder Gelegenheit, oder vorzugsweise auch herzzerreißend – am Ende leider doch nur fremdschämpeinlich – weinen am Grenzzaun zu Mexiko, um die dortige Käfighaltung von Geflüchteten anzuprangern, die von ihrem Präsidenten munter weitergeführt wird.

Am Montag abend erregte AOC nun die Gemüter der etwas radikaler gesinnten Menschen, als sie bei der Met-Gala in New York (Eintrittspreis 30.000 US-Dollar) nicht nur einfach in einem Designerkleid auftrat, sondern dieses mit dem Schriftzug »Tax the Rich« verschönern ließ. Für das ND (bzw. den männlichen Redakteur) ein Coup, der »linke Politik sexy« mache – nun ja, Straßenkampf für gleiche Chancen und Rechte ist dafür offenbar weniger geeignet als ein tiefer Ausschnitt.

Auch sonst ziert sich AOC, ihre Hände wirklich schmutzig zu machen. So Anfang des Jahres. Da forderten Vertreter der Demokratischen Partei, darunter der Kampagnenchef von Bernard Sanders, die von wenigen Stimmen abhängende Wahl der Chefin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, an die Bedingung zu knüpfen, dass diese die erste Abstimmung in ihrem Haus abhalte, um – Achtung – allen US-Bürgern medizinischen Versicherungsschutz zu gewähren. Eigentlich AOCs Topthema, zuvor hatte sie bitter beklagt, dass nicht einmal eine Abstimmung möglich sei, die abgelehnt wird. Als die »goldene Möglichkeit« dann greifbar war, wollte sie sich auf so ein Unterfangen, das nach Ansicht vieler unabhängig vom Ergebnis dem Thema die notwendige Aufmerksamkeit verschafft hätte, doch nicht einlassen – solch dröge Publicity ist einfach nicht AOCs Art.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Itaia Muxaic de Ricart aus San Juan, Puerto Rico (15. September 2021 um 12:13 Uhr)
    Über den Auftritt von Alexandria Ocasio Cortez ist in allen Medien weltweit berichtet worden. Wo Kultur und Reichtum zusammenkommen, mahnte sie: »Tax the rich!« (Besteuert die Reichen!) Das kann ein »Rosalux-Gehirn« nicht kapieren: Die Abgeordnete hätte wohl in Bluejeans mit einem Schild vor der Oper erscheinen sollen. Das wäre die deutsche »sozialistische« Mentalität (…). Alexandria Ocasio-Cortez wirkt für soziale Reformen. Kommunismus und Sozialismus kommen noch immer nicht: Das haben auch die Kubaner begriffen und bestellen Land, welches sie brach liegengelassen hatten, um keine privaten Landwirte zu vermehren. (In Vietnam bestehen Aktienbörsen in Hanoi und Ho-Chi-Minh-Stadt.) Also soziale Reformen für unser Jahrhundert. Wall Street sorgt sich, dass in China jetzt die Steuern auf Inmobilien steigen! (Bitte noch mal lesen: dass in China jetzt die Steuern auf Immobilien steigen …) Also nüchtern denken, nicht »rosaluxisch«! – AOC ist übrigens »Boricua« (stammt aus Puerto Rico): Wir »Boricuas« sind exhibitionistisch (…): Haut ist immer in Mode in Puerto Rico! (…) Man sehe zum Beispiel das Video »Salida de Cecilia Valdés« von Marinel Cruz. Die Arie ist die geheime Hymne Kubas: »Meine kubanische Seele und die Freude zu leben!« (…) Vorlage ist ein Roman aus dem 19. Jahrhundert. (…)

Mehr aus: Ansichten

Nur noch bis 26. September: 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!