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Aus: Ausgabe vom 15.09.2021, Seite 7 / Ausland
Israel-Palästina

Besatzer riegeln ab

Israel schließt Grenzübergänge nach Westbank und Gaza während Jom Kippur. Vier der sechs entflohenen Palästinenser gefasst
Von Gerrit Hoekman
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Israelische Soldaten an der Grenze zur besetzten Westbank am vergangenen Freitag

Der Schritt dürfte nicht unbedingt zur Beruhigung der Lage beitragen: Anlässlich des an diesem Mittwoch beginnenden Jom-Kippur-Fests, des höchsten jüdischen Feiertags, wird die israelische Armee die besetzten Gebiete abriegeln. Als Grund gab die Regierung in Israel an, Anschläge zu befürchten. »Wir befinden uns definitiv in einer sehr sensiblen Phase«, warnte Israels Minister für Innere Sicherheit Omer Bar-Lev im öffentlich-rechtlichen Sender Kan 11. Diese Maßnahme ist während jüdischer Feiertage nicht ungewöhnlich.

Die israelischen Einsatzkräfte wurden laut Times of Israel vom Montag in höchste Alarmbereitschaft versetzt. Schwerpunkt sei Jerusalem. 2.000 Polizisten sollen demzufolge an Jom Kippur durch die Straßen der Stadt patrouillieren. »Jeder Zwischenfall könnte die gesamte Region in Aufruhr versetzen, daher bereiten wir uns auf eine Eskalation in Jerusalem, Judäa und Samaria sowie im Gazastreifen vor«, sagte Bar-Lev. Für die palästinensische Westbank benutzte er die hebräischen Namen Judäa und Samaria, mit der jüdische Siedler und ihre Sympathisanten ihren vermeintlich historischen Anspruch auf das Gebiet ausdrücken.

Die ohnehin angespannte Situation hat sich noch einmal verschärft, seit die israelische Polizei am Sonnabend an zwei Orten in der Region um die nordisraelische Stadt Nazareth vier der sechs Gefangenen aufspürte, die am Montag vor einer Woche aus dem Hochsicherheitsgefängnis in Gilboa hatten fliehen können. Die vier Entflohenen leisteten bei ihrer Festnahme anscheinend keinen Widerstand. Wohin sie gebracht wurden, ist ebenso unbekannt wie ihre gesundheitliche Verfassung. Ihre Anwälte durften, Stand Dienstag, noch keinen Kontakt zu ihnen aufnehmen.

Palästinensische Menschenrechtler befürchten, die Gefangenen könnten bei den Verhören psychischer und körperlicher Gewalt ausgesetzt sein, meldete die palästinensische Nachrichtenagentur Maan am Dienstag. Um auch die beiden verbleibenden Geflohenen zu finden, habe die Armee am Montag 13 nahe Verwandte von ihnen festgenommen, darunter eine Mutter und ihre zwei erwachsenen Söhne, teilte die Palästinensische Gesellschaft für Gefangene (PPS) mit. Am Montag kündigten laut WAFA 1.380 palästinensische Gefangene an, ab kommenden Freitag in einen unbefristeten Hungerstreik zu treten, weil sie nach der Flucht der sechs Mitgefangenen heftigen Repressalien ausgesetzt seien. Der populäre Oppositionspolitiker Marwan Barghuthi kündigte an, auch nichts trinken zu wollen.

Die Bevölkerung in Gaza und auf der Westbank nahm die Nachricht von der Festnahme der vier Geflohenen mit Wut auf. Am Montag stach ein 17jähriger Palästinenser in einem Geschäft auf der Jaffa-Straße in Jerusalem mit einem Messer auf zwei ultraorthodoxe jüdische Studenten ein und verletzte sie leicht. Eine israelische Polizistin schoss den Attentäter nieder. Sein Zustand sei ernst, berichtete die Tageszeitung Haaretz. Wenige Stunden zuvor hatte ein 27 Jahre alter Mann an einem israelischen Checkpoint auf der Westbank versucht, einen israelischen Soldaten mit einem Schraubenzieher anzugreifen. Er wurde durch Schüsse verletzt, so die Nachrichtenagentur WAFA.

Am Montag abend kam es dann auch am Checkpoint Hawara unweit von Nablus im Anschluss an einen Solidaritätsmarsch für die Gefangenen zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und der Besatzungsmacht. Mindestens 40 Demonstrierende wurden verletzt, darunter das Politbüromitglied der leninistischen DFLP, Madschida Al-Masri, die von einem Gummigeschoss getroffen ­wurde.

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