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Anordnungen im Amigoland

Von Marek Lantz
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Ob die Münchner Löwen die Coronaregeln einhalten, ließ Gegner Halle am Sonnabend seine Ordner per Razzia überprüfen (München, 9.9.2021)

Eine waschechte Razzia führte der Ordnungsdienst von Fußballdrittligist Hallescher FC am Sonnabend vor dem Heimspiel gegen den TSV 1860 München durch. Und zwar beim Gegner! Als der Mannschaftsbus der Löwen am Stadion vor Ort einparkte, empfingen ihn die Ordner und filzten das gesamte Gefährt. »So etwas habe ich nicht einmal in Russland erlebt«, schäumte Löwen-Sportchef Günther Gorenzel mit erwartbarem Furor. Gesucht wurden bei der Razzia weder Drogen noch Waffen, Falschgeld oder anderes belastendes Material – sondern Sechzig-Trainer Michael Köllner. Der war aber klugerweise zu Hause geblieben.

Ursache der Posse waren konkurrierende Coronaauflagen der jeweiligen Gesundheitsbehörden in Halle und München. Nachdem Löwenspieler Kevin Goden zu Beginn vergangener Woche positiv getestet worden war, hatte das Münchener Amt alle nicht vollständig geimpften Mitspieler in Quarantäne geschickt. Da bei seiner Zweitimpfung die 14tägige Frist bis zum vollen Impfschutz noch nicht vorüber ist, gehörte auch Coach Köllner dazu. Dass sich solcherlei Anordnungen im Amigoland dann auf dem ganz kurzen Dienstweg aushebeln lassen, überraschte anschließend nur naive Zeitgenossen.

Am Freitag ließ der TSV 1860 jedenfalls freudig wissen, Köllner könne das Team doch in Halle coachen: »Nach intensivem Austausch mit dem Münchner Gesundheitsamt wurde ein Zugeständnis erreicht«, frohlockte der Verein. Der Trainer müsse lediglich isoliert anreisen, einen negativen PCR-Test vorweisen und während des Spiels eine FFP2-Maske tragen.
Diese Nachricht rief nun jedoch die Behörden in Halle auf den Plan: Oberbürgermeister und Gesundheitsamt hätten »nach intensiver Prüfung der genehmigten Vorgehensweise, die den Zutritt von Michael Köllner zum morgigen Spiel ermöglicht hätte, kurzfristig abgelehnt«, reagierte der HFC nur wenige Stunden danach und erteilte Köllner für den Sonnabend ein Stadionverbot.

Gekickt wurde hinterher übrigens auch noch. Mit 1:1 trennte man sich, obwohl der HFC nach früher roter Karte für Terrence Boyd über eine Stunde lang in Unterzahl spielen musste.

Mächtig Bohei gab es auch beim Südwestderby zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Waldhof Mannheim. Dies endete nach Toren zwar mit einem schnöden 0:0, die Wertung nach Feldverweisen gewann der FCK jedoch souverän mit 3:1, darunter neben zwei Lauterer Spielern auch jeweils ein Funktionär beider Teams. Im Zentrum der Kritik stand folglich Schiedsrichter Florian Heft, der anfangs lange Leine gewährte, um dann plötzlich um so schroffer zu sanktionieren. Frust herrschte hinterher bei den lange mit elf gegen neun spielenden Mannheimern: »Wenn ein Ball reingeht, hast du die doch gebrochen«, ärgerte sich ihr Verteidiger Jesper Verlaat.

Deutlich weniger aufregend geht es derweil an der Tabellenspitze zu, die nach einem 2:0 bei der BVB-Zweiten weiterhin der 1. FC Magdeburg innehat. Erster Verfolger bleibt Aufsteiger Viktoria Berlin, der Wehen-Wiesbaden mit 3:1 schlug.

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