3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Sa. / So., 18. / 19. September 2021, Nr. 217
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 11.09.2021, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Bildreportage

Blut und Beton

Zerstörung und Wiederaufbau in Beirut. Porträt eines flüchtigen Ökosystems, in dem sich Freiwillige, Bauarbeiter und Anwohner treffen
Von Aline Deschamps
Yehya, ein junger Syrer, ist einer von 250 Facharbeitern und Handwerkern, die von »Offre Joie« beschäftigt werden. Seit dem 4. August 2020 arbeitet die NGO vor Ort am Wiederaufbau von Karantina
(l.) Michelle stieß im ­Oktober 2020 zur NGO »Offre Joie«, ohne zu wissen, was sie erwarten würde. Die außergewöhnliche Dynamik unter den Helfenden hat ihr aber Mut gegeben (r.). Dass der Wiederaufbau vorangeht, ist einzig den vor Ort tätigen NGOs und freiwillig helfenden ­Libanesen zu verdanken
(l.) Überlebenskunst: Mitten in den Trümmern Karantinas wächst eine Bananenpalme (r.) Stück für Stück wird das Viertel Karantina wieder aufgebaut
(l.) Neue Fenster für die Einwohner von Karantina: Mike und seine Kollegen arbeiten für die NGO »Offre Joie« (r.) Georges, der sein Haus durch die Explosion verlor, beschwert sich über die libanesischen Behörden: »Die Leute in der Gemeinde wollen nicht, dass ich mein Haus wieder aufbaue. Sie wollen den Platz nutzen, um Gebäude für Unternehmen in der Nähe des Hafens zu bauen.«

Die doppelte Explosion vom 4. August 2020 hat den Beiruter Stadtteil Karantina, der den Osten des Hafens im Norden der libanesischen Hauptstadt umschließt, stark zerstört. Dieses eigentlich beliebte Wohn, Gewerbe- und teilindustrielle Viertel gehört zu den am stärksten betroffenen Gebieten der Hauptstadt.

Historisch gesehen war das »Viertel der Quarantäne« die Heimat der Kranken, die Mitte des 16. Jahrhunderts in den libanesischen Hafen kamen. Heute sind die Einwohner völlig verarmt.

Viele wurden bei der Explosion verletzt, haben Angehörige verloren, oder ihre Häuser wurden zerstört. Wenige Tage nach der Katastrophe kamen nur NGOs, um das, was zerstört, zerbrochen und geplündert worden war, wiederaufzubauen. Eine Armee von Freiwilligen aus dem Libanon und aus dem Ausland entwickelte sich zur tragenden Säule der Wiederaufbaubemühungen.

Nach Monaten mit einem strengen Lockdown im Libanon, während dessen die Arbeit eingeschränkt oder ausgesetzt werden musste, und trotz einer Wirtschaftskrise, die das Land lähmt, schätzt die in Karantina vertretene NGO »Offre Joie« heute, dass der Prozess der Wiederinstandsetzung zu mehr als 75 Prozent abgeschlossen sei.

In dieser postapokalyptischen Stadtlandschaft stehen Ruinen im Kontrast zu den hohen Gerüsten der Baustellen. Persönliche Gegenstände, die durch die Detonationen aus den Häusern geschleudert wurden und mit Staub bedeckt sind, kontrastieren mit dem hellen neuen Anstrich einiger sanierter Gebäude. Autos, die vorübergehend stillgelegt wurden, stehen neben einer üppigen Vegetation, die wieder zum Leben erwacht ist.

Ein Jahr und einen Monat nach dem Unglück ist die Untersuchung der Umstände der Tragödie, die mehr als 214 Tote und 6.500 Verletzte forderte, noch immer nicht abgeschlossen. Das ist eine zusätzliche Belastung für ein Land in politisch unruhigen Zeiten – inmitten einer Pandemie und mit einer abwesenden Regierung. Die Bevölkerung hingegen setzt ihre Bemühungen fort, den vergessenen Einwohnern Schutz und Würde zu bieten. Die Bilder entstanden zwischen Oktober 2020 und Juni dieses Jahres.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Nur noch bis 26. September: 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!