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Aus: Ausgabe vom 08.09.2021, Seite 8 / Ansichten

Aschenputtel des Tages: Elizabeth Holmes

Von Simon Zeise
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Ihre Erfindungen entpuppten sich als Schwindel: Elizabeth Holmes muss auf der Anklagebank Platz nehmen

Sie galt als Starlet am Finanzhimmel. Als Elizabeth ­Holmes 2003 ihre Firma Theranos gründete, war sie erst 19 Jahre alt. Die von ihr entwickelten Bluttests würden die medizinische Diagnostik revolutionieren, hieß es. Nur ein paar Tropfen des Lebenssaftes in die Geräte geträufelt und schon ließen sich Dutzende Krankheiten bis hin zu Krebs und HIV diagnostizieren – viel schneller und billiger als in herkömmlichen Laboren.

Die Augen der Spekulanten begannen zu leuchten. Holmes Firma lockte politische Schwergewichte an: Ex-US-Außenminister Henry Kissinger und der spätere Verteidigungsminister James Mattis übernahmen Vorstandsposten, Medienmogul Rupert Murdoch investierte Millionen. Ende 2015 hatte sich das einstige Startup zu einem Großkonzern mit 800 Beschäftigten herausgeputzt. Holmes wurde als Visionärin gefeiert und mit Apple-Gründer Steve Jobs verglichen. ­Forbes schätzte ihr Vermögen auf dem Höhepunkt ihrer Karriere auf 3,6 Milliarden Dollar. Sie war die jüngste Milliardärin, die ihr Geld nicht geerbt hatte. Die Medien lagen ihr zu Füßen: Vom Time-Magazin wurde sie zu einer der einflussreichsten Personen der Welt gekürt.

Doch bei Licht betrachtet ergraute die Welt von Aschenputtel. Alles war, wie so oft an der Börse, ein großer Bluff. Die Tests haben nie funktioniert. Die Maschinen von Theranos waren bloß Attrappen, die Arbeit erledigten schnöde Fabrikate aus dem Hause Siemens. Am Mittwoch muss die einstige Prinzessin der Hochfinanz im kalifornischen San José auf der Anklagebank Platz nehmen. Wertpapierbetrug wird ihr zur Last gelegt. Die US-Börsenaufsicht hat sie in die Verbannung geschickt: Zehn Jahre lang ist es ihr untersagt, ein Unternehmen an der Wall Street zu leiten. Mittlerweile ist Holmes mittellos. Nachweisen konnte ihre Wundermaschine übrigens nur eine Krankheit: Herpes.

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