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Aus: Ausgabe vom 07.09.2021, Seite 8 / Ansichten

Schlagzeilenbeauftragter des Tages: Marco Wanderwitz

Von Jan Greve
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Kennt sich qua Amt mit den Ostdeutschen aus: Marco Wanderwitz

Irgendwo zwischen humanitärer Katastrophe in Afghanistan und Aufräumarbeiten im Ahrtal hat es Marco Wanderwitz wieder geschafft. Fürchtet ein besorgter Redakteur das Sommerloch, so braucht er dem CDU-Politiker nur ein Mikrofon unter die Nase zu halten. Das Thema ist dabei stets dasselbe: Beschimpfung derjenigen, die im Osten dieses ansonsten so herrlichen Landes leben. Am Montag versorgte uns der »Ostbeauftragte der Bundesregierung« mit folgender Schlagzeile: »Es wird dann kein Halten geben.«

Um Himmels willen, was bricht da über uns herein? Blättert doch noch jemand den Kalender bis ins Jahr 2015 zurück? Halten die Dämme bei der nächsten Jahrhundertflut? Nein, es ist die Coronapandemie, zu der sich Wanderwitz gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe fachkundig äußert. »Wenn die Schulferien in allen fünf neuen Ländern zu Ende sind, werden die Infektionszahlen mit großer Sicherheit deutlich steigen«, wiederholt der Mann das Einmaleins der Epidemiologie – und schafft es dabei zum wiederholten Male, nichtssagende Phrasen in dem politisch erwünschten Sound wiederzugeben und dadurch so etwas wie eine Nachricht zu komponieren. In diesem Fall heißt das: Im Osten gibt es eine »im Vergleich zum Westen hohe Zahl von Ungeimpften« und eine große Zahl von Menschen, »die die Schutzmaßnahmen verweigern«. An diesem Punkt muss er nicht hinzufügen, was das konditionierte Publikum ohnehin mitdenkt: Die da drüben sind immer noch nicht in der Demokratie angekommen, ergo: infektiologisches Risiko.

Um was geht es Wanderwitz? Wäre es das Beheben von Missständen, sein Name bekäme angesichts seiner Taten eine gewisse Ernsthaftigkeit. Wundern wird sich der CDU-Spitzenkandidat in Sachsen für die Bundestagswahl nicht dürfen, wenn die AfD in wenigen Tagen erneut stärkste Kraft im Freistaat wird.

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  • Leserbrief von Roland Winkler aus Aue (13. September 2021 um 12:14 Uhr)
    Hat der Osten einen Ostbeauftragten wie Wanderwitz verdient? Er hat bereits mehrfach Verstand und Intellekt der Ostdeutschen auf harte Proben gestellt. Jetzt wagt er sich auf das beliebte Feld der Pandemie. Die hohe Zahl der Ungeimpften im Osten macht ihm Sorge und veranlasst ihn zu schweren Warnungen und Erkenntnissen. Im Osten werden Schutzmaßnahmen verweigert, findet der Ostbeauftragte. Vermutlich, und damit wird er seinem Ostbeauftragten-Auftrag gerecht, liegt es daran, dass der Osten in der Demokratie noch nicht angekommen ist. Heißt, die Diktatur steckt allen Ostdeutschen noch in Mark und Bein. Selbst denen, die Diktatur nur von Kinderheim bis Schule erleben mussten. Auf die geniale Idee zu kommen, dass der Osten nun endlich mal die Freiheit ausleben will, die ihm jahrzehntelang als Freiheit weisgemacht wurde, darauf darf der Ostbeauftragte nicht kommen. Jedem vermeintlich in Diktatur und Unterdrückung, Unfreiheit und Unrecht Herangewachsenen im Osten ist es dann eben eine der höchsten Freiheiten, zum Impfen auch nein sagen zu dürfen. So dumm, dämlich und geistlos es auch ist, die Freiheit, das zu sein, ist entscheidend. Übrigens haben für dieses Niveau die Wanderwitz und Co. gesogt, kein Honecker oder Mielke. Also Wanderwitz wählen für noch mehr Freiheit.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Michael M. aus Berlin ( 7. September 2021 um 18:10 Uhr)
    »Kennt sich qua Amt mit den Ostdeutschen aus.« Nicht qua Amt, sondern weil er ein wahrer Untermnischelgeborener ist.

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