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Aus: Ausgabe vom 07.09.2021, Seite 2 / Ausland
Afghanistan

Taliban erobern Pandschir

Islamisten verkünden Kontrolle über ganz Afghanistan
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Die »Nationale Widerstandsfront« erklärte am Montag, sie werde weiter gegen die Taliban kämpfen

Mit der Provinz Pandschir haben die Taliban die letzte Bastion ihrer Gegner in Afghanistan erobert. Pandschir stehe unter vollständiger Kontrolle der Islamisten, erklärte der Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid am Montag morgen in Kabul. Mit dem Sieg über die »Nationale Widerstandsfront« (NRF) im Pandschir-Tal sei das Land »vollständig aus dem Sumpf des Krieges befreit«, so Mudschahid weiter.

Die Taliban waren bereits am Wochenende im Pandschir-Tal vorgerückt. Sie meldeten schwere Kämpfe und Gebietsgewinne in der Provinz nördlich von Kabul. Die »Nationale Widerstandsfront« erklärte am Montag, sie sei immer noch in »strategischen Positionen« präsent. »Der Kampf gegen die Taliban und ihre Partner wird weitergehen«, hieß es von der Gruppe auf Twitter. In einer Audiobotschaft rief NRF-Anführer Ahmed Massud zu einem »allgemeinen Aufstand um der Ehre, Freiheit und des Stolzes unserer Heimat willen« auf.

Bei einer Pressekonferenz am Montag warnten die Taliban vor jeglichem Widerstand gegen ihre Herrschaft. Solcher würde hart bestraft werden, sagte Sprecher Mudschahid vor Reportern. Ehemalige Regierungstruppen, die in den vergangenen 20 Jahren ausgebildet wurden, forderte er auf, sich den Taliban anzuschließen.

Drei Wochen nach der Machtübernahme haben die Taliban bislang immer noch keine Regierung gebildet. Mudschahid sagte nun, dass es zunächst ein »Interimssystem« geben werde. »Die endgültigen Entscheidungen sind getroffen, wir arbeiten jetzt an den technischen Fragen.«

Unterdessen gaben die Taliban Sicherheitsgarantien für humanitäre Helfer. Die Islamisten hätten in Gesprächen zugesichert, dass Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sich im Land frei und sicher bewegen könnten, erklärte ein UN-Sprecher am Sonntag. Rund die Hälfte der afghanischen Bevölkerung ist nach Einschätzung der UNO von einer humanitären Katastrophe bedroht. Das Land ist in hohem Maße von Hilfszahlungen aus dem Ausland abhängig.

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kündigte in der Rheinischen Post (Montagausgabe) eine Verstärkung der deutschen Unterstützung für Hilfsorganisationen der UNO und anderer »erfahrener« Träger an, »um eine Hungerkatastrophe zu verhindern und die Ernährungsversorgung in Afghanistan aufrechtzuerhalten«. (AFP/jW)

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