Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Gegründet 1947 Montag, 18. Oktober 2021, Nr. 242
Die junge Welt wird von 2589 GenossInnen herausgegeben
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder > Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Aus: Ausgabe vom 07.09.2021, Seite 1 / Inland
Pandemie in der BRD

Inzidenz erstmals getrennt ausgewiesen

Corona: Auswertung in Hessen und Stuttgart ergab deutlich geringere Fallzahlen für Geimpfte
imago0131924709h.jpg
Neue Priorität: Coronaimpfung für über 12jährige an einer Schule in Nordrhein-Westfalen (Düsseldorf, 27.8.2021)

Das Bundesland Hessen und die Stadt Stuttgart haben am Montag erstmals die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz bei Infektionen mit dem Coronavirus getrennt nach Geimpften und Ungeimpften ausgewiesen. Die Unterschiede zwischen diesen beiden Gruppen sind dabei groß: In Hessen liegt der Wert bei Personen ab zwölf Jahren ohne vollständigen Impfschutz aktuell bei 272,3 Neuinfektionen pro Woche je 100.000 Einwohnern – unter den vollständig Geimpften bei 9,7. Das ging aus dem täglichen Bulletin der Hessischen Landesregierung hervor.

In Stuttgart wurden die Zahlen für den Zeitraum vom 23. bis zum 29. August veröffentlicht. Während sie unter den Ungeimpften oder Teilgeimpften demnach bei 202 lag, betrug sie bei den vollständig gegen das Coronavirus Geimpften 28. »Was wir derzeit erleben, ist eine Pandemie der Ungeimpften«, erklärte dazu der Leiter des Gesundheitsamts, Stefan Ehehalt. Im Klinikum Stuttgart sei kein Fall bekannt, bei dem ein Infizierter mit einer vollständigen Impfung auf die Intensivstation musste.

Hessen ist mit einer Gesamtinzidenz von 116,9 laut Robert-Koch-Institut (RKI) derzeit auf Platz eins bei den Neuinfektionen. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz war am Montag erneut gestiegen und lag laut RKI bei 84,3. Acht weitere Menschen starben den Angaben zufolge im Zusammenhang mit einer Coronainfektion. Das RKI unterscheidet bei der Veröffentlichung der bundesweiten Inzidenz nicht zwischen Geimpften und Ungeimpften.

Derweil sprach sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Montag vor dem Hintergrund des Endes der Schulferien in Sachsen und Thüringen für einfachere Quarantäneregeln bei Coronafällen in Schulen aus. In der Regel solle eine Quarantäne von fünf Tagen möglich sein, die dann mit einem negativen Coronatestergebnis beendet werden könne, sagte der CDU-Politiker am Montag in Berlin vor Beratungen mit den Länderressortchefs über eine einheitliche Linie. (dpa/AFP/jW)

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung. Jetzt an deinem Kiosk!

Die Tageszeitung junge Welt beschreibt in ihrer Berichterstattung die Ausbeutungs- und Machtverhältnisse klar und deutlich. Für alle, die sie verstehen wollen, lohnt sich der Gang zum Kiosk und ein Blick in die  junge Welt!

  • Leserbrief von Udo aus Belrin ( 7. September 2021 um 11:45 Uhr)
    Der Haken an Statistiken ist immer, auf welcher Menge die Untersuchungen erfolgen. Da entsprechend der weit verbreiteten 3G-Regel fast nur noch ungeimpfte Tests benötigen, während geimpfte auch ohne Test alles machen können, werden doch fast nur noch ungeimpfte getestet. Dann ist es doch offensichtlich, dass auch die postiven Testergebnisse fast ausschließlich ungeimpfte betreffen. Positive Tests unter geimpften wird es doch überwiegend nur noch geben, wenn diese mit Symptomen erkranken oder ins Krankenhaus kommen. Es werden also positive Fälle von Ungeimpften auch ohne Symptomen mit postiven Fällen von Geimpften mit Symptomen verglichen. Um eine belastbare Aussage über die Inzidenz unter den beiden Gruppen treffen zu können, dürfen die positiven Testergebnisse nicht mit der Gesamtbevölkerung verglichen werden, sondern mit der Menge, die in den jeweiligen Gruppen der geimpften und ungeimpften überhaupt getestet wurde. Diese Zahlen werden allerdings nicht dazu veröffentlicht. Immerhin beteiligt sich nicht das RKI an solchen unseriösen Zahlenspielereien. Die Aussage, dass es im Klinikum Stuttgart in dem Zeitraum keinen bekannten Fall eines geimpften auf der Intensivstation gab, ist ohne die Gesamtzahl der Corona-Fälle auf deren Intensivstation auch wertlos bzw. irrreführend. Im Divi-Register finde ich für diesen Zeitraum insgesamt zehn Fälle für die gesamte Stadt Stuttgart, in der es zehn meldende Einrichtungen gibt. Nach diesen Zahlen ist die Wahrscheinlichkeit, dass es im Klinikum Stuttgart keinen einzigen Corona-Intensivpatienten gab, also gar nicht mal so klein.
    • Leserbrief von Onlineabonnent/in Jane Z. aus Rheinsberg ( 7. September 2021 um 16:47 Uhr)
      Danke! Es gibt also auch unter junge-Welt-Lesern noch Menschen, die rechnen können. Ich hatte manchmal den Eindruck, als wären auch unter uns lauter gläubige Zahlennachbeter und keine kritischen Geister mehr.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Raphael B. ( 7. September 2021 um 08:43 Uhr)
    Es wäre interessant zu wissen, wie viele Menschen mit bzw. ohne Impfung getestet wurden. Da sie nur absolute Zahlen angeben sind diese leider nicht aussagekräftig.
  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Herbert W. aus Hamburg ( 7. September 2021 um 00:10 Uhr)
    Könnten die unterschiedlichen Inzidenzen etwas damit zu tun haben, dass Ungeimpfte sich ständig testen lassen müssen und Geimpfte nicht?

Die Buchlesewoche der Tageszeitung junge Welt vom 20. bis 23. Oktober. Alle Infos hier!