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Aus: Ausgabe vom 01.09.2021, Seite 16 / Sport

Im falschen Winkel

Von André Dahlmeyer
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»Joga bonito« war einmal: Rekordweltmeister Brasilien hat schlecht gespielt und ist frühzeitig ausgeschieden (hier 2011 in Ravenna)

Einen wunderschönen guten Morgen! Strandfußballweltmeisterschaften werden seit 1995 ausgetragen. Die ersten zehn Turniere wurden jährlich von der Beach Soccer Worldwide ausgerichtet, einer Organisation mit Sitz in Barcelona, fanden jedoch allesamt in Brasilien statt. Neun dieser Titel sicherten sich die Gastgeber selbst. 2001 und 2002 waren die einzigen Jahre, in der die WM nicht in Rio de Janeiro ausgetragen wurde – dabei glänzten jeweils die Portugiesen.

2001, in Costa do Sauípe, einem Tourismusresort nahe Salvador da Bahia im Nordosten des Landes, wurden die Lusitaner nach einem 9:3 gegen Frankreich sogar erstmals Weltmeister. Brasilien verlor das Spiel um Platz drei gegen Argentinien mit 5:6 – bis heute die beste Plazierung der Silberländer (und das im Krisenjahr 2001, als das Land in Flammen stand) und die schlechteste der Brasilianer in all den Jahren, in denen sie zumindest im kleinen Finale standen.

Seit 2005 wird der Wettbewerb von der Zahngoldmafia aus Zürich ausgetragen und heißt nunmehr FIFA-Beachsoccer-Weltmeisterschaft. Die ersten drei Turniere wurden wieder in Brasilien und alle in Rio ausgetragen. 2005 schockten die Franzosen, die mit einem 1:0 Sieg nach Penaltyballern gegen Portugal das bis heute einzige Mal den Titel einheimsten. Den Gastgebern blieb nur der dritte Platz (11:2 gegen Japan.) In den beiden darauffolgenden Campeonaten holten die Asterixe noch einen dritten und vierten Platz, seitdem sind sie in der Versenkung verschwunden.

Die Brasilianer dominierten weiter und gewannen viermal hintereinander den Titel. Seit 2009 (Dubai) wird das Turnier im Zweijahresrhythmus ausgetragen, das hat die Brasucas aus dem Rhythmus gebracht (letzter Heimvorteil: 2007). Wenn die Sonne im falschen Winkel steht, zicken sie. Zwar gewannen sie 2017 in Nassau auf den Bahamas (Deutschland war als Austragungsort abgelehnt worden) noch ihren 14. Titel (6:0 gegen Tahiti). Doch bei den anderen drei der vergangenen vier Weltmeisterschaften kamen sie erstmals nicht mehr unter die letzten vier. Inklusive der am Sonntag in Moskau zu Ende gegangenen.

Gekickt wurde im Luschniki-Olympiakomplex. Bereits in der Gruppenphase verlor Brasilien nach Penaltys gegen die Schweiz, die erst durch den Boykott der Ukraine nachgerückt war. Im Viertelfinale war dann bereits gegen den Senegal Endstation (1:2 nach Verlängerung). Die Senegalesen hatten in der Gruppe Portugal (Weltmeister 2015 und 2019, also Titelverteidiger) besiegt, dann überraschend gegen das Sultanat Oman verloren. Da Uruguay die Lusitaner eliminierte, reichte das aber zum Weiterkommen. Erstmals mit dabei war die Auswahl Mosambiks, der sogar ein Sieg gegen die Vereinigten Arabischen Emirate gelang.

Gastgeber Russland, Weltmeister 2011 und 2013, musste sich wegen der Vollspacken der Weltantidopingagentur und der vom Internationalen Sportgerichtshof mal wieder verkleiden. Unsere Jungs aus Russland nahmen als »neutrale Athleten« der Rossiski Futbolny Sojus (Russische Fußballunion) und unter der Flagge des Russischen Olympischen Komitees teil. Korinthenkackerei geht genau so. Aber wen hat das gejuckt? Nach Siegen gegen die USA (nach Verlängerung), Paraguay (nach Penaltys) und Japan (7:1 weggefegt), wurden im Viertelfinale die Spanier zerlegt und im Halbfinale die Schweizer vom Punkt (Sandhäufchenberg) besiegt.

Das Finale war unser! Und da lauerte schon wieder die gelbe Gefahr, aber so gefährlich waren die gar nicht, und mit 5:2 (schon im dritten Viertel war alles in trockenen Tüchern) kamen sie echt noch gut weg! Russland zum dritten Mal Weltmeister! Strandfußball bleibt slawisch! Senegal (7:9 gegen die Schweiz) wurde Vierter, die beste Plazierung aller Zeiten für ein Team aus Afrika. Brasilien bekam für seine devote Spielweise den Fair-Play-Preis, die restlichen Auszeichnungen griffen die Schweizer ab. Neutral gefragt: Wo liegt noch mal der Sitz der FIFA?

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