3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Dienstag, 28. September 2021, Nr. 225
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 31.08.2021, Seite 7 / Ausland
Statt ausländischer Einmischung

Fast alle an einem Tisch

Irak veranstaltet Konferenz für regionale Stabilität mit Nachbarländern. Syrien außen vor
Von Karin Leukefeld
imago0132063712h.jpg

Ursprünglich hatte Bagdad Anfang August zu einer »Konferenz der Nachbarstaaten des Irak« eingeladen, um regionale Spannungen auszugleichen, Probleme zu erörtern und einen Mechanismus der Kooperation einzuleiten. Mit der Ankündigung des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, am Sonnabend in der irakischen Hauptstadt als Mitveranstalter aufzutreten, wurde aus dem Nachbarschaftstreffen eine »Konferenz für Kooperation und Partnerschaft«.

Jahrzehnte Krieg haben den Staaten der Region einen hohen Preis abverlangt. Die Aussicht auf wirtschaftliche Kooperation birgt sowohl für den Irak als auch für die anderen Länder Chancen. Mit der Einladung an seine Nachbarn bietet Bagdad sich als Vermittler an.

Erstmals seit dem Abbruch ihrer diplomatischen Beziehungen 2016 trafen am Wochenende wieder die Außenminister des Iran, Hossein Amir-Abdollahian, und Saudi-Arabiens, Faisal bin Farhan, aufeinander. Die Spannungen zwischen beiden Staaten werden für zahlreiche Konflikte in der Region, einschließlich der Kriege in Syrien und Jemen, mit verantwortlich gemacht.

Der irakische Ministerpräsident Mustafa Al-Kadhimi konnte mit der Konferenz kurz vor den Parlamentswahlen im Oktober positive Schlagzeilen verbuchen. Der Einladung nach Bagdad waren neben Iran und Saudi-Arabien fast alle Nachbarländer und nahezu alle Mitglieder der Arabischen Liga gefolgt. Ägypten, Jordanien, Katar, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate waren mit Staats- und Regierungschefs vertreten. Die Türkei schickte Außenminister Mevlüt Cavusoglu.

An dem Treffen in der »Grünen Zone« in Bagdad nahm Syrien nicht teil. Der iranische Außenminister kritisierte, dass »dieser wichtige Nachbar Iraks« nicht eingeladen worden sei. Noch am Abend nach der Konferenz flog Amir-Abdollahian zu einem Treffen mit seinem syrischen Amtskollegen Faisal Mekdad nach Damaskus weiter.

Irak dürfe nicht länger »Schauplatz für regionale und internationale Konflikte« sein, erklärte Al-Kadhimi zu Beginn der Konferenz. Die Staaten der Region sollten kooperieren, die ausländische Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Länder müsse aufhören. Alle an einen Tisch zu bringen, sei ein Fortschritt, hieß es in Bagdad. Neben dem Krieg im Jemen und der schwierigen wirtschaftlichen und politischen Lage im Libanon ging es vor allem um Investitionen und den Ausbau wichtiger Infrastruktur im Irak und in Jordanien. Das Königreich soll offenbar als neue Drehscheibe für regionalen Stromhandel ausgebaut werden.

Politisch bleiben die Interessen konträr. Bagdad will sich als Vermittler der Region positionieren, Ankara will seinen Einfluss im Norden des Irak wie in Syrien gegen die Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) ausweiten. Ein Vordringen der Türkei wiederum wollen die arabischen Golfstaaten verhindern. Ägypten und Jordanien agieren unter erheblichem Einfluss des Westens. Die USA und einige europäische Länder wollen ihren Partner Israel stärken. Für den Iran ist es wichtig, seinen Einfluss im und durch den Irak nicht zu verlieren. Saudi-Arabien wiederum will eben diesen zurückdrängen.

Macron erklärte, Frankreich werde seine Militärpräsenz im »Kampf gegen den Terror« beibehalten, solange die irakische Regierung darum bitte. Unabhängig von den US-Streitkräften habe Paris die »operationellen Kapazitäten« für einen solchen Einsatz. Derzeit sind 800 französische Soldaten im Irak und in Jordanien stationiert.

Gerade im Irak geht es auch um Wirtschaftsinteressen. Der französische Ölriese Total einigte sich im März 2021 mit dem Bagdader Ölministerium auf ein Investitionsprogramm für vier umfangreiche Energieprojekte. Im Dezember 2020 hatte der französische Flughafenbetreiber Aéroports de Paris Ingénierie sich mit der irakischen Luftfahrtbehörde auf den Wiederaufbau des Flughafens von Mossul verständigt.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Ähnliche:

  • Libyens Staatschef Ghaddafi galt dem Westen länger als Feindbild...
    10.02.2021

    Nicht ohne den Westen

    NATO und regionale Verbündete nutzten Proteste 2010/11 für eigene geopolitische Ziele
  • Freiwillige, die sich zum Kampf gegen ISIL gemeldet haben, am So...
    17.06.2014

    Kämpfe um Flughafen

    Aufständische im Irak: Sturm auf Bagdad hat begonnen. ISIL besetzt weitere Stadt. Regierungschef Maliki macht Saudi-Arabien und Katar verantwortlich

Mehr aus: Ausland

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!