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Aus: Ausgabe vom 28.08.2021, Seite 5 / Inland
Personalabbau

Airbus setzt auf Eskalation

Im Streit mit Flugzeugbauer um Konzernumbau fordert IG Metall jetzt Sozialtarifvertrag
Von Susanne Knütter
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Von dem neuerlichen Konzernumbau bei Airbus sind 13.000 Beschäftigte betroffen

Die Befürchtungen haben sich wieder einmal bestätigt. Erst hat Airbus die Coronapandemie dazu genutzt, den Umbau des Konzerns zu forcieren und Stellen zu streichen. Nun steht der nächste »Umbau« des Flugzeugbauers an. Es geht um die Abspaltung großer Teile der Tochtergesellschaften Airbus-Operations und Premium Aerotec. Die IG Metall spricht von Zerschlagung. Am Freitag verkündete sie ihr weiteres Vorgehen in dem Konflikt.

In der letzten Auseinandersetzung, die im März mit einem »Antikrisenprogramm« endete, hatte die IG Metall noch »Personalabbau mit Augenmaß« gefordert, wie Daniel Friedrich, Leiter des IG-Metall-Bezirks Küste, in einer Pressekonferenz am Freitag sagte. Aber der Konzern war nicht darauf eingegangen. Jetzt trete ein, was die Gewerkschaft aufgrund der Stellenstreichungen vorausgesagt hatte. Wegen Produktionsrückständen würden die freien Wochenenden in Frage gestellt und Leiharbeiter eingesetzt. Und nun steht die nächste Strukturreform an, und das Management setze eher auf »Eskalation als Befriedung«, so Friedrich, der vom Vorstand der Gewerkschaft mit der bundesweiten Verhandlungsführung beauftragt wurde.

Dabei hatte die IG Metall einmal mehr Kooperationsbereitschaft signalisiert. Wenn Veränderungen sinnvoll sind, seien Gewerkschaft und Betriebsrat bereit, sie mitzutragen. Im Gegenzug verlangten die Beschäftigtenvertreter »feste Zusagen für laufende und zukünftige Programme« für die betroffenen Standorte. In Gesprächen auf betrieblicher Ebene sei den Betriebsräten zwar künftige »Strukturanfertigung« in Aussicht gestellt worden. Aber in welchem Volumen blieb offen, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Holger Junge im Pressegespräch.

Statt dessen müsse die Gewerkschaft nun feststellen, ärgerte sich IG-Metall-Sekretär Friedrich, dass das Management – trotz anderer Kommunikationsvereinbarungen – Briefe an die Beschäftigten verschickt und eigenständig Pressekonferenzen abhält. Zum Pressegespräch der IG Metall wurden die Vertreter der Kapitalseite dagegen eingeladen, ohne öffentlich Stellung beziehen zu müssen.

Worum geht es? Der Chef des Dax-Anwärters Airbus, Guillaume Faury, hatte im April angekündigt, dass Anfang 2022 Teile von Airbus Operations und große Teile von Premium Aerotec in einer neuen Tochter aufgehen, die sich um die Strukturmontage kümmert. Dabei geht es zum Beispiel um große Rumpfteile. Zudem soll eine neue Einheit entstehen, die sich auf die Fertigung von Einzelteilen und Kleinkomponenten konzentriert. Für dieses Unternehmen, das auch andere Kunden bedienen soll, strebt Airbus die Verbindung mit einem »starken externen Partner« an.

Betroffen sind knapp 13.000 Beschäftigte an den Airbus-Standorten in Hamburg, Bremen und Stade sowie bei der Airbus-Tochter Premium Aerotec in Nordenham, Varel und Augsburg, sagte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Holger Junge am Freitag. Das Unternehmen stelle zwar immer die »Einzelteilfertigung« in den Mittelpunkt ihrer Begründung für die Umstrukturierung. Aber betroffen seien wesentlich mehr Bereiche. »Airbus wird durch die neue Struktur nicht stärker, sondern schwächer«, argumentierte IG-Metall-Verhandlungsführer Friedrich. »Eine Abspaltung und einen möglichen Verkauf der Einzelteilefertigung, zu der die Premium-Aerotec-Werke in Varel ganz und Augsburg teilweise gehören, lehnen wir ab. Der Bereich gehört mit in die neue Struktur.« Bis heute habe das Management nicht überzeugend nachweisen können, »warum nach der Schaffung neuer Schnittstellen die Abarbeitung der vollen Auftragsbücher besser funktionieren soll«, erklärte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus Operations Jan-Marcus Hinz.

Da die Kapitalseite nicht zu einem Zukunftspaket bereit ist, fordert die Gewerkschaft nun einen Sozialtarifvertrag. Denn, so die Begründung von IG- Metall-Sekretär Friedrich, gegen die Konzernentscheidung könnten die Beschäftigten nicht streiken, aber für die Abmilderung der Folgen im Rahmen eines Sozialtarifvertrags. Für die Tarifverhandlungen, die am 1. September beginnen, haben die gewerkschaftlichen Tarifkommissionen von Airbus-Operations und Premium Aerotec folgende Forderungen aufgestellt: eine Abfindung von drei Bruttogehältern je Jahr der Betriebszugehörigkeit, mindestens jedoch 25.000 Euro, sollten Beschäftigte ihren Job verlieren. Außerdem sollen eine Härtefallregelung sowie zweijährige Qualifizierungsmaßnahmen vereinbart werden. Weil die Umbaupläne aus Sicht der Gewerkschaft langfristige Folgen haben dürften, verlangt sie eine Laufzeit von zwölf Jahren.

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