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Aus: Ausgabe vom 25.08.2021, Seite 16 / Sport

Annie und Adriana

Von André Dahlmeyer
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Bald mit eigenem Verband? Perus Frauennationalteam im Einsatz (hier gegen Costa Rica, 31.7.2019)

Einen wunderschönen guten Morgen! Alianza Lima und Universitario de Deportes haben sich in der peruanischen Frauenfußballiga direkt für die Semifinals qualifiziert und dabei ganz nebenbei – und wohl auch absichtlich – die Männerwelt durch einige Rekorde geschockt.

Frauenfußball hat in jüngster Zeit in Südamerika für viel Aufmerksamkeit und ein wachsendes Interesse gesorgt. Wohl deshalb, weil einige der Ligen mittlerweile im Fernsehen oder wenigstens im Internet übertragen werden. Überall in Südamerika haben Frauen in den letzten Jahren bei immer größeren Massenversammlungen die Straße besetzt, die Medienmachowelt kann sie nicht länger unter den Teppich kehren, so wie es noch vor kurzem üblich war.

Auch in Peru kam das Balltreten der Frauen vergangenes Jahr pandemiebedingt zum Stillstand. Die Meisterschaft wurde sogar komplett storniert, weil der Verband mit Unfähigkeit brillierte und nicht in der Lage war, Hygieneprotokolle zu entwerfen. Die Chicas konnten somit nicht auf dem Platz trainieren. Die Kickerinnen von Universitario etwa, Campeonas von 2019, bereiteten sich auf die Copa Libertadores der Frauen auf dem eigenen Balkon, im Wohnzimmer, Treppenhaus, auf dem Dach oder – so vorhanden – im Garten vor. Da liegt es doch eigentlich nahe, einen eigenen Frauenfußballverband zu gründen. Doch noch richtet der geschlechterübergreifende nationale Fußballverband FPF die »Campeonato Peruano de Fútbol Femenino« aus. Er erhielt im Mai endlich grünes Licht von der Regierung. Die neue Meisterschaft konnte beginnen – die Spiele wurden von Movistar Deportes (in Allianz mit Mediapro) übertragen. Nach dreizehn Spieltagen jede gegen jede (ohne Rückspiele) werden die neuen Campeonas demnächst gekürt.

Alianza (68:0 Tore) und Universitario (62:2 Tore) gewannen alle ihre Spiele, gegeneinander spielten sie Remis. Die längste Serie von Meisterschaftsspielen ohne Niederlage (36) bei den Herren hält Universitario. Sie datiert auf 1974 zurück; das Jahr, in dem die »U« den 15. Stern gewann. Die Frauen des Klubs wurden 2019 ungeschlagen Campeonas, mittlerweile sind sie seit 34 Spielen unbesiegt. Die Torfrau der Blau-Weißen, Annie del Carpio, hat seit 858 Minuten nicht mehr hinter sich gegriffen. Der Rekord im Männerfußball Perus stammt von 1989 und wird mit 1.024 Minuten von Gustavo Gonzales Teruel (Sporting Cristal) gehalten. Auch die erfolgreichste Torschützin des Wettbewerbs stellt Alianza: Adriana Lúcar traf 23mal und bereitete zudem acht Treffer vor. Zweimal gelang ihr ein Hattrick, zweimal schoss sie vier Tore und einmal sogar fünf.

Die restlichen Semifinalistinnen werden am Mittwoch ermittelt. Um 15.30 Uhr (MEZ) trifft César Vallejo (Rang vier) auf Cantolao (Rang fünf), die Siegerinnen kicken gegen Alianza. Um 18.30 Uhr (MEZ) klären Mannucci (Rang drei) und Sporting Cristal (Rang sechs) wer gegen die »U« antritt. Sollten 90 Minuten keine Entscheidung bringen, werden Penalties getreten.

Die Copa Libertadores der Frauen wiederum wird vom 3. bis 18. November in Paraguay mit 16 Teams aus zehn Ländern ausgetragen (bis zum Spiel um Platz drei). Das Finale findet am 21. November im legendären Estadio Centenario von Montevideo (Uruguay) statt, wohin der südamerikanische Fußballverband Conmebol dieses Jahr auch die Herrenfinals der Copa Libertadores (27.11.) und Copa Sudamericana (20.11.) vergab. Auf diese Weise, so Conmebol, werde die uruguayische Hauptstadt zum »Epizentrum des besten Fußballs der Welt«. Auf nach Uruguay!

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