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Aus: Ausgabe vom 25.08.2021, Seite 8 / Ansichten

Fairnesskämpferin des Tages: Kamala Harris

Von Sebastian Carlens
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US-Vizepräsidentin Kamala Harris am 27. Juli 2021 im Weißen Haus, Washington

US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat migrantische Wurzeln, zwei X-Chromosomen und die Gnade der späten Geburt – im verkorksten Politdiskurs des Westens genügt das als Ausweis politischer Fortschrittlichkeit. Sie trat denn auch für »Obamacare« ein, fremdelt mit der Todesstrafe (die sie, als kalifornische Attorney General, trotzdem vollstrecken ließ) und fordert Kontrollen von Waffenverkäufen. Das alles reicht, um in den Ruch einer Kulturrevolutionärin zu geraten.

Stutzen durfte man indes schon vorher. Diese Kämpferin für die kleinen Leute erwirtschaftete 2003, als sie für das Amt der Bezirksstaatsanwältin San Franciscos kandidierte, ihre Spenden im Reichen-Stadtteil Pacific Heights (»How San Francisco’s Wealthiest Families Launched Kamala Harris«, ­Politico). Und spätestens die Realpolitik zwingt auch den linksliberalsten Rebellen zurück ins enge Gleis politischer Sachzwänge – das kennt man aus Deutschland. Harris, die aktuell durch Asien tourt, soll dort den Showdown gegen den großen ostasiatischen Rivalen vorbereiten. »China nötigt, schüchtert ein und nimmt den Großteil des Südchinesischen Meers in Anspruch«, klagte sie am Dienstag in Singapur. Es ist eine Frechheit – eigentlich müsste das Gewässer, wenn man die Militärpräsenz zugrunde legt, ja »nordamerikanisches Meer« heißen. »Angesichts dieser Bedrohungen« stünden die USA an der Seite ihrer »Verbündeten und Partner«; Washington habe »fortdauernde Verpflichtungen« in Asien, so Harris.

Nächste Station ihrer Reise ist übrigens Vietnam. Auch dort waren die Amerikaner selbstlos und frei von hegemonialen Hintergedanken »verpflichtet«, bis sie 1975 einen Abgang à la Kabul hinlegen mussten. Damals waren die Vietnamesen schuld, die sich erdreistet hatten, die »regelgestützte Ordnung« zu untergraben, nach der der Westen überall alles darf. Ein wahrhaft unfairer Ort, diese Welt.

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  • Leserbrief von Istvan Hidy aus Stuttgart (25. August 2021 um 10:50 Uhr)
    (...) Meine Vermutung: In den USA vermitteln die Schulen immer noch Bibelbildung, gepaart mit dem eingebildeten Exzeptionalismus, einer nationalistischen Ideologie, die auf dem Postulat basiert, dass die Vereinigten Staaten von Amerika eine Sonderstellung gegenüber allen anderen Nationen einnehmen. Dadurch entsteht eine selbstgestrickte Logik, dass Washington »fortdauernde Verpflichtungen« überall in der Welt hat!

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