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Aus: Ausgabe vom 24.08.2021, Seite 8 / Ansichten

Untote des Tages: Ukrainische Krim

Von Reinhard Lauterbach
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Hat große Träume: Der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij (M.) bei der »Krim-Plattform« in Kiew

»Wenn du nicht mehr weiterweißt, gründe einen Arbeitskreis«, lautet eine Spruchweisheit aus dem demokratischen Politikbetrieb. Eine internationale Konferenz tut es zur Not auch. Wie zum Beispiel die sogenannte Krim-Plattform, mit der die Ukraine am Montag daran erinnern wollte, dass sie bis 2014 um ein paar zehntausend Quadratkilometer und zweieinhalb Millionen Einwohner größer war – bevor Russland die Halbinsel unter großer Zustimmung der Einheimischen in sein Staatsgebiet übernahm.

Dieser Zustimmung musste nicht nachgeholfen werden. Die Mehrheitsbevölkerung auf der Krim sind Russen, und die Drohungen ukrainischer Faschisten, die Halbinsel mit Hilfe von »Freundschaftsbesuchen« Mores und Ukrainisch zu lehren, taten das ihre, den Seitenwechsel der Krim zu einer vergleichsweise eleganten Veranstaltung zu machen: ohne einen einzigen Schuss, ohne Tote oder Verletzte. Durch die von der Ukraine eingeführte Trinkwasserblockade hält sich die Liebe zu den Kiewer Machthabern auf der Krim in Grenzen.

Natürlich war die Übernahme aus russischer Sicht ein Stück Strategie: Es ging um den Erhalt der dortigen Marinestützpunkte und darum zu verhindern, dass die Schwarzmeerküste von der Halbinsel aus bedroht oder blockiert würde. Beides ist unter hohen Kosten gelungen. Für die Ukrai­ne ist der Krim-Zug abgefahren. Es sei denn, sie riskiert einen Krieg gegen Russland, und das traut sie sich alleine nicht.

Ihre Bündnispartner zieren sich allerdings auch. Die Bundeskanzlerin war einen Tag zuvor in Kiew und warb für einen Friedensgipfel. Nicht gerade das, was die Ukraine von ihr erhoffte. Auf dem Propagandaevent am Montag war für die BRD Wirtschaftsminister Peter Altmaier zugegen: Der, der die Ukraine zum Wasserstoff- und Windenergiereservoir für Deutschland machen will. Das geht auch ohne ukrainische Krim.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Josie M. aus 38448 Wolfsburg (24. August 2021 um 11:41 Uhr)
    Mit Wehmut erinnere ich mich daran, dass es 1991 noch möglich war, mit einem »noch«- sowjetischen Forschungsschiff, der »Ernst Krenkel« (so nach einem deutschen Polarforscher benannt), ein internationales Umweltforschungsprojekt umzusetzen. Daran waren Russen, Ukrainer, Franzosen, Deutsche und auch ein US-Amerikaner beteiligt. Im Frühsommer 1992 trafen sich alle in Odessa, um ihre jeweiligen Messergebnisse zusammenzutragen und auszuwerten. Konferenzsprachen sollten ursprünglich Russisch und Englisch sein. Allerdings drang die ukrainische Regierung 1992 doch schon darauf, dass die eigentliche Konferenzsprache Ukrainisch sein sollte, womit nicht nur die russischen, sondern auch ukrainische Wissenschaftler, zumindest bei der bisher so unüblichen schriftlichen Niederlegung der Ergebnisse, Schwierigkeiten gehabt haben sollen, wie mir mein verstorbener Mann Dirk Brüning als einer der damaligen Teilnehmer berichtete. Immerhin konnten danach alle noch in einträchtiger Runde den gemeinsamen Erfolg ihrer Arbeit feiern. Und es waren auch »private« Freundschaften geschlossen worden ...
    Josie Michel-Brüning, Wolfsburg

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