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Aus: Ausgabe vom 23.08.2021, Seite 7 / Ausland
Versorgung im Libanon

Ohne Energie kein Wasser

Millionen im Libanon von Ressourcenknappheit bedroht. Öllieferung aus Iran unterwegs. Hisbollah warnt USA und Israel vor Konfrontation
Von Karin Leukefeld
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Durch diese Kabel soll jetzt Strom aus Jordanien fließen (Tyre, 11.8.2021)

Über die Lage im Libanon reißen die Katastrophenmeldungen nicht ab. Ob Kinder, Frauen, palästinensische, syrische oder andere Flüchtlinge – Tag für Tag werden dramatische Appelle verbreitet, die meist mit den gleichen Forderungen enden: Geld wird gebraucht, und Hilfe müsse ausgeweitet werden. Neuerdings verbinden NGOs ihre »dringenden Aufrufe« mit der politischen Forderung nach der »Bildung einer neuen Regierung mit klaren Reformzusagen«.

Am Wochenende erklärte Henrietta Fore, Direktorin des UN-Kinderhilfswerks, UNICEF, dass bereits »in den kommenden Tagen« mehr als vier Millionen Menschen im Libanon nicht mehr mit Wasser versorgt werden könnten. UNICEF fürchte daher eine Zunahme von Krankheiten.

Tatsächlich verfügt der Libanon mit Quellen, Flüssen und unterirdischen Wasseraquiferen über genug Wasser, um seine Bevölkerung zu versorgen. Doch seit vielen Jahren schon weisen lokale und internationale Untersuchungen auf die Gefahr hin, dass es infolge von Missmanagement, Verschwendung und Wasserverschmutzung in der zweiten Jahrhunderthälfte zu erheblicher Knappheit kommen könnte. Anders als in Syrien gibt es im Libanon kaum Auffangbecken, die das jährliche Regen- und Schmelzwasser speichern. Illegale Brunnenbohrungen und Übernutzung führen entlang der Küste zu einer Versalzung des Grundwassers.

Der Wasserhaushalt des Landes wird zusätzlich durch die notwendige Versorgung von mehr als einer Million Flüchtlinge aus Syrien und Palästina belastet. Trotz zahlreicher Appelle der libanesischen und syrischen Regierungen sowie von Russland und China im UN-Sicherheitsrat weigern sich die westlichen Vetomächte in dem Gremium und die EU, die Syrer bei einer Rückkehr in ihr Land zu unterstützen. Statt dessen werden mit Milliarden Euro und US-Dollar Hilfsprojekte im Libanon finanziert, die die Menschen zu Bittstellern machen und eine soziale, wirtschaftliche und politische Erholung des Landes blockieren. Für die Rückkehr der Palästinenser in ihre Heimat fehlt trotz UN-Resolutionen seit Jahrzehnten der politische Wille.

Infolge der Wirtschaftskrise, die das Land seit Herbst 2019 erschüttert, haben zudem Stromausfälle zugenommen, so dass Wasserpumpen nicht mehr regelmäßig in Betrieb sind. Hinzu kommen steigende Kosten für Treibstoffe, ohne die Elektrizitätswerke, Generatoren und Pumpen nicht betrieben werden können. Inzwischen sind viele Tankstellen im Land ganz oder teilweise geschlossen, der Benzinpreis wurde um mehr als 50 Prozent erhöht. Die angespannte Lage wird dadurch verschärft, dass USA und EU finanzielle Hilfen für den Energiesektor des Libanon an politische Forderungen knüpfen.

Der Vorsitzende der libanesischen Hisbollah, Hassan Nasrallah, hat wiederholt »politische Eliten« und »gierige Ölkonzerne« beschuldigt, die Versorgungskrise zu verschärfen. Er prangerte das Horten von Benzin in großen Mengen für den anschließenden Schmuggel als kriminell an. Um den Libanesen eine von der konditionierten Hilfe des Westens unabhängige Lebensperspektive zu geben, appellierte Nasrallah wiederholt an die geschäftsführende Regierung, sich von drohenden US- und EU-Sanktionen nicht einschüchtern zu lassen und Öl aus dem verbündeten Iran anzunehmen, der sich zur Lieferung bereit erklärt hat.

Am Donnerstag kündigte Nasrallah an, ein Schiff mit Dieselöl werde noch am gleichen Tag den Iran Richtung Libanon verlassen, weitere Schiffe würden folgen. Man wolle keine Konfrontation, sagte Nasrallah und warnte die USA und Israel davor, die Schiffe zu blockieren oder anzugreifen. Jeder der Öltanker werde als »libanesisches Territorium« betrachtet, sobald er den Iran verlassen habe.

Ebenfalls am Donnerstag telefonierte die US-Botschafterin im Libanon, Dorothy Shea, mit dem libanesischen Präsidenten Michel Aoun und versicherte diesem, die USA werde dafür sorgen, dass der Libanon Strom erhalte. Reuters berichtete unter Berufung auf den Präsidentenpalast, die USA verhandele mit der Weltbank, die Gaslieferungen aus Ägypten nach Jordanien finanzieren solle. Dann solle Strom von dort über Syrien in den Libanon geleitet werden. Auf demselben Weg soll auch Erdgas in den Libanon transportiert werden.

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