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Aus: Ausgabe vom 23.08.2021, Seite 4 / Inland
Bundestagswahlkampf

Laschet im Leerlauf

Kanzlerkandidat der Union liefert weitere Vorlagen für Hohn und Spott. SPD macht Boden gut
Von Kristian Stemmler
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Für Armin Laschet läuft es im Bundestagswahlkampf bislang nicht rund

Ohne Patzer scheint es bei Armin Laschet nicht zu gehen. Nach den Pannen der vergangenen Wochen – wie etwa sein Lachen während der Rede von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) im Hochwassergebiet – wollte der CDU-Kanzlerkandidat am Sonnabend den Turbo anwerfen. Doch Laschets Auftritt beim Auftakt zur heißen Phase des Bundestagswahlkampfs im Berliner Tempodrom lieferte die nächsten Vorlagen für Spott und Satire. Zumindest in den sozialen Netzwerken sorgten ein peinlicher Lapsus und ein alberner Vergleich für mehr Aufmerksamkeit als seine Kernbotschaft: die Warnung vor einer »Linksregierung« nach der Wahl.

Beim Kurznachrichtendienst Twitter machten sich Tausende User am Wochenende unter den Hashtags »Landshut« und »Troubadix« über den CDU-Chef lustig. Der erste Hashtag bezog sich auf einen Versprecher Laschets im außenpolitischen Teil seiner Rede. Als er auf die Lage am Flughafen des afghanischen Kabul zu sprechen kam, erwähnte der Redner die Spezialeinheit GSG 9 – und erklärte, diese habe »Deutsche aus der entführten Lufthansa-Maschine in Landshut befreit«. Tatsächlich war »Landshut« der Name des Flugzeugs, aus dem die GSG 9 1977 im somalischen Mogadischu Geiseln befreit hat.

Der Hashtag »Troubadix« bezog sich auf einen Vergleich, mit dem Laschet vor angeblichen Plänen von SPD-Kochefin Saskia Esken und Parteivize Kevin Kühnert warnte. Diese wollten nach der Bundestagswahl ein Bündnis mit Bündnis 90/Die Grünen und Die Linke schmieden, dürften das aber nicht laut sagen. Darum, so Laschet, erinnere ihn Kühnert an den Barden Troubadix aus den Asterix-Comics, der zum Schluss immer geknebelt an einen Baum gefesselt werde, damit er den Mund nicht aufmache. Kühnert konterte bei Twitter mit der Bemerkung: »Immer, wenn auf den letzten Bildern eines Asterix-Heftes der Troubadix zu sehen war, hatten die Gallier kurz zuvor gewonnen. 36 Tage noch.«

Es kann kaum verwundern, dass die Inhalte von Laschets Rede im allgemeinen Gespött untergehen. Sie war nicht mehr als ein schaler Aufguss des CDU-Wahlprogramms und der darin enthaltenen neoliberalen Rezepte. Der Kandidat warb für Bürokratieabbau und warnte erneut vor Steuererhöhungen. SPD, Grünen und der Linken warf er vor, die »konjunkturelle Erholung nach der Pandemie« durch ihre Forderungen nach solchen Erhöhungen zu gefährden. Die Union wolle verhindern, »dass das zarte Pflänzchen Hoffnung jetzt abgewürgt wird durch ›rot-rot-grüne‹ Spielereien«, so der Redner.

Weiter sprach sich Laschet für die Bekämpfung des Klimawandels aus, machte aber zugleich deutlich, wo seine tatsächlichen Prioritäten liegen. Die Belange der Wirtschaft dürften nicht vernachlässigt werden, die BRD müsse »Industrieland bleiben«. SPD und Grüne hätten die Arbeitsplätze vergessen, »weil sie sich nur um ihre Ideologien kümmern«. In Sachen Außen- und Sicherheitspolitik stellte der CDU-Chef Sozialdemokraten, Grüne und Linke als unzuverlässig hin. Er sprach sich deutlich für die weitere Aufrüstung der Bundeswehr aus, den Kauf bewaffneter Drohnen und die Zustimmung zum von der USA diktierten Ziel, dass alle NATO-Staaten jährlich mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben.

Bei der Veranstaltung im Tempodrom sprachen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und CSU-Chef Markus Söder. Dessen Rede wurde von einigen Medien als höchstens halbherzige Unterstützung Laschets gesehen. Als Affront des bayerischen Ministerpräsidenten gegen seinen Amtskollegen aus NRW wurde der Umstand gewertet, dass er sich während dessen Rede intensiv mit seinem Smartphone beschäftigte.

Zum Spott über Laschets Patzer passte am Wochenende, dass die SPD in einer Umfrage mit der Union gleichzog. Im »Sonntagstrend« von Bild am Sonntag sackt die Union um drei Prozentpunkte auf 22 Prozent ab, die SPD legt um zwei Punkte zu und erreicht ebenfalls 22 Prozent. Die Grünen verlieren in der Umfrage einen Punkt und kommen auf 17 Prozent. Die FDP steigt um einen Punkt auf 13 Prozent, die AfD um einen Punkt auf zwölf Prozent. Die Linke bleibt stabil bei sieben Prozent.

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  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Milo Alberto N. (22. August 2021 um 20:23 Uhr)
    Ich bin ein bekennender Leser der jW und verfolge die Umfragen. Mir fällt auf, dass die jW die Bild und den Springer-Verlag zu Recht in mehreren Artikeln scharf kritisiert hat, sie jedoch immer bereitwillig zitiert, wenn es für den politischen Gegner schlecht ist. So scheint es mir auch in diesem Wahlkampf zu sein. Nicht, dass ich an den Umfragen zweifeln würde, aber gerade weil diese Umfragen für die Bild gemacht wurden, die ein Interesse an Schlagzeilen hat, würde ich auch, aber nicht nur diese Umfragen ins Felde führen.

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