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Aus: Ausgabe vom 20.08.2021, Seite 5 / Inland
Welthandel

Exportplus trotz Rohstoffmangels

Unternehmen klagen über Lieferengpässe. Außenhandelsverband besorgt um Deutschlands Position in der Welt
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Mangelnde Containerkapazitäten, Hafenschließungen und Einreiseverbote: Lieferengpässe treffen große und kleine Betriebe (Hamburg, 22.2.2021)

Am Donnerstag gingen widersprüchliche Meldungen ein. Einerseits würden Lieferengpässe und Rohstoffmangel den Konjunkturaufschwung bremsen. Andererseits werde in diesem Jahr mit einem satten Exportplus gerechnet.

So haben 83 Prozent der Unternehmen es nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) mit Lieferengpässen und Preissteigerungen zu tun. »Diese Lieferkettenprobleme haben sich aufgetürmt in diesem Jahr«, sagte DIHK-Außenhandelsexperte Volker Treier am Donnerstag. Die weltweiten Handelsbeziehungen seien drastisch gestört, die Unternehmen treffe das mit Wucht.

Die Engpässe entstehen demnach, weil Produktions- und Transportkapazitäten fehlen, um eine wachsende Nachfrage zu bedienen. Knapp seien etwa weiterhin Container. Weil weniger Menschen fliegen, gebe es auch weniger Möglichkeiten, Waren im Frachtraum von Passagiermaschinen zu befördern. Gleichzeitig führen Coronabeschränkungen zu Produktionsausfällen.

Knapp sind vor allem Stahl, bestimmte Vorprodukte wie Mikrochips, Kunststoffe, Holz, Aluminium und Kupfer, auch Verpackungen. Betroffen seien Betriebe sämtlicher Branchen und Größenklassen, viele befänden sich auf der Suche nach neuen Lieferanten. 43 Prozent der Befragten verzeichnen Umsatzausfälle, weil Aufträge nicht erfüllt werden können. Jedes vierte Unternehmen habe die Produktion gedrosselt oder gestoppt. Die Unternehmen reagierten auf die Herausforderungen laut Umfrage außerdem mit Preiserhöhungen für ihre Kunden (67 Prozent) und der Suche nach zusätzlichen oder neuen Lieferanten (64 Prozent) und größeren Lagerstätten (57 Prozent).

Mit Blick auf die Herausforderungen für Unternehmen warnte der DIHK-Außenhandelsexperte vor einer Verlangsamung des Konjunkturaufschwungs nach der Coronapandemie. »Unsere Ergebnisse legen nahe, dass wir es hier nicht mit einem kurzfristigen Phänomen zu tun haben«, sagte er. Erst im weiteren Verlauf des Jahres 2022 sei demnach damit zu rechnen, dass Deutschland wieder an seine alte Wirtschaftsleistung aus der Zeit vor der Pandemie anknüpfen könne.

Unterdessen rechnet der Außenhandelsverband BGA weiter mit einem Exportplus von 13 Prozent in diesem Jahr. »Wir bleiben bei unserer Prognose für das Gesamtjahr, auch wenn es zahlreiche Unsicherheiten gibt«, sagte Anton Börner, Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), gegenüber dpa. Belastet werde das Geschäft der Exportunternehmen vor allem durch einen Mangel an Containerkapazitäten, durch Hafenschließungen in China nach Coronaausbrüchen und Einreiseverbote in die USA wegen der Pandemie.

Im ersten Halbjahr stiegen die Ausfuhren von Waren »made in Germany« um 16,7 Prozent auf 673,1 Milliarden Euro gegenüber den ersten sechs Monaten 2020. Im vergangenen Jahr hatte die Coronapandemie Löcher in die deutsche Exportbilanz gerissen.

Besorgt ist der BGA-Präsident um die Rolle Deutschlands und der EU angesichts wachsender Spannungen zwischen den weltgrößten Volkswirtschaften USA und China. »Die deutsche Wirtschaft muss zwischen den beiden Polen durchnavigieren«, sagte Börner. »Ich habe große Sorge, dass Europa zwischen die Mühlsteine USA und China gerät.«

Börner sieht weltweit zunehmend autokratische Tendenzen und fordert europäische Machtdemonstrationen. »Davor dürfen wir nicht die Augen verschließen. Die Europäische Union muss in der Lage sein, Machtpolitik umzusetzen«, so Börner. »Wenn sie es nicht macht, stärkt sie Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping oder Ungarns Ministerpräsidenten Viktor Orban. Auch die Amerikaner nähmen uns dann letztlich nicht mehr ernst.« (dpa/AFP/jW)

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