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Aus: Ausgabe vom 18.08.2021, Seite 16 / Sport

Aus dem Tiefschlaf

Von André Dahlmeyer
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Jubeln wie die Meister: Jefferson Savarino (l.) und Kollegen sind auf dem Weg zum Titel (14.8.2021)

Einen wunderschönen guten Morgen! Ende Mai startete der Brasileirão, die brasilianische Meisterschaft im Balltreten für Jungs, und da die Spitzenklubs viele Spieler für die Copa América und die Olympischen Spiele abstellten, starteten die meisten fehl. Langsam normalisiert sich die Tabelle wieder.

Atlético Mineiro aus Belo Horizonte führt den Wettbewerb ziemlich souverän und mit fünf Punkten Vorsprung an. Am Wochenende ließ man im Mineirão Verfolger und Rekordmeister (zehn Titel) S. E. Palmeiras, der nach 35 Minuten in Unterzahl kickte, beim 2:0 keine Chance. Der kleinwüchsige Venezolaner Jefferson Savarino erzielte beide Treffer und dribbelte die Hintermannschaft der Paulistas völlig kirre. Sehr wahrscheinlich, dass Mineiro auch Meister wird. Zudem werden sie am Donnerstag (Anpfiff um 02:30 MESZ) in der Copa Libertadores gegen River Plate, den letzten argentinischen Vertreter, wohl die Halbfinals erreichen. Das Hinspiel in Buenos Aires gewannen sie bereits mit 1:0.

Das Überraschungsteam der Liga stammt aus Fortaleza im Nordosten des Landes. Der argentinische Trainer Juan Pablo Vojvoda lässt ein progressives 3-5-2 spielen, das sich sehen lassen kann. In 16 Spielen haben seine Elfen erst dreimal verloren und bekleiden aktuell den dritten Platz. Die Brauseheinis von Red Bull Bragantino aus São Paulo sind letzte Saison aufgestiegen und qualifizierten sich auf Anhieb für die Copa Sudamericana. An diesem Mittwoch (Anpfiff 0.15 Uhr MESZ) dürften sie gegen den letzten argentinischen Vertreter im Wettbewerb, Rosenkranz Central, die Halbfinals des Wettbewerbs erreicht haben, da ihnen bereits in Rosario ein 4:3 geglückt war. Im Brasileirão kassierten sie allerdings zu Hause nach einem Doppelschlag des zur Pause eingewechselten Oldtimers Wágner (36) eine Viertelstunde vor Schluss gegen Aufsteiger E. C. Juventude aus Caxias do Sul die zweite Saisonniederlage.

Nach dem Abstieg von Botafogo und CR Vasco da Gama letzte Saison hat Rio de Janeiro nur noch zwei Erstligaklubs (Die Série B ist wie in Deutschland mittlerweile mit Traditionsklubs gespickt). Flamengo, das die letzten beiden Meisterschaften eintütete, besiegte mit 2:0 Sport Recife, das auf einen Abstiegsplatz rutschte. Fluminense hatte weniger Fortune. Bis zur 93. Minute hielten sie in Porto Alegre bei Vizemeister Internacional ein 2:2, doch dann erwachten Edenilson und der Ex-HSVer Paolo Guerrero aus dem Tiefschlaf und stellten die Chose noch auf 4:2. Inter war grottenschlecht in die Saison gestartet. Durch den Last-Minute-Sieg sprangen sie nun auf internationale Plätze.

Der FC São Paulo, trainiert von dem argentinischen Sportsfreund Hernán Crespo, stand fast die ganze Zeit auf einem Abstiegsplatz. Jetzt holte der Tricolor mit einem Treffer des Jungspunds Igor Gomes in der 93. Minute gegen Grêmio Porto Alegre den vierten Dreier und entfernte sich um genau so viele Punkte vom letzten Abstiegsrang. Auf die internationalen Plätze haben die Jungs von Hernán noch einen Punkt Rückstand, jedoch hat das letzte aktuell qualifizierte Team, Juventude, auch noch ein Nachholspiel. In Brasiliens Série A kicken 20 Teams, zwölf qualifizieren sich international, vier steigen ab, und vier enden im Niemandsland der Tabelle.

Absteigen wird wohl dieses Jahr ein weiterer Großer: Grêmio Porto Alegre. Seit das größte Vereinsidol Renato Portaluppi den Klub im April verließ und auf die Trainerbank von Flamengo wechselte, läuft nichts mehr beim Weltpokalgewinner von 1983 (2:1 n. V. gegen den HSV). Daran änderte bislang auch die Verpflichtung von Weltmeistertrainer Luiz Felipe Scolari nichts.

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