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Aus: Ausgabe vom 17.08.2021, Seite 10 / Feuilleton
Hörspiel

Doch sehr laut

Eindrücke vom zwölften Berliner Hörspielfestival
Von Rafik Will
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Auch das Hörspiel ist als radioaffines Genre vom Kahlschlag beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk betroffen

Der Medientheoretiker und Literaturwissenschaftler Marshall McLuhan hat den Satz geprägt, das Medium sei die Botschaft. Aber wer im Radio SWR aktuell einschaltet, bekommt es unter Umständen mit der Tonspur der »Tagesschau« zu tun.

Und das ist kein Einzelfall. Auslandsmagazine in den ARD-Radios bringen mitunter haargenau dasselbe, was schon im TV bei den Kollegen vom »Weltspiegel« lief – nur ohne Bild. Und die »ARD-Infonacht« sendet nicht selten Übernahmen der Fernsehkollegen von den »Tagesthemen«. Angesichts dieser Tendenzen bei der Umstrukturierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks kann man den Eindruck gewinnen, das Medium wäre egal. Das Hörspiel als radioaffines Genre ist vom Kahlschlag ebenso betroffen. Es sind in den letzten Monaten viele Hörspielsendeplätze weggefallen, Neuproduktionen werden rarer.

Auch auf dem zwölften Berliner Hörspielfestival (BHF), das sich als Forum für unabhängig von Rundfunkanstalten produzierte Hörstücke versteht, waren die Veränderungen in der Hörfunklandschaft Thema. Unter anderem präsentierte der Verein »Hans-Flesch-Gesellschaft, Forum für akustische Kunst« einen Ende Juni mit dem »Verband der Theaterautor:innen« verfassten offenen Brief sowie die Beweggründe und Argumente dahinter. Die Diskussionsveranstaltung fand im Rahmenprogramm ihren Platz.

Im Zentrum des Geschehens bei dem viertägigen Festival, das zum zweiten Mal in der Berliner Akademie der Künste stattfand – dieses Jahr als Präsenzveranstaltung und im ­Stream – standen die Wettbewerbe. Unter den von einer Vorjury des Vereins »Berliner Hörspielfestival« nominierten Stücken wurden vier Publikumspreise vergeben. Neben Kurzhörspielen fanden sich hierbei in einer Kategorie wieder fremdsprachige Stücke. Die Jury vergab den Hauptpreis der Veranstaltung unter den längeren Hörspielen, und für ein Debüt verlieh sie erstmals auch einen Förderpreis.

Den mit einem nagelneuen Mikro dotierten Hauptpreis gewann Mariola Brillowska für ihr knapp einstündiges Stück »Snørre Snørrensønsøn«. In der als Kunstpodcast aufgemachten Mock­umentary interviewt die Autorin in der Rolle von Pola Bipolar den titelgebenden Klangforscher und Künstler (gesprochen von Felix Kubin), der Popstars mit Schneegeräuschen beliefert. Ein wunderbares Stück über Klangexperimente und Alkoholismus am Nordpol. Die Jury unter Vorsitz des Hörspielkritikers Jochen Meißner zeichnete damit das stärkste Stück im Wettbewerb aus, das dankenswerterweise auch die leisen Töne zu bedienen weiß.

Sonst wurde es manchmal doch sehr laut bei den unterschiedlichen Spielarten von Klangkunst, Feature und Hörspiel. Mark Vernon gewann dennoch zu Recht den Preis für fremdsprachige Stücke mit seinem noisigen »The Dominion of Din« über allerlei Lärmbelästigungen an der Hintertür seines Hauses. Den Förderpreis, eine Art Stipendium zur Hörspielproduktion, erhielt Annedore Bauer für ihr autofiktionales Stück »Die Unantastbaren«, in dem es um die sogenannten Euthanasiemorde an Behinderten im Deutschland der Nazizeit geht. Zu kritisieren wäre, dass die Nachkriegs-BRD in diesem Stück als eine durch deutsch-französische Freundschaft und Kriegsgräberfürsorge unverrückbar demokratisch gewordene Gesellschaft gezeichnet wird. Die Gegenwart lehrt uns da leider anderes.

Das gesamte Programm des BHF – inklusive der Livehörspiele und Diskussionen, medial bedingt ohne die speziellen Audiowalks in der AdK – lässt sich noch mindestens eine Woche im nachhinein auf Youtube und Vimeo abrufen, wo es gestreamt wurde – es lohnt sich. Alle Infos finden sich auf berliner-hörspielfestival.de. Im Radio übertrug übrigens der DRadio-Digitalsender Dokumente und Debatten das Programm, klinkte sich aber merkwürdigerweise oft vorzeitig aus – z. T. während der Preisverleihung. Hier hätte man sich von seiten des Senders, der auch Medienpartner des Festivals ist, mehr Kulanz erhofft.

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