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Aus: Ausgabe vom 11.08.2021, Seite 16 / Sport

Ein beinahe sakrales Weekend

Von André Dahlmeyer
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Das beliebteste Fußballspiel der Welt, zumindest in Lateinamerika: Boca Juniors vs. River Plate (4.8.2021)

Einen wunderschönen guten Morgen! Unter der Woche kam es in Argentinien zum bereits dritten Superclásico des Jahres zwischen den Boca Juniors und River Plate, dem beliebtesten Fußballspiel der Welt. Gespielt wurde im Stadtstadion von La Plata, der Hauptstadt der Provinz Buenos Aires. Das Stadion ist das schönste der Silberländer, absolut Erste-Welt-Niveau, doch ironischerweise ist es das Stadion keines Klubs. In der italienischen Serie A gibt es nur ein oder zwei Vereine, die überhaupt ein eigenes Stadion haben, in Argentinien ist es umgekehrt, doch im Ciudad de La Plata will einfach niemand spielen. Es ist ein ges(ch)ichtsloses Stadion. Die Wölfe von Gimnasia y Esgrima de La Plata kicken im Waldstadion. Und den Löwen vom ewigen Stadtrivalen Estudiantes LP hat deren Präsident und Vereinsidol Juan Sebástian Verón mit dem Estadio UNO Jorge Luis Hirschi ein neues gebaut (nach dem Einsturz einer der Holztribünen des alten vor zirka fünfzehn Jahren). Im ungeliebten Stadtstadion spielen eher die Rolling Stones oder Paul McCartney.

Aber es gibt ja noch die Copa Argentina, den nationalen Pokal, und dort hat nie jemand Heimrecht, es wird immer auf neutralem Boden gekickt. Aus diesem Anlass trafen sich nun auch unsere Klassenstreber. Achtelfinalmatch. Das Ansehnlichste nach neunzig Minuten in La Plata war der Nebel. Dass es sich um Fußball handelte, war nicht direkt zu erkennen. Die triste Nullnummer wurde direkt vom Punkt entschieden und Bocas Tormann Agustín Rossi zum Helden des Abends (4:1).

Die argentinische Meisterschaft der Primera División pausierte aufgrund der Pandemie fast eineinhalb Jahre – erst am 16. Juli ging es wieder los – nach wie vor ohne Publikum. Zum Auftakt des fünften Spieltags (von 25) fuhr Aufsteiger Sarmiento aus Junín beim 1:0 gegen Rosenkranz Central den zweiten Dreier ein. Mit demselben Resultat besiegten die Newell’s Old Boys den anderen Aufsteiger Platense und sprangen vorübergehend an die Spitze, was besonders Lionel Messi gefreut haben dürfte, denn der wurde dort ausgebildet. Anstatt seinem Verein dafür etwas zurückzugeben, kickt er künftig wohl lieber für als Asterixe verkleidete Kataris. Verschiedene Menschen finden verschiedene Dinge verschieden gut.

Der entthronte Tabellenführer, Papstklub San Lorenzo de Almagro, kam in Santa Fe beim 0:4 (0:3) gegen Unión aber mal so richtig unter die Räder, ehe C. A. Lanús mit einem Last-Minute-Treffer des 41jährigen »Pepe« Sand (sechstes Saisontor) 1:0 bei Huracán gewann und den Platz an der Sonne übernahm. River Plate war beim 1:2 in Mendoza gegen Godoy Cruz chancenlos. Am heutigen Mittwoch tritt der Millonario in Buenos Aires als letzter verbliebener Vertreter der Gauchesken zum Viertelfinalhinspiel der Copa Libertadores gegen Atlético Mineiro aus Belo Horizonte, den großen Titelfavoriten, an.

Ligapokalgewinner Colón aus Santa Fe gewann am Speckgürtel von Buenos Aires gegen Vélez Sarsfield durch einen spät verhängten Strafstoß mit 1:0. Neben Platense und Vélez hat auch Titelverteidiger Boca Juniors noch kein einziges Spiel gewonnen. Beim Heimspiel gegen die Argentinos Juniors am Sonntag retteten die Xeneizes dank eines Eigentores der Gäste wenigstens noch einen Punkt. Vier Punkte aus fünf Matches bedeuten aktuell Platz 22.

Besser machte es der Club Atlético Independiente, der im Avellaneda-Klassiker Racing Club mit 1:0 besiegte, nun alleiniger Tabellenanführer und als einziger noch ungeschlagen ist. Dass ich sowas noch erleben darf! Ein beinahe sakrales Weekend. Zum fünften Mal hintereinander ging überdies das Olympiagold nach Lateinamerika, und am Sonntag eliminierte der HSV die Eintracht in Braunschweig aus dem DFB-Pokal. Was will man Meer!

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