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Aus: Ausgabe vom 11.08.2021, Seite 7 / Ausland
Geleakte Dokumente

Ultrarechtes Lobbynetzwerk

Wikileaks legt Finanzierung ultrarechter Plattformen »Hazte Oír« und »Citizen Go« offen
Von Carmela Negrete
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Eine der Großspenderinnen hinter dem »World Congress of Families« 2012: Die spanische Unternehmerin Esther Koplowitz (r.), zusammen mit König Felipe VI. und seiner Frau Letizia Ortiz (Madrid, 26.6.2019)

Mehr als 17.000 interne Dokumente der spanischen ultrarechten Organisationen »Hazte Oír« und »Citizen Go« stehen seit Donnerstag frei zugänglich unter dem Namen »Das Netzwerk der Intoleranz« im Internet. Darunter finden sich Informationen über Propagandamethoden sowie die Finanzierung der Organisationen. Gemeinsam mit vier Medien aus Italien (Il Fatto Quotidiano), Deutschland (Taz), Spanien (Público) sowie Mexiko (Contralínea) zeichnet die Enthüllungsplattform Wikileaks für die Veröffentlichung verantwortlich.

»Hazte Oír« wurde 2001 vom spanischen Anwalt Ignacio Arsuaga gegründet, der auch eine enge Freundschaft zum Chef der faschistischen Partei Vox, Santiago Abascal, unterhält. Der ultrakatholische Verein organisiert unter anderem Kampagnen gegen das Recht auf Schwangerschaftsabbruch, LGBTIQ- sowie Frauenrechte und unterhält Verbindungen ins Neonazimilieu. Die Organisation »Citizen Go« wurde 2013 ins Leben gerufen, um die ultrarechte Lobbyarbeit von »Hazte Oír« auch über das spanischsprachige Ausland hinaus umsetzen zu können. Heute unterhält sie Sitze in 15 Ländern, in rund 50 ist sie aktiv.

Die geleakten Dokumente zeigen auf, welche Rolle Millionäre bei der Etablierung des ultrarechten Netzwerks spielten. Insgesamt rund 200 Millionäre sind als »Großspender« gelistet, darunter eine der reichsten Unternehmerinnen aus Spanien, Esther Koplowitz, der ehemalige Besitzer der größten spanischen Handelskette El Corte Inglés, Isidoro Álvarez, sowie der Bauunternehmer Juan-Miguel Villar Mir. Gemeinsam mit einer Vielzahl weiterer großer sowie kleinerer Spender zeichnen diese Personen mutmaßlich für die Finanzierung des »World Congress of Families« (WCF) verantwortlich, der 2012 zum ersten Mal in Spanien stattfand.

Der WCF, ein vor allem aus US-Organisationen bestehender Zusammenschluss, der seit 1997 regelmäßig internationale Konferenzen veranstaltet, spielt eine zentrale Rolle für die internationale Vernetzung christlicher Fundamentalisten sowie ultrarechter Politiker. Beim Kongress in Budapest 2017 hielt Ungarns Premier Victor Orban die Begrüßungsrede, unter den Teilnehmern 2019 im italienischen Verona befand sich auch der Vorsitzende der faschistischen Lega und damalige Vizeregierungschef Matteo Salvini. Wie die spanische Tageszeitung Público anmerkt, war die Lobbyarbeit von »Hazte Oír« sowie »Citizen Go« ebenso für den Aufstieg der spanischen Rechtspartei Vox zentral.

Zudem finden sich in den geleakten Dokumente auch Verbindungen von »Hazte Oír« zur mexikanischen Geheimorganisation »El Yunque«, wie Wikileaks in einer Mitteilung öffentlich machte. Dabei handelt es sich um eine ultrakatholische Sekte, die sowohl in Mexiko selbst als auch beispielsweise in Spanien für »die Verteidigung des Katholizismus sowie den Kampf gegen Satan« einsteht. Laut Contralínea geben die Leaks Einblicke in die interne Arbeitsweise von El Yunque. Demnach werden Neumitglieder nur bis zum Erreichen ihres 20. Lebensjahrs aufgenommen, so dass ihre »Persönlichkeit geformt« werden kann. Ziel ist es, bestehende Bewegungen von innen heraus zu überwachen und zu verändern, um so »das Königreich Christi auf Erden zu schaffen«.

Laut der deutschen Taz stammen zudem besonders viele der Spender von »Citizen Go« aus der BRD. Insbesondere Menschen, die das Recht auf Schwangerschaftsabbrüche ablehnen, seien großzügig. Das Netzwerk habe zudem gut verstanden, dass das Thema Gender eine »Scharnierfunktion« zwischen »gesellschaftlicher Mitte« und radikaler Rechte einnehmen könne. So habe es »Citizen Go« gemeinsam mit »Hazte Oír« geschafft, eines der finanzstärksten antifeministischen Netzwerke innerhalb der Europäischen Union aufzubauen. Zwischen 2009 und 2018 sollen allein knapp 33 Millionen US-Dollar in die Kampagnenarbeit geflossen sein.

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