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Aus: Ausgabe vom 10.08.2021, Seite 5 / Inland
Armut im Alter

Zuwenig Geld für die Miete

Fast 50.000 Haushalte in Berlin und Brandenburg beziehen Wohngeld
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Ältere Leute haben etwas Besseres verdient, als sich um die Miete sorgen zu müssen (Berlin, 26.3.2021)

Ende 2020 bezogen in der Hauptstadtregion mehr als 48.500 Haushalte Wohngeld. Wie das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg am Montag mitteilte, bedeutet das für Berlin im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 20 Prozent und für Brandenburg um 16 Prozent.

Der Anstieg ist auf das Inkrafttreten des Wohngeldstärkungsgesetzes im Jahr 2020 zurückzuführen, das unter anderem eine Überarbeitung der Wohngeldformel und die Anpassung der Werte der Höchstbeträge, des Gesamteinkommens und des Wohngeldes beinhaltet. Der Anteil der reinen Wohngeldhaushalte, in denen alle Haushaltsmitglieder einen Anspruch auf Wohngeld haben, betrug 98 Prozent. In zwei Prozent der Haushalte waren nur einzelne Personen des Haushaltes wohngeldberechtigt. Wohngeld ist ein von Bund und Ländern je zur Hälfte getragener Zuschuss zu den Wohnkosten. Er wird armen Haushalten gewährt, damit diese die Wohnkosten für angemessenen und familiengerechten Wohnraum tragen können.

Die Zahl der reinen Wohngeldhaushalte betrug in Berlin insgesamt 24.620. Davon erhielt der größte Teil (99 Prozent) Wohngeld in Form eines Mietzuschusses. Die übrigen Haushalte empfingen einen Lastenzuschuss. Das ist ein Zuschuss zu den Aufwendungen für Kapitaldienst und die Bewirtschaftung ihres Wohneigentums. In Brandenburg gab es 22.785 Haushalte mit reinem Wohngeld. Davon erhielten 92 Prozent einen Mietzuschuss, acht Prozent bekamen einen Lastenzuschuss für ihr Eigenheim bzw. für ihre Eigentumswohnung. In beiden Ländern ist der Anteil der Einpersonenhaushalte mit rund zwei Dritteln am größten.

Der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch bei reinen Wohngeldhaushalten lag in Berlin bei 166 Euro und in Brandenburg bei 135 Euro. Das waren in Berlin 22 Euro und in Brandenburg 15 Euro mehr als im Jahr zuvor.

Bei den reinen Wohngeldhaushalten betrug die durchschnittliche monatliche tatsächliche Miete 474 Euro in Berlin und 404 Euro in Brandenburg. Die für die Wohngeldberechnung berücksichtigungsfähige Miete bzw. Belastung belief sich auf 460 Euro in Berlin und 388 Euro in Brandenburg. Das durchschnittliche monatliche Gesamteinkommen lag in Berlin bei 964 Euro und in Brandenburg bei 904 Euro.

Unter den reinen Wohngeldhaushalten bildeten Rentnerinnen und Rentner gemeinsam mit Pensionärinnen und Pensionären die größte Gruppe. Hierzu zählte über die Hälfte der Berliner und Brandenburger Haushalte mit reinem Wohngeld (54 Prozent bzw. 59 Prozent). An zweiter Stelle standen Beschäftigte sowie Beamtinnen und Beamte mit 28 Prozent in Berlin und 25 Prozent in Brandenburg. Der verbleibende Anteil entfiel auf die Gruppen Studenten und Auszubildende, Selbständige, Erwerbslose und sonstige Berechtigte.

Dass vor allem Rentner Wohngeld beantragen, verwundert nicht. Denn mehr Menschen sind auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen. Wie die Berliner Zeitung am Sonntag berichtete, hat sich die Zahl der Bezieher von Grundsicherung in Berlin in den letzten 15 Jahren mehr als verdoppelt. Lebten im Jahr 2005 noch 39.392 Berliner von Grundsicherung, waren es im vergangenen Jahr 86.901. Die Zahlen gehen aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage des Abgeordneten Marcel Luthe (früher FDP, jetzt Freie Wähler) hervor. Die Betroffenenzahlen in Berlin seien den Angaben zufolge kontinuierlich angestiegen: Die Marke von 70.000 Empfängern wurde im Jahr 2013 überschritten, die Marke von 80.000 im Jahr 2017. (jW)

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  • Leserbrief von Reinhard Hopp aus Berlin (10. August 2021 um 10:19 Uhr)
    »Wohngeld« klingt erst mal gut und sozial. Und für die Bedürftigen ist es das ja auch. Volkswirtschaftlich hingegen ist es eine steuerfinanzierte Dauersubventionierung der leistungslosen Profite, Dividenden und Boni der kriminellen Immobilienkonzerne. Also ein weiteres Instrument der Plünderung öffentlicher Kassen; kurzum: staatlich organisierter und politisch legitimierter Raub von Gemeingut.

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