3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Donnerstag, 16. September 2021, Nr. 215
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 10.08.2021, Seite 4 / Inland
Bundeswehr bemüht um Nachwuchs

Beträchtlicher Aufwand

Bundeswehr intensiviert Nachwuchsgewinnung. Regierung hält sich über Details bedeckt. Linke kritisiert fragwürdige Methoden
Von Kristian Stemmler
04.jpg
Jugendoffiziere werben verstärkt in Schulen künftiges Personal für die Bundeswehr (Berlin, 10.4.2019)

Panzer feuern aus allen Rohren, Soldaten seilen sich an einer Bergwand ab, ein Kriegsschiff durchpflügt die See. In dem Clip, mit dem sich die Redaktion der Bundeswehr auf Youtube vorstellt, wird Krieg als großes Abenteuer inszeniert. Seit Aussetzung der Wehrpflicht ab 2011 haben sich Öffentlichkeitsarbeit und Nachwuchswerbung der Bundeswehr gewandelt. Neben Kampagnen im öffentlichen Raum, etwa mit Großplakaten, versucht sie zunehmend junge Leute in den sozialen Medien zu erreichen, bei Youtube, Facebook, Twitter oder Instagram. Für die Fraktion von Die Linke im Bundestag ist das eine »höchst bedenkliche« Entwicklung, die sie mit zwei Anfragen problematisiert hat. Aus den Antworten der Bundesregierung, die junge Welt vorliegen, geht hervor, dass die Truppe einen beträchtlichen Aufwand betreibt, um Menschen für den »Dienst am Vaterland« zu begeistern.

So kann etwa die Zahl der mit Nachwuchswerbung und Personalgewinnung befassten Mitarbeiter der Bundeswehr als hoch angesehen werden. Rund 1.300 Dienstposten seien dafür geschaffen worden, heißt es in den von Thomas Silberhorn (CSU), Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverteidigungsministerium, unterzeichneten Antworten. Im Zeitraum von 2012 bis 2020 seien für diese Mitarbeiter rund 77 Millionen Euro aufgewandt worden. In zwölf Agenturen für Arbeit unterhält die Bundeswehr Büros zur Personalgewinnung, die zwischen 2012 und 2015 eingerichtet wurden.

Um junge Leute zu erreichen, hat die Truppe nicht nur ihre Aktivitäten im Internet intensiviert, sondern auch die traditionelle Nachwuchswerbung mit den knapp 100 Jugendoffizieren, die in die Schulen gehen. Die PR-Arbeit im Klassenzimmer wird dabei ordentlich entlohnt. Laut Bundesregierung sind die Ausgaben für die Gehälter dieser Offiziere von 4,4 Millionen Euro im Jahr 2012 auf 5,5 Millionen Euro 2020 gestiegen. Ein Jugendoffizier erhalte ein Jahresbruttogehalt von rund 60.000 Euro, heißt es in den Antworten auf die Anfragen.

Zu ihren Aktivitäten in sozialen Medien hält sich die Bundeswehr bedeckt. So will sie in der Antwort auf die Linke-Anfragen das Durchschnittsalter ihrer Social-Media-Follower nicht mitteilen. Ebensowenig will sie sich zur Zusammenarbeit mit sogenannten Influencern eindeutig äußern. Auf Kritik der Fraktion von Die Linke reagiert das Ministerium dünnhäutig. Im Rahmen der Personalwerbung informiere die Bundeswehr »umfassend, verantwortungsvoll, authentisch und zeitgemäß über die Besonderheiten des Arbeitgebers Bundeswehr, der sinnstiftende und qualifizierende Berufe bietet«, heißt es in den Antworten der Bundesregierung.

Das sieht die Fraktion ganz anders. Es sei vor allem bedenklich, formuliert sie in den Anfragen, dass bei der Bundeswehr-Werbung »vor allem sehr junge, häufig sogar minderjährige Personen angesprochen werden«. Tobias Pflüger, verteidigungspolitischer Sprecher, erklärte am Montag gegenüber jW, die Bundeswehr sei »offensichtlich nicht attraktiv genug« und müsse dieses Manko mit Werbung kompensieren. Die Methoden der Nachwuchswerbung würden »immer fragwürdiger«, so Pflüger: »Statt sachlich zu informieren, setzt die Bundeswehr in den sozialen Medien auf emotionale Unterhaltungsformate.«

Die Formate stellten die Bundeswehr und ihre Einsätze »unkritisch und beschönigend« dar. Das Militär informiere mit seinen Youtube-Serien eben nicht »authentisch und zeitgemäß«, wie die Bundesregierung behaupte. »Solche Serien sind Scripted reality und keine objektive Information«, so Pflüger. Die Linke sei gegen den Einsatz von Jugendoffizieren, die an Schulen gezielt Minderjährige anwerben sollten, sagte der Linke-Politiker: »Schulen sind nicht der Personalpool der Bundeswehr«.

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Zur neuen Leserbrieffunktion auf jungewelt.de

  • Leserbrief von Onlineabonnent/in Dieter R. aus Nürnberg (10. August 2021 um 07:23 Uhr)
    Es braucht keine korrekte Bundeswehr, wie von der »Linkspartei« eingefordert, sondern gar keine Bundeswehr.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Impftermin in einer Kölner Moschee (8.5.2021)
    26.07.2021

    Debatte über Coronapolitik

    Kretschmann und Braun bringen Impfpflicht und Einschränkungen für Ungeimpfte ins Spiel. Kritik von SPD, FDP und Die Linke. Laschet auf Distanz
  • Audimax proppenvoll: Plakat zur ersten gemeinsamen Großveranstal...
    23.07.2021

    Solidarität ist stärker als Hetze

    Die Arbeitsgemeinschaft Cuba Sí in der Partei Die Linke wird am Freitag 30 Jahre alt. Fast genauso lang währt ihre Zusammenarbeit mit junge Welt
  • Selbstdarstellung als »ganz normaler Arbeitgeber«: Bundeswehr-St...
    28.05.2021

    Ruhigere Heimatfront

    »Kollateralnutzen«: Wegen Coronapandemie weniger Bundeswehr-Propaganda in Schulen und weniger Nachwuchs rekrutiert worden

Nur noch bis 26. September: 3 Monate Tageszeitung junge Welt lesen für 62 €. Jetzt bestellen!