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Aus: Ausgabe vom 09.08.2021, Seite 1 / Titel
Klimawandel

Planet verliert Balance

Großbrände, Flutkatastrophen, Extremwetterlagen: Der Weltklimarat schlägt Alarm. Protest im Rheinland gegen Braunkohleförderung
Von Wolfgang Pomrehn
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Tausende Menschen demonstrierten am Wochenende im Rheinland gegen den Abbau fossiler Energieträger

In Athen brennen die Vororte. Nicht nur in Griechenland, auch in der Türkei stehen Wälder lichterloh in Flammen, ebenso in Süditalien, im Libanon, in Kalifornien, in Bolivien, Brasilien oder in Sibirien. Zehntausende haben vor den Waldbränden in den letzten Wochen in aller Welt fliehen müssen. Allein in Russland wurde in diesem Jahr bisher schon Wald auf einer Fläche von rund 134.000 Quadratkilometern vernichtet, schreibt die Moscow Times. Anderswo fliehen die Menschen vor Wassermassen. In London wurden am Wochenende zum zweiten Mal innerhalb etwa einer Woche viele Straßen überflutet, ebenso in zahlreichen anderen Orten auf den britischen Inseln. Im Südsudan traf es viele noch härter, mindestens 90.000 Menschen sind betroffen. Hinzu kommt: Eine wichtige Atlantikströmung, zu der der Golfstrom zählt, ist offenbar akut bedroht. Die Atlantische Umwälzströmung, die für den Austausch warmer und kalter Wassermassen verantwortlich ist und so auch das Klima in Europa beeinflusst, hat möglicherweise an Stabilität verloren. Diese Erkenntnis veröffentlichte das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) Ende vergangener Woche im Fachmagazin Nature Climate Change.

Am Montag erscheint nun der erste Teil eines neuen Sachstandsberichts des Weltklimarates, der ein düsteres Bild vom Zustand des Planeten und den weiteren Aussichten zeichnen wird, sollte nicht schleunigst die Notbremse gezogen werden. Wissenschaftler sind sich inzwischen sicher, dass wir Vorboten der Klimakatastrophe erleben. Nicht jedes Ereignis lässt sich ohne weiteres eindeutig auf den Klimawandel zurückführen, aber bei einigen ist es mit großem Aufwand an Computerleistung und Datenanalyse geschehen. Zum Beispiel im Falle der Hitzewelle, die Anfang Juli den Nordwesten der USA und den Westen Kanadas heimsuchte, Hunderte Menschen das Leben kostete und eine beispiellose Serie von Waldbränden auslöste.

Dass die Politik angemessen reagiert, danach sieht es hierzulande nicht aus. Angesprochen darauf, ob er nun nach den verheerenden Hochwassern im Südwesten mit über 180 Toten allein in Deutschland mehr Klimaschutz betreiben und seinen Widerstand gegen den Ausbau der Windenergie aufgeben werde, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet nach der jüngsten Flutkatastrophe im WDR, wegen so eines Tages werde nicht gleich die Politik geändert. Durchaus konsequent, wenn man vorhat, weiter Dörfer für die Braunkohle abzureißen und die ganze Erde mit immer mehr Treibhausgasemissionen in eine Hölle zu verwandeln.

Dagegen protestierten am Sonnabend einmal mehr die Anwohner des rheinländischen Braunkohletagebaus Garzweiler II. 2.500 Unterstützer waren dem Aufruf von Umweltverbänden und dem Netzwerk »Alle Dörfer bleiben« nach Angaben der Veranstalter gefolgt. Eine Menschenkette verband die beiden von der Braunkohleförderung bedrohten Dörfer Lützerath, das als erstes weggebaggert werden soll, und Keyenberg, über dessen Schicksal bis Ende 2026 entschieden wird. Für den Erhalt der Orte wird seit Jahren gegen den Tagebaubetreiber RWE gekämpft. Immer wieder wurde am Wochenende auch der CDU-Kanzlerkandidat kritisiert. Am Rand der Menschenkette hüpfte ein großer Ballon mit seinem Porträt im Wind auf und ab. Braunkohle ist der für das Klima schädlichste fossile Energieträger, doch Laschet und seine Partei wollen besonders die Braunkohlekraftwerke noch lange weiter betrieben, einen Teil gar bis 2038.

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  • Leserbrief von Joachim Becker ( 9. August 2021 um 12:48 Uhr)
    Wer protestiert außer gegen den Kohleabbau auch gegen den zunehmenden Auto- und Flugverkehr? Oder belasten diese nicht das Klima ? Wer protestiert gegen die Abholzung des Regenwaldes? Nicht der Kohleabbau allein ist das Problem. Das Problem ist der Kapitalismus. Solange der Kapitalismus weltweit herrscht, wird auch die Ausbeutung nicht nur des Menschen, sondern auch der Natur weitergehen. Deshalb muss der Kapitalismus abgeschafft werden.

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