Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Gegründet 1947 Sa. / So., 16. / 17. Oktober 2021, Nr. 241
Die junge Welt wird von 2589 GenossInnen herausgegeben
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder > Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Kauf im Kiez! Zum jW-Kioskfinder >
Aus: Ausgabe vom 06.08.2021, Seite 6 / Ausland
Prozess um venezolanisches Gold

Korrupt bis in die Knochen

Venezuelas Gold in London: Guaidó begleicht Strafzahlung mit beschlagnahmtem Vermögen
Von Frederic Schnatterer
2021-03--POLITICS.JPG
Bedient sich fleißig am Vermögen der venezolanischen Zentralbank: Der rechte Oppositionspolitiker Juan Guaidó (Caracas, 3.3.2021)

Juan Guaidó macht seinem Ruf, korrupt bis in die Knochen zu sein, mal wieder alle Ehre. Während in London weiterhin darüber gestritten wird, wer der »rechtmäßige Besitzer« des bei der Bank of England eingelagerten Golds der Zentralbank von Venezuela (BCV) ist, bedient sich der rechte venezolanische Oppositionspolitiker bereits fleißig an deren Vermögenswerten. Das legt eine Recherche des Investigativportals The Canary nahe, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. Demnach geht aus Gerichtsdokumenten hervor, dass Guaidó Anwaltskosten mit Geldern aus BCV-Reserven gezahlt hat.

Das Brisante daran: Guaidó setzte die BCV-Gelder im Rahmen des Gerichtsstreits in London ein, bei dem das Oberste Gericht Großbritanniens gerade über den rechtmäßigen Besitzer der von Caracas bei der Bank of England eingelagerten Vermögenswerte entscheiden soll – rund 31 Tonnen Gold mit einem geschätzten Gesamtwert von zwei Milliarden US-Dollar. Im Mai 2020 hatte die venezolanische Regierung die Bank of England auf die Herausgabe des Edelmetalls verklagt, was diese mit dem Argument ablehnte, die britische Regierung erkenne Guaidó als »Übergangspräsidenten« des südamerikanischen Landes an, weshalb dieser die Verfügungsgewalt über das Vermögen habe.

Im Oktober desselben Jahres hob indes ein Gericht das vorige Urteil auf und befand, es sei »zweideutig oder zumindest nicht eindeutig«, wen London als Repräsentanten Venezuelas anerkenne. So unterhalte die britische Regierung zumindest praktisch auch Beziehungen zu Vertretern des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro. In der Folge musste Guaidó die Prozesskosten für die Anwälte der BCV übernehmen. Die fälligen 400.000 Pfund Sterling (rund 470.000 Euro) zahlte er mit Geld aus BCV-Besitz, das die US-Regierung im April 2020 beschlagnahmt hatte.

Die Enthüllungen platzen in den momentan vor dem Obersten Gericht Großbritanniens laufenden Prozess, in dem die definitive Entscheidung über die bei der Bank of England einliegenden Goldreserven gefällt werden soll. Ein Urteil wird frühestens für den Spätsommer erwartet. Eine juristisch abgesicherte Enteignung wäre besonders schwerwiegend, da sie auch die Finanzreserven anderer Länder in Gefahr brächte – ganz zu schweigen davon, dass Caracas das Geld aus London gerade besonders gut zur Bekämpfung der Coronapandemie gebrauchen könnte.

Teste die beste linke, überregionale Tageszeitung. Jetzt an deinem Kiosk!

Die Tageszeitung junge Welt beschreibt in ihrer Berichterstattung die Ausbeutungs- und Machtverhältnisse klar und deutlich. Für alle, die sie verstehen wollen, lohnt sich der Gang zum Kiosk und ein Blick in die  junge Welt!

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

Ähnliche:

  • Juan Guaidó sollte sich laut Richterin Cockerill auf die Suche n...
    24.11.2020

    Guaidó zahlt nicht

    Rechtsstreit um venezolanisches Gold in London: Oppositioneller kommt Pflichten nicht nach
  • Das venezolanische Gold liegt in der Bank of England in London (...
    07.10.2020

    Etappensieg für Caracas

    Berufungsgericht: London darf beschlagnahmtes Gold Venezuelas nicht selbsternanntem »Übergangspräsidenten« Guaidó zur Verfügung stellen
  • Statt von Venezuelas Regierung für den Kampf gegen Corona einges...
    03.07.2020

    Lizenz zum Stehlen

    Britisches Gericht in London: Bank of England muss venezolanisches Gold nicht an Regierung zurückgeben. Caracas kündigt Berufung an

Mehr aus: Ausland

Die Buchlesewoche der Tageszeitung junge Welt vom 20. bis 23. Oktober. Alle Infos hier!