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Aus: Ausgabe vom 04.08.2021, Seite 11 / Feuilleton
Pop

So ein Sommer kommt nicht wieder

Das Otto-Groote-Ensemble und sein Gast Ralph Schüller live in Ostfriesland
Von Frank Schwarzberg
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»On the Waterfront« – Otto Groote und sein Ensemble

Am Gulfhof Dat Achterenn in Holtland, Ostfriesland, herrscht am Samstag, dem 10. Juli, geschäftiges Treiben. Schließlich kommt das Otto-Groote-Ensemble aus der Gegend. Groote wohnt mittlerweile in Bremen.

»Ik bün tohuus in’t blaue Lücht van d’ Nörden« singen und spielen Songschreiber Otto Groote, Leadgitarrist und Begleitvokalist Matthias Malcher und Bassgitarrist Ralf Strotmann im Song »Iesmeerwellen«: Sie singen auf platt, und nicht nur der weiße Schwan aus dem Lied, sondern 70 Leute in einem Gulfhof in Ostfriesland fliegen gerade mit, »an d’ Noordmeerstrand«. Country, Folk und Bluegrass spürt man in ihrem Spiel. Es klingt warm und ­lässig, und Grootes Gesang, unprätentiös und souverän, erinnert in manchen Momenten an einen anderen, bekannten Wahlfriesen: Hannes Wader.

Erst recht unprätentiös und souverän ist dann der Gast des Abends: Ralph Schüller aus Leipzig, einer der zwei besten lebenden Songpoeten hierzulande. Schon nach drei Groote-Songs wird er überschwänglich von der Bühne aus angekündigt, und was folgt, ist ein Beispiel setzendes Geben und Nehmen der beiden Acts: Keiner spielt sich in den Vordergrund (das haben sie nicht nötig); ihre Sets wechseln sich oft ab, und gegenseitige Anerkennung und Respekt werden gelebt, indem Schüller einige Groote-Songs mit Gitarre und Mundharmonika bereichert und im Gegenzug die Groote-Mitglieder ihm in seinem letzten Set die Band machen. Organisch, demokratisch und kurzweilig, bei fast drei Stunden Spieldauer.

»Eine Rose auf den Gleisen / eine Rose am Revers« heißt es in einem von Schüllers Liedern – manchmal braucht es nicht viel, wenn man genau hinsieht. Ralph Schüller sieht genau hin, und dazu gehört auch, dass er im Gulfhof nicht nur auf Wohlklang macht: Bootsflüchtlinge und ihr Schicksal in »So und so und so« und nationalistischer Chauvinismus in »Es ist gut« werden unbeschönigt angesprochen. Mit einem plötzlichen Wechsel des Registers zeigt Schüller, wie Hass und hässliche Sprache zusammengehören.

Bevor am Ende alle vier noch einmal zusammen musizieren, beendet Schüller seinen Set solo mit »So ein Sommer« vom 2010er Album »Kein Entkommen«: »So ein Sommer kommt nicht wieder / Lang wächst uns das Haar / So ein Sommer wärmt uns die Glieder / Bis ins nächste Jahr / So ein Sommer kommt nicht wieder / Zieh den Stecker und atme aus / So ein Sommer kommt nicht wieder / So ein Sommer in unserem Haus«.

Das Otto-Groote-Ensemble und Ralph Schüller (mit Band, solo oder zusammen mit der Groote-Combo) touren noch den ganzen langen Sommer und Herbst. Wer in der Nähe ist, sollte hingehen. »Denn das Leben ist ein kurzer Tag und eine lange Nacht.«

Nächste Termine: 13.8. Bad Schmiedeberg, 14.8. Gassmühle, Bad Rotta, 15.8. Schloss Goseck

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