3 Monate junge Welt für 62 €
Gegründet 1947 Dienstag, 28. September 2021, Nr. 225
Die junge Welt wird von 2582 GenossInnen herausgegeben
3 Monate junge Welt für 62 € 3 Monate junge Welt für 62 €
3 Monate junge Welt für 62 €
Aus: Ausgabe vom 04.08.2021, Seite 10 / Feuilleton

Braun, Kubitschek

Von Jegor Jublimov
Ruth_Maria_Kubitsche_50245099.jpg
»Sie wandelt stolz in goldenem Ornat« – Ruth Maria Kubitschek als Helena in »Die Troerinnen des Euripides« in ihrer Garderobe in den Münchner Kammerspielen am 15.07.1968

Herrlich, wie Nachbarin Pfeiffer auf dem Hinterhof in Prenzlauer Berg ihren (von Wolfgang Kohlhaase verfassten) Tiraden im Defa-Kultfilm »Solo Sunny« (Konrad Wolf, Wolfgang Kohlhaase, 1980) freien Lauf ließ! Volkstümliche Figuren hat Ursula Braun immer überzeugend gegeben, mit Renate Krößner schon zuvor in der Friedrich-Wolf-Adaption »Cyankali« (Jurij Kramer, 1977), als sie deren Mutter spielte. Die Berlinerin hatte bei der großen Lucie Höflich Schauspielunterricht genommen, und in der Spielzeit 1940/41 debütierte sie gleichzeitig mit Herbert Köfer am Stadttheater im schlesischen Brieg. Nach anderen Stationen holte sie Fritz Wisten ins Ensemble der Berliner Volksbühne, dem sie 30 Jahre lang treu blieb, bis zu ihrem zu frühen Tod 1984. In Berlin spielte sie große Rollen – unvergesslich 1975 ihre komödiantische Smeraldina in Carlo Gozzis »Das schöne grüne Vögelchen«. Zum Film holte sie Martin Hellberg 1955, als er sie in seiner Adaption des spanischen Stücks »Der Richter von Zalamea« die Marketenderin Chispa spielen ließ. Unter ihren rund 50 Fernsehrollen (u. a. in den Reihen »Der Staatsanwalt hat das Wort« und »Polizeiruf 110«) ragt die Hamburger Arbeiterfrau Pauline Hardekopf in »Verwandte und Bekannte« heraus, die sie 1971 an Gerhard Bienerts Seite in einem Dreiteiler nach Willi Bredels Vorlage spielte. Am kommenden Sonntag wäre sie 100 Jahre alt geworden.

Eine aus Nordböhmen stammende junge Schauspielerin, die in Halle und Weimar Schauspiel studiert hatte, kam zu Beginn der fünfziger Jahre mit ihrem damaligen Mann, dem Regisseur Götz Friedrich, nach Berlin, wo sie u. a. am Maxim-Gorki-Theater und bald auch bei Film und Fernsehen auftrat. Bei der Defa spielte Ruth-Maria Kubitschek ab 1953 an der Seite von Günther Simon und Wolf Kaiser, 1958 als Rose Bernd an der Seite von ­Armin Mueller-Stahl, aber als 1960 ihr letztes DFF-Fernsehspiel »Wasser für Canitoga« auf den Bildschirm kam, hatte sie die DDR bereits verlassen. Im Westen fand sie schnell Anschluss, stand neben Romy Schneider, Heinz Rühmann und Gustav Knuth vor der Kamera und wurde mit der Titelrolle in dem Krimimehrteiler »Melissa« 1966 allen Fernsehzuschauern bekannt (obwohl die Figur schon nach dem ersten Teil nicht mehr auftauchte). Blieben die großen Aufgaben aus, war sie sich nicht zu schade, auch in Vorabendserien mitzuwirken – und der Erfolg gab ihr recht. Sie blieb immer präsent, und als Helmut Dietl sie dann als »Spatzl« in »Monaco ­Franze« (1983) und als Frau von Unruh in »Kir Royal« (1986) besetzte, hatte sie die Spitze der Popularität erreicht. Letztlich hat sie sich von der Stahlwerkerin und der Kuhmagd bei der Defa zur Edelunternehmerin und britischen Lady im ZDF emporgearbeitet. Als sie um die 80 war, spielte sie letzte Rollen bei Rosamunde-Pilcher-TV-Filmen, auf dem »Traumschiff« und im »Traum­hotel«. Seitdem erscheinen von der seit Montag 90jährigen regelmäßig neue esoterische Bücher. Wem’s hilft!

Aktionsabo »Marx für alle« für drei Monate

Die Bundesregierung und der deutsche Inlandsgeheimdienst wollen der Tageszeitung junge Welt den »Nährboden entziehen« unter anderem wegen ihrer marxistischen Weltanschauung. Mit unserem Aktionsabo  »Marx für alle« möchten wir möglichst vielen Menschen diese wissenschaftliche Sichtweise nahebringen und 1.000 Abos für die Pressefreiheit sammeln.

Das Abo kostet 62 Euro statt 126,80 Euro und endet nach drei Monaten automatisch.

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Feuilleton

Letzte Möglichkeit: Drei Monate Aktionsabo »Marx für alle« für 62 Euro!