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Aus: Ausgabe vom 03.08.2021, Seite 16 / Sport
Olympia

Er kam, sah und verlor

Es bleibt schwierig: Tennis und die Olympischen Spiele
Von Gabriel Kuhn
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Normalerweise kennt man ihn als Sieger: Der serbische Tennisspieler Novak Djokovic (Tokio, 30.7.2021)

Es gibt Beziehungen, bei denen man das Gefühl hat, alle strengen sich an, aber es wird einfach nichts draus. Beispiel: Tennis und die Olympischen Spiele. Dabei fing es gut an. Tennis wurde bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit, 1896 in Athen, ins Programm aufgenommen und blieb bis 1924 dabei. Dann stritten sich der Internationale Tennisverband und das ­Internationale Olympische Komitee darüber, was denn nun ein Amateur sei, und Tennis verschwand für mehr als 60 Jahre von der olympischen Bühne. Ein ­erster Versuch, es wieder einzuführen, scheiterte 1968. Der Demonstrationswettbewerb mit einer Altersgrenze von 21 Jahren überzeugte nicht. 1984 wiederholte sich der Versuch in Los Angeles. Dass Tennis seit 1988 wieder Teil des olympischen Programms ist, verdankte sich jedoch nicht diesem U-21-Turnier, sondern der 1986 getroffenen Entscheidung des IOK, alle Teilnahmebeschränkungen für Profisportler aufzuheben. Nun waren auch die Superstars eingeladen – und sie kamen. Für Steffi Graf wurde das Olympiaturnier genau zur richtigen Zeit ausgespielt. 1988 war ihr großes Jahr. Sie gewann nicht nur den Grand Slam (Titel bei den Australian Open, French Open, Wimbledon und den US Open), sondern auch olympisches Gold. Ein neuer Superlativ war geboren: der »Golden Slam«.

Die folgenden Jahrzehnte sollten jedoch zeigen, dass die Bedeutung des olympischen Tennisturniers schlicht nicht an die großen Turniere auf den Touren der ATP (Herren) und der WTA (Damen) herankommt. Für manche Stars war eine Olympiateilnahme eine willkommene Abwechslung (vor allem, wenn sie vor heimischem Publikum nationale Helden geben konnten), für andere nur lästig. In Tokio waren bei den Herren von den Top-30 der Weltrangliste ganze 14 am Start, bei den Damen immerhin 20. Die meisten Doppelpaarungen werden nur für das olympische Turnier zusammengestellt und sind alles andere als eingespielt.

Einer kam jedoch nach Tokio, um, wie er selbst gerne sagt, »Geschichte zu schreiben«. Der Serbe Novak Djokovic, Nummer eins der Welt und 20facher Sieger bei Grand-Slam-Turnieren, hatte noch die Chance auf den Golden Slam gehabt, den seit Steffi Graf niemand mehr erreicht hat.

Es klappte nicht. Ausgerechnet ein Deutscher machte ihm einen Strich durch die Rechnung: Alexander Zverev lag im Halbfinale bereits einen Satz und ein Break zurück, spielte von da an jedoch wie ausgewechselt und ließ dem verblüfften Djokovic keine Chance mehr. Djokovic war danach untröstlich, Zverev hellauf begeistert. Der in Monaco lebende Hamburger sprach vom »emotionalsten Sieg meiner Karriere«. Wenn es gut läuft, holt der olympische Geist auch die abgebrühtesten Tennisprofis ein. Zverev nahm den Schwung mit ins Finale, in dem er dem Russen Karen Chatschanow keine Chance ließ und in zwei Sätzen gewann. Er krönte sich damit zum ­ersten deutschen Goldmedaillengewinner im Herren-Einzel überhaupt. Djokovic verpasste hingegen durch eine Niederlage gegen den Spanier Pablo Carreño Busta auch noch Bronze. Zum Spiel um Platz drei im Mixed-Doppel trat er erst gar nicht mehr an. Pech für seine Partnerin Nina Stojanovic, die damit um ihre Medaillenchance gebracht wurde.

Bei den Damen schieden die beiden Topfavoritinnen, die Lokalmatadorin Naomi Osaka und die australische Weltranglistenerste Ashleigh Barty, schon früh aus. Den Titel holte sich die als Nummer neun gesetzte Schweizerin Belinda Bencic im Finale gegen die Tschechin Marketa Vondrousova.

Kurioses in den Doppelwettbewerben: Bei den Herren waren im Finale die beiden kroatischen Paarungen unter sich, im Mixed-Doppel die beiden russischen. Sieger: Nikola Mektic und Mate Pavic bei den Herren, Anastassija Pawljutschenkowa und Andrei Rubljow im Mixed. Im Damen-Doppel gewannen die Tschechinnen Barbora Krejcikova und Katerina Siniakova.

Der nächste Höhepunkt auf den Profitouren ist der Rogers Cup ab dem 7.8. in Montreal und Toronto, danach folgen die US Open in New York Anfang September. Trotz der Olympia-Enttäuschung kann Novak Djokovic immer noch Historisches leisten. Gewinnt er in New York das Turnier, wäre er der erste Mann mit einem Grand Slam seit dem Australier Rod Laver 1969 und erst der dritte in der Geschichte überhaupt. In New York wird freilich nicht nur Alexander Zverev mit am Start sein, sondern die gesamte Weltelite.

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