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Aus: Ausgabe vom 03.08.2021, Seite 1 / Inland
Altersvorsorge

Lebenslang schuften

Kapitalseite fordert längere Erwerbsarbeitszeit. DGB spricht von Rentenkürzung durch Hintertür
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Kein Ende in Sicht, wenn es nach dem Willen der Kapitalseite geht (Berlin, 28.6.2019)

Sie preschen wieder vor: Deutschlands Unternehmerbosse haben eine neue Debatte über eine Verlängerung der Lebensarbeitszeit hierzulande gefordert. Das Rentensystem werde nicht dauerhaft in seiner heutigen Form bestehen können, behauptete Rainer Dulger, Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), gegenüber dpa am Montag in Berlin. »Unsere jetzige Finanzierung für die Altersvorsorge sieht tatsächlich alt aus.«

Das Problem sei, dass das Verhältnis zwischen Leistungsempfängern und Einzahlern immer mehr aus dem Gleichgewicht gerate, wenn die Jahrgänge, die in den 1960er Jahre geboren wurden, in Rente gingen. »Die entstehende Lücke müsste der Bund mit Steuermitteln wieder auffangen, doch das ist keine nachhaltig finanzierbare Lösung«, meinte Dulger. Politisch Verantwortliche müssten sich bei dem Thema Rente ehrlich machen, so der Kapitalvertreter. »Wir brauchen eine Rentenpolitik, die länger als bis zum nächsten Wahltermin blickt.«

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) lehnte hingegen den Vorstoß des BDA-Präsidenten kategorisch ab. »Wer Debatten über ein höheres Rentenalter anstößt, soll ehrlich zugeben, dass er eine Rentenkürzung durch die Hintertür will«, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel gleichfalls am Montag der dpa. Denn zahlreiche Beschäftigte schafften es bereits heute nicht, gesund bis zur Rente durchzuhalten. »So würde absehbar die Zahl der Arbeitslosen und Kranken vor Renteneintritt steigen, weil viele gar nicht länger arbeiten können«, befürchtet Piel.

Kritik kam auch von der IG Metall. Deren Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Urban nannte die Forderungen von Dulger »sachlich falsch und sozial verantwortungslos«. Denn: Wer die Altersgrenze zur Rentenversicherung weiter anheben und die Beschäftigten zusätzlich drängen wolle, »weitere Einkommensbestandteile in die immer volatilere private Alterssicherung zu geben, betreibt Sozialabbau mit unlauteren Mitteln und Motiven«, sagte der Gewerkschafter am Montag im Gespräch mit dpa. (dpa/jW)

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  • Leserbrief von Peter Groß ( 3. August 2021 um 19:21 Uhr)
    »Hey Chef, ich will mein Geld!« So könnte die solidarische Forderung aller Arbeiter*innen lauten, die heute noch Ansprüche aus Überstunden verfallen lassen. Ich hörte, das sind viele hunderttausend jährlich. Lebenslang zu schuften verdanken wir auch all jenen, die heute noch als Ehrenamtliche ihre Arbeitsleistung auf den Markt tragen, während Millionäre, Milliardäre und Politiker:innen für ehrenamtliche Aufsichtsratsposten mit dem Geld zählen beschäftigt sind oder wie Annalena das Weihnachtsgeld aus der Parteispendenkasse vergessen. Man nennt sie »unsichtbare Kinder«, die 230.000 Kinder, die wie Anton in »Pünktchen und Anton« (Erich Kästner 1931) ehrenamtlich mit der Pflege von Familienangehörigen beschäftigt sind. Da fließt kein Geld in die Sozialkassen. Wer spricht von ZwangsarbeiterInnen, die die Bundesanstalt für Arbeit in Ein-Euro-Jobs schickt, während die Chefs der Einrichtungen Gehälter beziehen, die schon mal über den Einkünften der Bundeskanzlerin liegen. Es bleibt mein Wunsch, dass das Ehrenamt einem Wertamt weicht, bei dem alle Arbeitsleistungen nach bestehenden Tarifen vergütet werden. Denn wo es ehrenamtliche Sportfunktionäre schaffen, Millionen Euro zu bekommen, wo niedergelassene Ärzte in Impfzentren auf Stundensätze von 130 Euro kommen, Helfer*innen auf 36,50 Euro (für die das Rote Kreuz und andere 50 Euro erhalten), da läuft etwa gewaltig schief, und man sollte so manchen Subotnik ausfallen lassen, bis der Rubel rollt. Es steht jedem frei, verdientes Geld zu spenden. Aber jene Punkte für die Sozialversicherung machen auch die Rente in der Zukunft für alle sicherer. Vielleicht denkt man einmal über eine Sozialbindung nach, für jene Berchtesgadener und andere Einkommensmillionäre, die ihre Häuser gerade »ehrenamtlich«, aus Staats- und Landeskassen sowie von Ehrenamtlichen aufhübschen lassen, oder an bekannte Wohnungsbauunternehmen, die Hilfsgeld einstreichen, die Wohnungen, auch von Ehrenamtlichen, verschimmeln lassen und dafür lieber höhere Dividenden ausschütten.

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