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Aus: Ausgabe vom 02.08.2021, Seite 15 / Politisches Buch
Widerstandskampf der KPD

Geschlagen und doch unbesiegt

Neuauflage der klassischen Studie von Allan Merson über den kommunistischen Widerstand
Von Phillip Becher
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Plakat der KPD mit einem Appell an Anhänger und Mitglieder der SPD (1933)

Während Eric Hobsbawm oder Edward P. Thompson durchaus auch hierzulande ein Begriff sind, sind andere Vertreter der reichen Tradition marxistischer Geschichtswissenschaft, die Großbritannien zu bieten hat, weiterhin Geheimtips. Einer ist Allan Merson (1916–1995), der an der Universität Southampton lehrte und forschte. 1985 legte er sein Hauptwerk mit dem Titel »Communist Resistance in Nazi Germany« vor. Die Historikerin Christine King hob hervor, dass Mersons Studie helfe, »das stereotype Bild eines Naziregimes, in dem es praktisch keinen Widerstand gegeben hat, und einer Kommunistischen Partei, die blindlings an Moskau gebunden, unentschlossen und ineffektiv war«, auszubalancieren. Sie lobte die »Mischung aus Schilderung und Analyse«, den Überblick über die ältere Forschung und die »eigene Untersuchung«. In dieser Hinsicht sticht Mersons Fallstudie über den Widerstand von Düsseldorfer Kommunisten hervor, die das Kernstück der Arbeit ausmacht.

Mersons Studie wurde 1999 erstmals auf deutsch veröffentlicht. Im vergangenen Jahr ist eine Neuauflage der lange vergriffenen Übersetzung erschienen. Das ist erfreulich – und bitter nötig. 2014 hat Richard Stoe­nescu mit Nachhall eine Neuauflage der These vom Scheitern des kommunistischen Widerstandes gegen den Faschismus auf ganzer Linie verbreitet. Und der 2014 verstorbene Hermann Weber behauptete bis zuletzt, dass es Hitler gelungen sei, die KPD zu zerschlagen. Demgegenüber hielt Merson fest, dass die KPD – trotz des immensen Blutzolls und der unbestreitbaren Niederlage der Arbeiterbewegung 1932/33 – als Organisation zunächst nicht nur den »Kampf um ihr Überleben« gewinnen konnte und »sogar in den Konzentrationslagern in einen direkten politischen Kampf« trat, sondern zudem »eine hohe Kampfmoral hatte und die Gestapo mit dem Zusammenhalt einer Armee bekämpfte, in der hartnäckiges Pflichtbewusstsein und Verantwortungsgefühl durch Klassenbewusstsein gestützt wurde«.

Aus Mersons Analyse wird ersichtlich, dass sich SPD und KPD die Verantwortung für die Niederlage 1932/33 mindestens teilen. In dem Buch werden die Ursachen für das Versagen der sozialdemokratischen Führung am Ende der Weimarer Republik präzise aufgespürt. Der Autor spart auch nicht mit Kritik an den »andauernden ultralinken Fehlern der Führung der deutschen Kommunisten« bis zur Mitte der 1930er Jahre. Dennoch heben sich der von Merson beschriebene Zusammenhalt der KPD und die Tatsache, dass trotz des faschistischen Massenmords und des regelmäßigen Auffliegens von Widerstandsgruppen immer wieder neue, wenn auch zusehends schwächer werdende Kräfte unter der roten Fahne zusammenfanden, deutlich ab vom vollständigen Zerfall der Sozialdemokratie, von der lediglich zahlreiche Splittergruppen auf der verzweifelten Suche nach den richtigen Schlüssen aus der Katastrophe, die der Machtantritt der Faschisten bedeutete, übrigblieben. Dass die KPD ihr Hauptziel ab 1935, die Schaffung einer antifaschistisch-demokratischen Volksfront zum Sturz des Regimes, nicht erreicht hat, gehört ebenfalls zum Gesamtbild und wird von Merson gleichfalls eingeordnet.

Klarer als in diesem Buch, das als Studie über den deutschen Antifaschismus selbstverständlich implizit eine Theorie über den Nazismus enthält, hat Merson 1973 in einem vom Krefelder Widerstandskämpfer Aurel Billstein seinerzeit auch ins Deutsche übertragenen Text (»The Nazis and Monopoly Capital«) den Versuch einer Deutung des Faschismus in Auseinandersetzung mit anderen Faschismustheorien vorgenommen. Auch diese kleinere Schrift kann – trotz einiger zeitbedingter Unzulänglichkeiten – heute nützlich sein, da auf der politischen Linken fatalerweise die Konfusion über das Wesen des Faschismus proportional mit dem realen Anwachsen der Rechtskräfte zuzunehmen scheint.

Allan Merson: Kommunistischer Widerstand in Nazideutschland. Neue Impulse, Essen 2020, 310 Seiten, 19,80 Euro

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