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Aus: Ausgabe vom 31.07.2021, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage
Nord- und Südkorea

Krabbe zwischen Walen

Wer zuerst den Blick senkt, hat verloren. Erlebnisse an der innerkoreanischen Grenze
Von Andreas Niederdeppe
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Beobachtung auf Abstand: Soldaten Nord- und Südkoreas an den Blauen Baracken in der Demilitarisierten Zone in Panmunjom (26.7.2018)

Vergorener Reiswein floss in der Schenke namens Panmun vor mehreren hundert Jahren reichlich. Die Gäste hätten jeden für verrückt erklärt, der vorausgesagt hätte, dass dieser Ort an der 240 Kilometer langen Grenze weltbekannt und höchst umstritten werden würde. In Panmunjom wurde das Waffenstillstandsabkommen nach dem Koreakrieg 1953 von den durch die USA vertretenen Vereinten Nationen, der Demokratischen Volksrepublik Korea und der Volksrepublik China unterzeichnet.

Der Ort kann heute von Südkorea ebenso wie von Nordkorea aus besichtigt werden; die Grenze verläuft mitten durch die demilitarisierte Zone. Auf beiden Seiten des geteilten Landes ist der Besuch ausschließlich mit einer Anmeldung und in Begleitung des Militärs für wenige Minuten möglich. Lauscht man den Erklärungen der Reiseführer der jeweiligen Seite, kann die Uneinigkeit nicht deutlicher spürbar werden. In der Unterweisung auf südkoreanischer Seite der Trennungslinie am 38. Breitengrad erfahre ich, dass der Überfall des Nordens auf die unvorbereiteten Soldaten in Seoul 1950 völlig überraschend kam und erfolgreich zurückgeschlagen wurde, so dass ein Waffenstillstand – der bis heute ohne Friedensvertrag gilt – geschlossen wurde. Die Volksarmee im Norden erläutert hingegen: »Die US-Imperialisten gingen im Großen Vaterländischen Befreiungskrieg auf die Knie vor dem koreanischen Volk und mussten das Waffenstillstandsabkommen unterschreiben.« Zitat Ende. Jedenfalls ist es ein Faktum, dass Hunderte von Verhandlungsrunden von 1951 bis zum 27. Juli 1953 erfolgten, bis man die Kampfhandlungen beendete.

In Seouler Hotels liegen großformatige Broschüren zum Buchen von Touren zur Grenze bereit. Gäste werden mittels martialischer Fotos von Soldaten mit Tarnfarbe im Gesicht, Minenfeldern und Sperranlagen angelockt. Die Fahrt beginnt am frühen Morgen mit dem Bus, nachdem die Daten der Reisepässe geprüft wurden. Die Teilnahme von 50 bis 100 Personen ist obligatorisch. Ein Individualverkehr ist nicht möglich; die Straßen ins Grenzgebiet sind gesperrt, Züge verkehren nicht. Rund zwei Kilometer von Panmunjom entfernt werden wir im Camp Bonifas der Vereinten Nationen über die Geschichte der Teilung Koreas von US-Militärs im Kommandoton unterrichtet. Hier befindet sich der unzugänglichste und bestbewachte Golfplatz der Welt – mit genau einem Loch. Freilich, es bleibt dem hier stationierten Armeegolfer unbenommen, 18mal zu spielen, um sein Turnier hier zu absolvieren. Im Lädchen gibt es Armeeuniformen für Kinder, mit Stacheldrahtaufdruck versehene T-Shirts, Postkarten mit Ansichten unterbrochener Eisenbahnlinien und Medaillen zu den Olympischen Spielen 1988. Zeit verbleibt wenig.

Kontrollierter Besuch

Ohne Unterschrift geht es von hier Richtung Demarkationslinie nicht weiter. »Ich bin mir bewusst, durch eine Handlung des Feindes erschossen werden zu können«, steht auf dem Formular. Nun wird es schon stiller im Raum, und keiner verwechselt diese Tour mehr mit einem Ausflug nach Disney World. In der sogenannten gemeinsamen Sicherheitszone, zu der wir fahren, steht eine blaue Baracke, die besichtigt wird. Exakt die Mitte des Raumes stellt die Grenze zwischen Nord- und Südkorea dar, genauer gesagt, das Mikrofonkabel entlang der Mitte des Tisches. Von 2015 bis 2018 war es auf der nördlichen Seite des Tisches gar eine halbe Stunde früher als auf der südlichen; in dieser Periode galt die Pjöngjanger Zeitzone, die sich von der Japans und Südkoreas unterschied. Darf ich nur den südlichen Teil des Raumes betreten? Nein! Während Besucher von südlicher Seite diese Verhandlungsbaracke betreten, bewachen zwei südkoreanische Soldaten den Ausgang in Richtung Norden. Es darf somit durch den gesamten Raum geschritten werden, gleichwohl wird erwartet, der UN-Flagge auf dem Tisch seinen Respekt zu zollen.

Draußen trennt eine Betonlinie beide Staaten. Mit wenigen Schritten stehe ich im Nordteil der Baracke; die Türe dorthin bleibt nicht nur im übertragenen Sinne verschlossen. Schaue ich zum Fenster hinaus, kann ich genau auf die Grenzlinie schauen. Überschreiten durfte diesen niedrigen Betonsockel, als einer der ganz wenigen Ausländer, US-Präsident Donald Trump und schrieb damit im Juni 2019 Geschichte. Hier stehen sich handverlesene und im Nahkampf trainierte Soldaten gegenüber. Die jungen Männer im Süden tragen unter dem Stahlhelm auch bei Regenwetter ein auffallendes Utensil: die Sonnenbrille. Vor Jahrzehnten wurde hier ein Kampf der Blicke praktiziert. Die Regel: Wer seinen Blick vor dem Soldaten der anderen Seite zuerst senkte, hatte verloren. Bei diesem Wettbewerb gewannen die Volksarmisten im Norden zu häufig, der Augenschutz musste her.

Niemals treffen Touristen von nördlicher und südlicher Seite hier gleichzeitig aufeinander, hinsichtlich der Besichtigungstermine gibt es also einen Modus vivendi. Trotzdem ereigneten sich tragische Vorfälle. Ein Sowjetbürger rannte von nördlicher Seite aus in Richtung Süden, was dem wachhabenden Nordkoreaner nicht entging, der sofort die Waffe auf ihn richtete. Reflexartig riss ein Militär aus dem Süden seine Waffe aus dem Holster, um diese gegen den Soldaten auf nördlicher Seite zu halten – und drückte ab. Der Nordkoreaner starb durch die Hand des Koreaners aus dem Süden, der Ausländer überlebte. In umgekehrter Richtung sprintete der deutsche Arzt Norbert Vollertsen 2001 von südlicher Seite aus in Richtung Norden, wo er wegen seiner Aktivitäten als Menschenrechtler mit einem Einreiseverbot belegt war. Sein Vorhaben endete nach wenigen Metern unblutig, und er darf seitdem Panmunjom weder vom Norden noch vom Süden aus besuchen.

Der Zeitplan ist eng, die Aufforderung, die blaue Baracke unverzüglich zu verlassen, wird als Befehl vorgetragen. Wenige Minuten von hier entfernt erwartet uns eine Aussichtsplattform, auf der der Blick nach Nordkorea frei ist. Das südkoreanische Grenzdorf Daeseong-dong wird gerne als »Freedom Village« bezeichnet. Vor wenigen Jahren versahen die Bauern dort ihren Reisanbau unter der Beschallung von Lobesmusik auf die Partei der Arbeit Koreas, die von der Demokratischen Volksrepublik herübertönte. Das Grenzdorf auf der nördlichen Seite wird hier »Propaganda Village« genannt, es heißt Panmunjom-ri. Wahrlich, eine Miniatur der Teilung in zwei Systeme.

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Banner und Schleifen für die Wiedervereinigung am Sperrzaun der sogenannten Freedom Bridge in Panmunjom (24.6.2006)

Während die Touristen (häufig Verwandte der US-Soldaten in Südkorea) in Richtung Norden knipsen, so als gäbe es kein Morgen mehr, tue ich das Gegenteil. Ich drehe mich als einziger spontan um. Hinter mir flachsen die jungen Soldaten herum. Sie fühlen sich unbeobachtet, ich drücke sofort auf den Auslöser. Vor zehn Minuten standen diese Jungs noch in Habachtstellung neben uns. Wie also sieht der Dienst dieser Eliteeinheiten aus, wenn die Touristen nicht dabei sind, gibt es vielleicht sogar das Undenkbare, Kontakte der verfeindeten Grenztruppen? Jahre später sitze ich in einem mexikanischen Restaurant in Seoul mit einem ehemaligen Angehörigen dieser streng abgeschirmten Einheit gemeinsam am Tisch. Er hatte einem Treffen in Seoul zugestimmt, da er brennend an der seinerzeitigen deutschen Teilung interessiert ist. Ich höre gespannt zu: »Jeder Meter in Panmunjom ist durch diverse Überwachungskameras einsehbar. Jedoch wird nicht jede Stelle ununterbrochen überwacht. Die Kameras sind vielmehr vom Postenführer aus schwenkbar.« Jetzt kommt der Insider auf den Punkt: »Begegnen sich unsere Soldaten und die gegnerischen Soldaten aus dem Norden an den Grenzpfählen, so geben wir in Richtung des Postenturms die Anweisung, einen bestimmten Winkel des Grenzabschnitts zu filmen. Es ist natürlich genau der Abschnitt, in dem sich keine Soldaten aufhalten. Für die Überwachungskameras waren wir in diesem Moment quasi unsichtbar. Mit wenigen Handgriffen wechselten begehrte südkoreanische Zigaretten und seltener nordkoreanischer Schlangenschnaps den Besitzer.« Mutprobe bestanden. Keine besonderen Vorkommnisse zu melden, denn offiziell hat diese Begegnung nie stattgefunden.

Wenn sich solche klandestinen Kurztreffen zutragen, sind die Touristen längst beim Abendessen. In Paju, nördlich von Seoul, gibt es eine Spezialität, die ein Gourmet als Angriff auf seine Geschmacksnerven empfinden muss. Budaejjigae, wörtlich: Armeestützpunktsuppe. Hier vereinen sich seit der Stationierung von US-Truppen der koreanische Kimchieintopf mit Dosenfleisch aus US-Rationen und Hot-dog-Würsten aus der Konserve nach bester Art der Gulaschkanone.

Wenig Beachtung finden die Generäle aus der Schweiz und Schweden, die in Panmunjom die »Neutrale Überwachungskommission« im Süden bilden. Sie versehen ihren Friedensdienst in einem separaten Gebäude. Ein Besuch ist nur mit einer Sondergenehmigung z. B. für Pressevertreter möglich. Auf meine Frage, ob solch ein Dienst, über den keiner spricht und der so gut wie gar nicht wahrnehmbar ist, heute noch Sinn ergibt, erhalte ich in schönem Schweizerdeutsch die knappe Antwort: »Seit wir hier unseren Dienst verrichten, ist kein Krieg ausgebrochen. Das ist Grund genug.« Ja, ein bewaffneter Konflikt kann auch aus Fehleinschätzungen heraus ausgelöst werden, und die beiden neutralen Mächte möchten vermittelnd tätig sein. Doch wo befinden sich die Partner auf der anderen Seite, also die zwei neutralen Staaten auf der nordkoreanischen Seite der gemeinsamen Sicherheitszone? Zu Hause, sozusagen. Pjöngjang sandte die Vertreter der damaligen Volksrepublik Polen und der CSSR zurück, nachdem diese nicht mehr als Verbündete galten.

Opfer des Krieges

Seitenwechsel: Wie sieht ein Besuch des Grenzgebietes von Nordkorea her aus? Die Anfahrt erfolgt über Kaesong. Nach dem Passieren einer beeindruckenden Panzersperre, die jederzeit durch eine kleine Sprengladung auf die Straße aufschlagen kann, steigt ein Armeeangehöriger zu. Die Offiziere der Volksarmee halten ihre Vorträge nüchtern, sachlich mit dem guten alten Zeigestab, ja mit einer deutlich herauszuhörenden Spur von Traurigkeit und Ergriffenheit über die Teilung ihres Landes. Sie sprechen darüber, dass Korea nach der japanischen Kolonialzeit 1945 durch fremde Staaten, also die USA und die UdSSR geteilt wurde. Und zwar nicht, weil Korea am Zweiten Weltkrieg beteiligt war, sondern als Opfer des Krieges. Sie berichten über getrennte Familien, Hungerzeiten und darüber, immer von Großmächten wie China, Japan und Russland als »Krabbe zwischen Walen« eingekreist zu sein.

Derzeit sind es vor allem Touristen aus China, die Panmunjom besuchen. Auf der Nordseite befindet sich – unweit der blauen Verhandlungsbaracken, durch die die Grenze verläuft – ein historisches Gebäude von besonderem Interesse. Das Haus, in dem die Urkunde über den Waffenstillstand unterzeichnet wurde. Ein Souvenirgeschäft gibt es auch im Norden. Angeboten werden Ginsengprodukte, in Korea Insam genannt, in jedweder Darreichungsform: als Tee, Pulver, Creme, Zahnpasta, Sirup und natürlich Schnaps und sogar eine Art Viagra aus der Lebenswurzel. Das Insamhuhn in Kaesong enthält gleich eine ganze Wurzel im Inneren und schmeckt daher leicht bitter, eben ein Gericht für die Gesundheit. So wurde Insam in der fernen Vergangenheit mit Gold aufgewogen und ist auch heute eine Devisenquelle.

Doch was hat es mit Berichten über die Betonmauer an der Grenze auf sich? Nordkorea gibt an, der Süden habe mit 800.000 Tonnen Zement diese Mauer der Teilung errichtet, während der Süden von einer Panzersperre spricht. Die Lautsprecher existieren nicht nur zur Musikbeschallung des Südens. Hier wird dem Grenzbesucher von südkoreanischen Durchsagen berichtet: »Wir hatten heute Nacht eine Frau und du nicht. Komm herüber und du bekommst eine Frau«, sei vom Süden her zu hören, so der Offizier der Volksarmee. Über die Jahre gab es zu dieser Art von Beschallungen der jeweils anderen Seite immer wieder Übereinkommen zu deren Abschaffung, die dann wieder Makulatur wurden, um wieder neu ausgehandelt zu werden.

Das Thema Wiedervereinigung befindet sich derzeit in beiden Teilen Koreas weiter auf der offiziellen Tagesordnung. Die Trennung der Menschen, so die verbreitete Ansicht dies- und jenseits des 38. Breitengrades, ging von anderen Staaten aus, den Betroffenen im Norden und Süden wurde lediglich die Rolle des ungefragten Zuschauers in diesem geopolitischen Stück zugebilligt. Wenn hier einmal ein Friedensvertrag das Waffenstillstandsabkommen ablöst, könnten Besucher in Panmunjom spazierengehen wie am Brandenburger Tor. Ob Japan sich ein starkes, vereintes Korea als Nachbarn wünscht und China an seiner Grenze US-Truppen billigt, ist die Frage, die viel Verhandlungsgeschick bei der Überwindung der Teilung Koreas erfordern wird.

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  • Leserbrief von Achim Lippmann aus Shenzhen/China ( 2. August 2021 um 12:53 Uhr)
    Der Artikel ist interessant, geht aber in einigen Dingen voll daneben. Ja, es ist wahr: am 25. Juni 1950 überschritten Einheiten der Koreanischen Volksarmee die Demarkationslinie, die von der Sowjetunion und den USA entlang des 38. Breitengrades gezogen wurde, und befreiten Seoul innerhalb weniger Stunden. Korea war ein Opfer des Kalten Krieges. Im Süden kämpften seit 1948 Partisanen gegen »Patrioten«, die vorher bereits treu den Japanern gedient hatten. Über hunderttausend koreanische Kommunisten und auch Frauen und Kinder, die man so einstufte, waren vorher im Süden ermordet wurden. An der Demarkationslinie kam es fast täglich zu Kämpfen. Wie man in so einem Klima überrascht werden konnte, ist schwer zu vermitteln. Das ist eines der Märchen, das die Onkels vom südkoreanischen Geheimdienst gern erzählen! Zu den Walen:

    a) China
    Im September 1950 landeten die Amerikaner bei Incheon an einer Stelle, wo die Bedingungen für die Landung extrem ungünstig waren. Die Führung der Koreanischen Volksarmee hatte eine schwerwiegende Fehleinschätzung des Gegners begangen und zahlte dafür mit einem nicht aufzuhaltenden Zerfall der Volksarmee. Die Führung der Volksrepublik China hatte das sehr früh erkannt. Ohne den Einmarsch von Einheiten der Volksbefreiungsarmee ab Oktober 1950 bräuchten wir nicht mehr über die DVR Korea zu reden. Der chinesische »Wal« rettete die Brüder Nordkoreas. Einer der besten chinesischen Generäle, Peng Dehuai, übernahm ab Oktober 1950 das Oberkommando der Vereinten Streitkräfte und drehte den Spieß um. 200.000 Chinesen ließen ihr Leben in diesem Krieg.

    b) Sowjetunion
    Der sowjetische (heute russische) Wal hatte die Koreanische Volksarmee ausgerüstet. Nach der fast kompletten Niederlage im September/Oktober 1950 brachten die koreanischen Kommunisten das Wunder fertig, mehr als eine Million neue Soldaten zu mobilisieren, und die Sowjetunion rüstete diese Soldaten wohl komplett aus. Die Luftstreitkräfte der DVR Korea und der sehr jungen VR China bestanden wohl nahezu komplett aus sowjetischen Kampfflugzeugen. Sowjetische Piloten kämpften (und fielen) am Himmel Koreas. Andere bildeten junge Koreaner und Chinesen im Expresstempo aus. Die Einheiten der VBA Chinas waren wohl hochgradig mit sowjetischen Waffen ausgerüstet worden.

    c) USA
    Ohne das massive Eingreifen der USA gäbe es heute die Republik Korea nicht. Ab August 1950 hielt die Intervention der USA die Einheiten der KVA um Pusan auf. Die Armee des Südens, die nicht gut ausgebildet und schlecht motiviert war, hätte das aus eigener Kraft nicht geschafft. Das ist einer der Punkte, der die Eliten Südkoreas an die USA bindet. Die koreanischen Konzerne – Samsung, Lotte, KIA, Daewoo usw. – entstanden mit enormer Förderung durch die USA. Das hindert diese Eliten daran, die objektiv notwendige Abnabelung von den USA vorzunehmen. Die USA sind weiterhin ein sehr wichtiger Markt für südkoreanische Produkte. Aber China ist bereits jetzt der größte Markt (und das wird sich verstärken. Die Märkte Südkoreas liegen im Westen der Halbinsel. Man braucht den Eisenbahntransit über die DVR Korea).
    Ein weiterer Punkt, der die Abnabelung des Südens bremst, ist die frenetische Angst vor dem Kommunismus. Im Süden ist die Linke trotz Jahrzehnten einer sehr dunklen antikommunistischen Propaganda sehr stark und wird wachsen. Teile der Linken zeigen offen ihre Sympathie für den Norden.

    d) Japan
    Japan war über Jahrhunderte die große Herausforderung Koreas. Japanische Piraten plünderten das Land. Korea war 50 Jahre lang Teil des Japanischen Kaiserreichs. Japanische Soldaten und deren koreanische Schergen fingen Koreaner für die Arbeit in den Kohlengruben Japans (und an anderen sehr gefährlichen Produktionsabschnitten) weg. Zehntausende – oft blutjunge – Koreanerinnen durften den Hormonspiegel der Soldaten des Tennos regulieren. Der Hass auf Japan steckt tief in den Koreanern des Nordens und Süden. In Japan gibt es aber auch eine sehr große koreanische Gemeinschaft, obwohl viele durch Eheschließungen sich auch integrieren.

    Korea wird sich wohl mit zumindest zweien der Wale – China und Russland, kann sein auch drei, wenn Japan mitspielt – in einer Wirtschaftsgemeinschaft wiederfinden. Ob der Norden nach 75 Jahren Trennung in der Wiedervereinigung das wichtigste Ziel sieht, ist sehr offen. China kann dem Norden vielleicht noch viel besser auf die Beine helfen! Und ideologisch steht man sich seit 100 Jahren sehr, sehr nahe. So einfach ist das nicht mit den Walen und Krabben! Die Welt ist komplizierter gestrickt! Soziale und ökologische Herausforderungen stehen in der Wertigkeit über nationalen Belangen!

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