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Aus: Ausgabe vom 31.07.2021, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage
Antifaschismus

»Es hatte seine Nachteile, ein ›Kommunistenkind‹ zu sein«

Über die Erinnerungen der Widerstandskämpferin Katharina Jacob und das Aufwachsen in ihrer Familie während der Nachkriegszeit in der BRD. Ein Gespräch mit Ilse und Katharina Jacob
Interview: Markus Bernhardt
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Bilder aus dem Familienalbum der Widerstandskämpferin Katharina Jacob (links)

Im vergangenen Jahr haben Sie das Buch »Widerstand war mir nicht in die Wiege gelegt« Ihrer Mutter Katharina Jacob, einer bekannten Kommunistin, Widerstandskämpferin und KZ-Überlebenden, veröffentlicht. Sie haben die Aufzeichnungen, die Ihre Mutter in den 1980er Jahren angefertigt hatte, bevor sie am 23. August 1989 in Hamburg verstarb, wo notwendig ergänzt und mit einem sehr persönlichen Nachwort versehen. Warum war es Ihnen wichtig, dieses Buch zu veröffentlichen?

Ilse Jacob: Ich weiß nicht, ob meine Mutter schon eine Veröffentlichung im Kopf hatte, als sie begann, ihre Erinnerungen aufzuschreiben. Ich denke, sie wollte vor allem ihren Enkelinnen und Enkeln mit auf den Weg geben: Findet euch mit Unrecht nicht ab. Ein Schüler, in dessen Klasse meine Mutter von ihrem Leben in der Nazizeit erzählt hatte, schrieb ihr: »Sie haben zwar gesagt, dass Sie nur eine kleine Rolle gespielt haben, aber ohne die Kleinen hätten die Großen auch nichts machen können.« Genau das zu vermitteln, ist mir auch wichtig, und ich denke, dass die Erinnerungen meiner Mutter dabei helfen können.

Katharina, ist es eigentlich Zufall, dass Sie den gleichen Vornamen wie Ihre Großmutter tragen?

Katharina Jacob: Nein, das ist sicherlich kein Zufall. Als ich Kind war, haben wir quasi zusammengewohnt, und ich habe mich am Telefon immer mit »Katharina Jacob, die Kleine« gemeldet, damit die Anrufenden uns nicht verwechseln. Auch heute noch passiert es mir immer wieder mal, dass Leute aufgrund meines Namens eine Verbindung zu meiner Großmutter herstellen, das freut mich immer sehr.

Das Buch zeichnet den Weg Ihrer Großmutter detailliert nach. Nach der Lektüre dachte ich, dass ein Leben eigentlich zu kurz sei für diese Fülle an Erlebnissen und Erfahrungen. War Ihnen das Leben und politische Wirken Ihrer Oma vor Erscheinen des Buches in seinem ganzen Ausmaß bekannt?

K. J.: In ihren Erinnerungen, die dem Buch zugrunde liegen, schreibt meine Großmutter auch über viele Details ihres Lebens, die in ihren anderen Berichten oder Erzählungen über die Nazizeit und den Widerstand häufig nicht so eine Rolle spielen, da war auch für mich viel Neues dabei. Wie sie über ihr Aufwachsen in armen Verhältnissen schreibt, aber auch, wie sich dort Solidarität und Freundschaft entwickeln, hat mich sehr beeindruckt und bewegt.

Ilse, Ihre Mutter wurde am 6. März 1907 als Katharina Emmermann in Köln geboren und engagierte sich bereits seit früher Jugend in der Gewerkschaftsbewegung. Sie war außerdem aktiv in der Jugendgruppe »Florian Geyer« beim Kommunistischen Jugendverband (KJVD) und wurde 1928 Mitglied der KPD. Warum begann das politische Engagement Ihrer Mutter schon so früh? Was trieb sie um?

I. J.: Die Frage klingt für mich so, als sei ihr Weg in die kommunistische Jugend ein ganz selbstverständlicher Weg gewesen. So einfach war es aber nicht. Meine Mutter ist in einer Kölner Arbeiterfamilie aufgewachsen. Ihr Vater war Schlosser, die beiden Brüder ebenfalls, die Mutter verdiente gelegentlich durch Heimarbeit dazu. In der Schule lernte meine Mutter auch Mädchen kennen, die aus besseren sozialen Verhältnissen kamen, Mädchen die – so schreibt meine Mutter – sogar ein eigenes Bett hatten. Während sie eine Ausbildung zur Kontoristin machte, begann sie, Veranstaltungen der Evangelischen Jugend zu besuchen. Im selben Haus tagte der Jugendverband des Gewerkschaftsbunds der Angestellten. Sie wurde dort Mitglied und blieb es, bis er wegen linker Tendenzen aufgelöst wurde. Daraufhin gründeten die Jugendlichen eine eigene Jugendgruppe, die sich »Wanderbund Florian Geyer« nannte. Für meine Mutter war die Florian-Geyer-Zeit eine ganz entscheidende; nicht nur, weil dort ihre Liebe zu Walter Hochmuth begann, sondern weil die Diskussionen über »Gott und die Welt« ihren weiteren Weg prägten, der sie 1926 in den KJVD führte.

Ihre Mutter war in erster Ehe mit Walter Hochmuth verheiratet, der 1931 als Abgeordneter der KPD in die Hamburgische Bürgerschaft gewählt wurde und nach der Machtübertragung an die Nazis untertauchen musste. Wie ging Ihre Mutter mit der Verfolgung durch die Faschisten um? Auch sie wurde ja mehrfach von den Nazis inhaftiert.

I. J.: Meine Mutter beschreibt die Situation in den ersten Monaten des Jahres 1933 mit den Worten: Wir waren vorsichtig, aber nicht ängstlich. Die Angst kam erst später, als ihnen die nackte Brutalität der Faschisten bekanntwurde. Am Tag nach der Reichstagswahl 1933 fand die erste Haussuchung in ihrer Wohnung statt. Auf die Frage des Gestapo-Beamten, wo denn der Papa sei, antwortete ihre zweijährige Tochter Ursel: »Alle weg, such mal.« Für diese Antwort war meine Mutter ihr ewig dankbar.

Im Juli 1933 wurde meine Mutter zum ersten Mal verhaftet, kam aber im November wieder frei. Bis zum Prozessbeginn im Dezember 1934 wurde sie noch einige Male verhaftet, kam ins Konzentrationslager Fuhlsbüttel oder ins Untersuchungsgefängnis; in ihrem Prozess wurde sie wegen ihrer Tätigkeit für die illegale KPD zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und kam in das Frauengefängnis Lübeck-Lauerhof.

Waren die Verfolgung und das notwendige Untertauchen von Walther Hochmuth auch der Grund, warum die Ehe zwischen ihm und Ihrer Mutter scheiterte und 1939 geschieden wurde?

I. J.: Das Untertauchen und die Flucht nach Dänemark waren sicher ein Grund für das Scheitern ihrer Ehe mit Walter Hochmuth, aber in ihrer Ehe hatte es schon 1933 gekriselt. Meine Mutter führte es u. a. darauf zurück, dass sie sich seit der Geburt meiner Schwester Ursel im Februar 1931, der Aufgabe ihrer Berufstätigkeit und ihrem Dasein als Hausfrau und Mutter vom eigentlichen Leben abgeschnitten fühlte.

Als die Ehe 1939 geschieden wurde, wusste meine Mutter, dass Walter Hochmuth mit einer anderen Frau und einem zweiten Kind in Belgien lebte. Sie hat ihn aber, als er 1944 in Hamburg im Gefängnis saß, noch mehrmals zusammen mit Ursel besuchen können.

Katharina, Ihre Oma heiratete 1941 den Kommunisten Franz Jacob, der von 1933 an von den Nazis im KZ Sachsenhausen interniert worden war und erst im September 1940 nach Hamburg zurückkehrte. Gemeinsam mit weiteren Mitstreitern bauten Katharina und Franz die Bästlein-Jacob-Abshagen-Gruppe und damit die größte Widerstandsgruppe im norddeutschen Raum auf. Was wissen Sie über die damalige Zeit und das Leben Ihrer Großeltern?

K. J.: Es ist tatsächlich schwer vorstellbar, wie ein Leben und ein Alltag in dieser Zeit ausgesehen haben kann. Als Teil der Gruppe tippt sie u. a. Flugblätter, besorgt Quartiere für Untergetauchte und sammelt Geld und Lebensmittelmarken in Hamburg. Ständig unter der Gefahr, aufzufliegen oder sich auf die falschen Personen zu verlassen. Gleichzeitig musste aber ja auch noch Geld verdient werden, ein Kind großgezogen und der ganz normale komplizierte Alltag unter der Nazidiktatur bewältigt werden. Dann auch noch eine neue Beziehung aufzubauen und ein weiteres Kind zu bekommen – es ist aus heutiger Sicht wirklich schwer zu ermessen, woher sie die Kräfte dafür genommen hat.

Gemeinsam mit Bernhard Bästlein und Anton Saefkow war Ihr Vater Franz Jacob in Berlin an der Entwicklung einer weiteren Widerstandsgruppe beteiligt, die 1944 auch Kontakt zu den Verschwörern des 20. Juli um Claus Schenk Graf von Stauffenberg und Julius Leber hatte. Da sich in den Reihen der Kommunisten ein Spitzel befand, gelang es der Gestapo, Ihren Vater am 4. Juli 1944 festzunehmen. Bereits am 18. September wurde er im Zuchthaus Brandenburg von den Faschisten hingerichtet. Ihre Mutter wurde nur zwei Tage nach der Verhaftung ihres Mannes ein drittes Mal festgenommen, am 20. September 1944 jedoch aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Trotzdem wurde sie von der Gestapo ins Konzentrationslager Ravensbrück verbracht, wo sie am 30. April 1945 von der Roten Armee befreit wurde. Wissen Sie etwas darüber, wie es Ihrer Mutter in dieser Zeit ergangen ist und wann sie von der Ermordung ihres Mannes erfuhr?

I. J.: Als meine Mutter am 20. September in ihrem Prozess vor dem Volksgerichtshof wegen Mangels an Beweisen freigesprochen wurde und im Gefängnis auf ihre Entlassung wartete, wurde ihr der letzte Brief meines Vaters ausgehändigt. Diesen Brief musste sie bei ihrer Ankunft in Ravensbrück abgeben. Sie hatte ihn aber auswendig gelernt, deshalb konnte er später veröffentlicht werden.

Dass sie trotz Freispruchs ins KZ kam, ist angesichts der Urteilsbegründung nicht unverständlich, denn darin wird sie als »immer noch hinter der Fahne Moskaus stehende Frau« charakterisiert.

In Ravensbrück erhielt sie die Häftlingsnummer 84.498 und den roten Winkel der politischen Gefangenen und wurde in der Nacht zum 1. Mai 1945 von der Roten Armee befreit. Sie hat ihr Leben im KZ Ravensbrück sehr eindringlich in ihren Erinnerungen geschildert. Das sollte man in ihrem Buch nachlesen.

Katharina, hat Ihre Großmutter mit Ihnen über ihre Erfahrungen während der Haft und zur Zeit ihrer Internierung im KZ Ravensbrück gesprochen?

K. J.: Nein, das hat sie nicht. Als sie 1989 starb, war ich zwölf Jahre alt, mein Bruder neun, vielleicht waren wir einfach zu jung. Zu Hause war sie einfach unsere Oma. Aber trotzdem war uns ihre Geschichte bewusst und präsent. Wir waren oft bei Veranstaltungen und Demos dabei, auf denen sie geredet hat oder bei denen über sie berichtet wurde. Den Respekt und die Hochachtung, mit der ihr die Menschen dort begegnet sind, habe ich noch in Erinnerung.

Ihre Großmutter war eine ausgesprochen gerechte, starke und mutige Frau. Können Sie sich erklären, woher man die Kraft nimmt, sich trotz dieser schlimmen Erfahrungen auch nach der eigenen Befreiung weiterhin in diesem Ausmaß politisch zu engagieren?

K. J.: Über die Zeit direkt nach der Befreiung weiß ich recht wenig. Ich denke, dass auch die stärksten und mutigsten Menschen erst einmal eine Zeit brauchten, um wieder zu Kräften zu kommen. Aber es wurde ja recht schnell deutlich, dass sich in der BRD nicht auf einmal alles zum Guten wandelte. Ihr Widerstand während der Nazizeit war ja aus der Notwendigkeit der politischen Lage geboren, aber eigentlich nicht der ursprüngliche Anlass ihres politischen Handelns. An ihren Überzeugungen und Idealen hatte sich nichts geändert. Schon vorher, und dann eben auch nach der Nazizeit, kämpfte sie für eine bessere, sozialistische Welt.

Ich denke, dass die alten Freundinnen und Freunde, Kameradinnen und der Zusammenhalt der Überlebenden eine wichtige Quelle der Kraft waren für das Weiterleben und das Sich-weiter-Engagieren. Vor allem auch als sich herausstellte, dass sich die BRD nicht in die Richtung entwickelte, für die man gekämpft hatte. Vielleicht war es auch das Gefühl, dass man weitermachen musste, damit der Kampf und das Leid der Ermordeten nicht umsonst waren. Auch eine Trotzreaktion: jetzt erst recht.

Ist das Wirken von Frauen im Widerstand gegen das Naziregime vielleicht noch immer zu wenig erforscht, oder wird es unterschätzt?

I. J.: Ich denke, beides trifft zu. Aber Frauen haben auch oft ihren eigenen Anteil unterschätzt. Als meine Mutter aufgefordert wurde, über ihren Widerstand zu berichten – ich glaube, es war in den 70ern – hat sie erst einmal geantwortet, sie habe doch nichts Besonderes zu erzählen.

Ihre Mutter arbeitete nach der Befreiung vom Faschismus als Lehrerin in Hamburg. Wie hat sie das Leben in der jungen Bundesrepublik wahrgenommen, und wie ist sie mit staatlichem Antikommunismus und Verfolgungsfuror umgegangen?

I. J.: Meine Mutter konnte nach der Befreiung nach einem einjährigen Lehrgang seit 1948 als Lehrerin arbeiten. Als ihr Schulleiter sie 1950 über einen Kollegen fragen ließ, ob sie Mitglied der KPD oder nur mit dem Herzen Kommunistin sei, antwortete sie, sie sei es nicht nur mit dem Herzen. Meine Mutter vermutete, der Schulleiter habe ihr eine Brücke bauen wollen, aber sie hat das Angebot nicht annehmen können. »Ich hätte vor mir und meinen Kindern, vor meinen lebenden und toten Kameraden nicht bestehen können«, ließ sie ihm ausrichten.

Ich habe lange gedacht, meine Mutter sei erst als Rentnerin öffentlich in Erscheinung getreten. Dann habe ich festgestellt, dass das so nicht stimmt. Zu Beginn war es nicht die »große« Öffentlichkeit wie später in den 80er Jahren, wo sie z. B. 1981 bei der Friedenskundgebung der 300.000 in Bonn gesprochen hat. Aber sie begann schon in den 70er Jahren, in Schulen und Jugendgruppen von ihrem Leben und ihrem Kampf in der Nazizeit zu berichten. Dass es seit 1966 eine »Lagergemeinschaft Ravensbrück« in der Bundesrepublik gab, war auch ihr mitzuverdanken, ebenso dass es den »Ehrenhain Hamburger Widerstandskämpfer« auf dem Ohlsdorfer Friedhof heute noch gibt. Bedauert hat sie aber immer, dass die Mutter von Franz Jacob nie erleben konnte, dass er für seinen Kampf offiziell gewürdigt wurde.

Hatte all das auch Auswirkungen auf Ihren politischen Werdegang?

I. J.: Natürlich hat es meinen Werdegang beeinflusst. Ich war als Kind ohne Vater kein Einzelfall – viele Väter waren ja im Krieg gefallen –, aber ich habe gespürt, dass da irgend etwas anders war. Es hatte schon seine Nachteile ein »Kommunistenkind« zu sein, beispielsweise erhielt ich eine geringere Waisenrente als Kinder von Angehörigen des 20. Juli. Ich habe in meiner eigenen Schulzeit eine ganze Reihe von politischen Auseinandersetzungen gehabt, beispielsweise über Luther und den deutschen Bauernkrieg, bin aber nie in solche Auseinandersetzungen gedrängt worden. Ich hatte allerdings immer die Unterstützung meiner Mutter und Schwester, wenn ich es wünschte.

Das war auch so, als 1972 gegen mich ein Berufsverbotsverfahren als Lehrerin eingeleitet wurde. In dem Verfassungsschutzdossier, das mir vorgelegt wurde, wurden als Erkenntnisse u. a. neben der Mitgliedschaft in KPD und DKP Reisen in die DDR genannt und drei Punkte, die die antifaschistische Tradition unserer Familie betrafen: 1961 Teilnahme am Bundeskongress der VVN, 1969 Zustimmung zur Erklärung gegen die Einführung der Vorbeugehaft, 1969 Unterzeichnung eines Aufrufs für eine Anti-NPD-Kundgebung. Ich böte also nicht die Gewähr, jederzeit für die freiheitlich-demokratische Grundordnung im Sinne des Grundgesetzes einzutreten. Unsere Empörung war natürlich groß, aber auch die vieler anderer Menschen. Der Protest war so groß, dass der Hamburger Senat schließlich gezwungen war, die Entlassung zurückzunehmen.

Am 10. Juli verstarb in Hamburg mit Esther Bejarano eine der letzten noch lebenden Zeitzeuginnen. Sie war Überlebende von Auschwitz und Ravensbrück, Vorsitzende des Auschwitz-Komitees und Ehrenvorsitzende der VVN-BdA. Wie kann das Andenken an Esther Bejarano, aber auch an Ihre Mutter bzw. Großmutter Katharina und all die anderen aufrechterhalten werden? Was erwarten Sie diesbezüglich von der etablierten Politik?

K. J.: Viele etablierte Politiker haben sich ja nach dem Tod von Esther geäußert und sie gewürdigt. Das ist gut und wichtig. Aber ich erwarte, dass sie sie nicht nur als eine beeindruckende Frau und Kämpferin feiern, sondern sich wirklich mit ihren Forderungen und Haltungen auseinandersetzen, zum Beispiel zur deutschen Asylpolitik, zur Palästina-Frage oder zur Forderung, den 8. Mai zum gesetzlichen Feiertag zu machen. Andenken kann nicht heißen, sie oder meine Großmutter nur als historische Personen zu sehen, die Großes geleistet haben, sondern ihre politischen Haltungen und Beweggründe auf das Heute zu übertragen.

Wagen Sie eine Prognose: Was wären politische Herausforderungen, die Ihre Mutter heutzutage anpacken wollte?

I. J.: Meine Mutter hat Esther Bejarano nicht in Ravensbrück, sondern erst in Hamburg kennengelernt, aber ich denke, ihre Forderungen und Wünsche wären sehr ähnlich gewesen: Macht endlich ein Ende mit Rassismus, Antisemitismus, Kriegstreiberei, und seid auf der Hut! Mit Brechts Worten: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch!

Ilse Jacob, geboren am 9. November 1942, war bis zu ihrer Pensionierung Lehrerin an einer Hamburger Gesamtschule, eine der Landessprecherinnen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) Hamburg und arbeitete in der DKP Hamburg-Nord mit. Aktuell hält sie häufig Lesungen aus dem Buch ihrer Mutter »Widerstand war mir nicht in die Wiege gelegt«.

Katharina Jacob, Jahrgang 1977, Tochter von Ilse und Enkelin der Widerstandskämpferin Katharina Jacob ist vor allem in der Frauen- und Lesbenbewegung aktiv.

Katharina Jacob: Widerstand war mir nicht in die Wiege gelegt. Galerie der abseitigen Künste, Hamburg 2020, 248 Seiten, 21,90 Euro

Hans Coppi/Stefan Heinz (Hrsg.): Der vergessene Widerstand der Arbeiter. Gewerkschafter, Kommunisten, Sozialdemokraten, Trotzkisten, Anarchisten und Zwangsarbeiter. Dietz-Verlag, Berlin 2012

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