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Aus: Ausgabe vom 31.07.2021, Seite 8 / Inland
Neues Gasterminal in Brunsbüttel

»Die Konsequenzen werden uns alle betreffen«

In BRD sollen neue Flüssiggasterminals entstehen. Proteste fordern Abkehr. Ein Gespräch mit Elia Nejem und Esteban Servat
Interview: Teresa Falk
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Europaweit wurden bereits seit längerem Kapazitäten zur Lagerung des fossilien Rohstoffes aufgebaut: Arbeiten an einem Terminal in Polen (Swinoujscie, 28.6.2012)

Zahlreiche Klimaaktivistinnen und -aktivisten finden sich derzeit in Brunsbüttel ein und protestieren gegen das dort geplante Terminal für Flüssigerdgas. Es soll auch Gas importiert werden, welches von europäischen Konzernen in Lateinamerika gewonnen wird. Welche Firmen sind dort besonders aktiv?

Esteban Servat: Der größte Player ist Wintershall DEA, neben Total aus Frankreich, BP aus England und vielen weiteren. Fracking macht bereits jetzt etwa die Hälfte der globalen Methanemissionen aus. Das wird nicht berücksichtigt im Klimaplan der Europäischen Union. Der Ausstoß des vorauszuberechnenden Aufkommens, das alleine von Europas Flüssiggasimporten verursacht werden wird, übersteigt den Schaden durch den Kohleabbau bei weitem. Die Konsequenzen werden uns alle betreffen – anders als der Kolonialismus der Vergangenheit. Schon jetzt leiden Bewohner entsprechender Regionen unter gesundheitlichen Problemen wie schweren Atemwegserkrankungen.

Elia Nejem: Was die Menschen in den von der Flutkatastrophe in Westdeutschland betroffenen Gebieten mitmachen mussten, ist im globalen Süden leider schon länger bittere Realität. Dürren, Hitzewellen, der Anstieg des Meeresspiegels und Stürme machen den Menschen zu schaffen. Das unaufhaltsame Voranschreiten der Klimakrise, die schon heute weltweit Menschenleben fordert, ist auch eine Folge des Ausbaus der Erdgasinfrastruktur. Es werden wieder mal die Interessen profitorientierter, fossiler Konzerne geschützt. In Deutschland sind zwei solcher Terminals geplant, neben Brunsbüttel auch in Stade. Diese Pläne wurden auch mit Stimmen der Grünen verabschiedet.

Im September finden hierzulande mehrere Wahlen statt. Hat »Ende Gelände« den Parteien etwas auszurichten?

E. N.: Nein, und wir sehen ohnehin, dass Demonstrationen sowie Bitten alleine wenig gebracht haben. Die Politik ist sich der Tatsachen bewusst. Wir wissen: Es ist hauptsächlich die Industrie des globalen Nordens, die die Treibhausgasemissionen verursacht, weil sie davon profitiert. Dagegen machen wir klar: Wir sind das Investitionsrisiko.

Als Klimaschutzbewegung müssen wir zu mehr Aktionsformen kommen, auf breiter Basis sowie gegen die Fortsetzung des europäischen Kolonialismus. Blockadeaktionen können da ein effektives Mittel sein. Neben dem zivilen Widerstand gibt es in vielen Orten regionale Gruppen, denen sich Menschen anschließen können, auch außerhalb von Social Media. Unser Protest in Brunsbüttel ist nur eine Aktion von weiteren, die wir noch in diesem Jahr vorhaben.

E. S.: Wir wissen auch: Alleine die Provinz Vaca Muerta im Becken von Neuquén in Argentinien – der Größe Belgiens vergleichbar – hat das Potential einer globalen Methan- und Karbonbombe. Sie alleine wird 15 Prozent des verbleibenden CO2-Budgets ausmachen.

Als argentinischer Wissenschaftler leben Sie mittlerweile im Berliner Exil. Welche Erfahrung haben Sie mit Fracking in Argentinien?

E. S.: Ich bin Biologe und entschied mich nach zehn Jahren in den USA wieder zurückzukehren. In der Provinz Mendoza im Westen Argentiniens konnte ich eine ökologischere Gemeinschaft aufbauen. Die Gegend ist bekannt für Weinanbau und seine Landschaft. Es gab dort auch eine lange Tradition des Kampfes der Bevölkerung um Trinkwasser. Nach politisch friedvollen Jahren wurde jedoch entdeckt, dass wir auf einem der größten Erdgasvorkommen weltweit sitzen. Sofort wurde das Land ausverkauft an multinationale Konzerne.

Mir wurden schließlich Dokumente zugespielt. Eine Universität hatte die Möglichkeiten lokalen Frackings untersucht und kam zu dem Schluss: Es birgt erhebliche Gefahren für das Land und das Trinkwasser. Das habe ich zusammen mit anderen auf unserem Projekt »Ecoleaks« veröffentlicht, in Anlehnung an Wikileaks. Danach wurde unsere Gemeinschaft in Mendoza mehrmals bedroht und mit Klagen überzogen, bis hin zu Todesdrohungen gegen mich.

Elia Nejem ist aktiv im Klimaschutzbündnis »Ende Gelände«. Esteban Servat ist argentinischer Wissenschaftler und lebt in Berlin

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