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Aus: Ausgabe vom 31.07.2021, Seite 6 / Ausland
Westbank

Tödliche Besatzung

Mehrere Palästinenser in vergangenen Tagen von israelischen Soldaten im Westjordanland erschossen. Darunter ein Elfjähriger
Von Gerrit Hoekman
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Trauerfeier für eines von mehreren Todesopfern in den vergangenen Tagen, Mohammed Al-Tamimi, in Ramallah am 23. Juli

In der Nacht zu Freitag ist es laut der palästinensischen Nachrichtenagentur Maan im Dorf Beita im Westjordanland zu schweren Auseinandersetzungen mit der israelischen Armee gekommen. Nachdem am Dienstag ein 41jähriger von einem Soldaten der Besatzungsarmee erschossen worden war, forderte die Menge die Herausgabe seiner Leiche. Die israelische Armee setzte Tränengas und Gummigeschosse ein. 36 Menschen wurden nach Angaben des Roten Halbmondes verletzt.

Nur wenige Stunden zuvor war es bereits zu Auseinandersetzungen in Beit Ummar nahe Al-Chalil (Hebron) gekommen, bei denen der 20 Jahre alte Shaukat Khaled Awad von der israelischen Polizei erschossen wurde. »Er starb an Schusswunden in Kopf und Bauch«, zitierte der TV-Sender Al-Dschasira am Donnerstag das palästinensische Gesundheitsministerium in Ramallah. Der Rote Halbmond berichtete gegenüber der Nachrichtenagentur WAFA, elf weitere Personen seien durch scharfe Munition und zahlreiche andere durch Gummigeschosse verletzt worden.

Anlass war die Beisetzung eines tags zuvor getöteten elfjährigen Jungen. Am Mittwoch nachmittag hatten israelische Soldaten am Ortseingang von Beit Ummar das Feuer auf ein Auto eröffnet, in dem Muayed Al-Alami mit seinem ältesten Sohn Mohammed und einer jüngeren Tochter saß. Der Junge wurde in die Brust getroffen und verstarb am Abend im Krankenhaus in Al-Chalil.

Die genauen Umstände sind indessen weiter unklar. Reuters zitierte am Mittwoch eine Erklärung der israelischen Armee, laut der die Soldaten den Wagen hätten anhalten wollen, weil sie glaubten, dessen Insassen seien zuvor an »verdächtigen Aktivitäten« beteiligt gewesen. Nachdem der Fahrer auf Zuruf und selbst nach Warnschüssen in die Luft nicht angehalten habe, habe ein Soldat auf die Reifen gefeuert. Laut Armee seien in dem Fahrzeug Personen vermutet worden, die einige Zeit zuvor in der Nähe von Beit Ummar dabei beobachtet worden seien, wie sie etwas im Boden vergruben. Bei der Öffnung der Grube habe das Militär dann in einem Plastikbeutel die Leiche eines neugeborenen Babys gefunden.

Nasri Sabarna, der Bürgermeister von Beit Ummar, bestätigte gegenüber WAFA, dass eine Familie aus dem Dorf am Mittwoch ihre totgeborene Tochter beigesetzt habe. Truppen »stürmten den Friedhof und öffneten das Grab Stunden nach ihrer Beerdigung«, so der Bürgermeister. Beit Ummar gehört zu den beiden Zonen auf der Westbank, in denen die israelische Armee Polizeigewalt besitzt. Dorfbewohner erklärten gegenüber der israelischen Tageszeitung ­Haaretz, dass für Totgeborene ein kleines Grundstück außerhalb des eigentlichen Friedhofs vorgesehen ist. Die Begräbnisse finden normalerweise ohne große Zeremonie statt. Offenbar ein normaler Vorgang, weil die allermeisten Kinder auf der Westbank nicht in der Klinik, sondern zu Hause geboren werden. Ein Augenzeuge erinnerte sich bei Haaretz, dass kurz nachdem die Soldaten die Leiche des Babys exhumiert hatten, der Vater mit seinen beiden Kindern die Straße befahren habe, die zu dem Grundstück führt. Als er die israelischen Soldaten bemerkte, habe er gewendet und sei zurückgefahren. Dann hätten drei Soldaten auf das Fahrzeug geschossen.

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