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Aus: Ausgabe vom 30.07.2021, Seite 16 / Sport
Beim Fananwalt

Welcher Briefkasten?

Von René Lau
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Ein Problem, das bleibt: Stadionverbot

Mit Ausnahme der Bundesliga rollt der Ball in den oberen Ligen wieder. Zuschauer sind auch im Stadion, alles fühlt sich nach Fußball mit Emotionen an. Thema für viele ist und bleibt gleichwohl das Stadionverbot. Vor einiger Zeit kam ein Fan zu mir, er hatte ein Strafverfahren am Hals, der Vorwurf lautete Hausfriedensbruch: Er war trotz Stadionverbots bei einem Auswärtsspiel seines Lieblingsvereins gewesen, Zivilbeamte hatten ihn erkannt.

Erstaunlich, denn er selbst wusste nichts von dem Verbot. Ihm war nie ein entsprechendes Schriftstück zugesandt worden. Ich nahm Akteneinsicht. Ein Zivilbeamter behauptete, er selbst habe das Stadionverbot im Auftrag des Vereins »ausgesprochen« und in den entsprechenden Briefkasten geworfen. Mein Mandant erzählte mir, das Haus, in dem er wohne, habe überhaupt keine Briefkästen, Postboten würfen die Post durch den Briefschlitz in der Wohnungstür.

Der Zivilbeamte auch? In der Hauptverhandlung wartete ich gespannt auf seine Zeugenaussage. Auf die örtlichen Verhältnissen meines Mandanten angesprochen, blieb er tatsächlich stur bei seiner Aussage, er habe den Schrieb in den Briefkasten im Hausflur gesteckt. Ich legte Fotos des Hausflurs vor. Kein Briefkasten, klar. Langsam wurde es peinlich für die Staatsanwaltschaft. Egal: Der Polizeibeamte blieb bei seiner Behauptung. Ich wedelte mit weiteren Beweisanträgen. Für die Staatsanwaltschaft wurde es noch ein bisschen peinlicher, das Gericht war genervt. Da es für einen Freispruch einer weiteren Beweisaufnahme mit neuem Termin bedurft hätte, stimmte mein Mandant der Einstellung des Verfahrens zu. Kosten in vollem Umfang bei der Staatskasse.

Dass Polizeizeugen es nicht immer mit der Wahrheit haben, ist bekannt. Umso wichtiger ist eine vernünftige Vorbereitung des Anwalts. Oder etwas pathetischer: Auch wenn die Lage aussichtslos erscheint, kämpfen lohnt immer.

»Sport frei!« vom Fananwalt.

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