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Aus: Ausgabe vom 28.07.2021, Seite 10 / Feuilleton

Fischer, Winterstein

Von Jegor Jublimov
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Veronika Fischer bei einer Aufnahme im Tonstudio (Berlin/DDR, 1974)

»Ich bin die Fischer, und das ist die Band«, lautete das Auftrittslied der liebevoll »Vroni« genannten Veronika Fischer in den siebziger Jahren. Die Thüringerin, die an diesem Mittwoch 70 wird, entwickelte mit ihren Komponisten Franz Bartsch, Thomas Natschinski und Reinhard Lakomy einen ganz eigenen Sound, mit dem sie zum Publikumsliebling der DDR und zur Plattenmillionärin wurde. Nachdem sie die Republik 1981 verlassen hatte, fielen ihre Erfolge kleiner aus, aber sie behauptete sich doch, als ihr ihre Fans nach 1990 die Treue hielten.

Er stand noch an der Schwelle zur Weltraumfahrt und wäre am Sonntag 150 Jahre alt geworden. Eduard von Winterstein, in späten Jahren DDR-Nationalpreisträger, spielte seine letzte Filmrolle 1960 in dem Science-Fiction-Film »Der schweigende Stern«. Wenn er das gemischte Raumfahrerteam zum Start zur Venus verabschiedet, mahnt er als Kernphysiker, die Entdeckung anderer Planeten nur zu friedlichen Zwecken zu nutzen. Das war seine Berufung in reifen Jahren. »Ich habe viel Wandlungen erlebt: unter drei Kaisern, dem Ersten Weltkrieg, der Pseudodemokratie des zweiten Reiches, der Weimarer Republik, den fürchterlichen zwölf Jahren des Nationalsozialismus und den durch ihn hervorgerufenen völligen Zusammenbruch des Deutschen Reiches, bis ich mich aufatmend aus freiem Entschluss und Willen dem neuen fortschrittlichen Geist anschloss und mich jetzt mit Stolz einen Bürger der Deutschen Demokratischen Republik nenne und dies aus Einsicht, Gründen, Wahl des Besseren«, bekannte er.

Der in Wien als Freiherr von Wangenheim geborene Gutsbesitzersohn durfte seine Familie nicht besudeln, als er zur Bühne ging, und nannte sich Winterstein. In einem frühen Engagement gab er in Annaberg-Buchholz 1893 bei Eröffnung des Theaters den Egmont. Daher erhielt das Haus vor 40 Jahren den Beinamen Eduard-von-Winterstein-Theater. Doch das scheint heute eher lästig zu sein. Zum 150. Geburtstag des Namensgebers ist keinerlei Ehrung geplant.

In einem Lexikon von 1903 steht Winterstein mit der Einschätzung: »Mit dem ganzen Aufgebot einer erquickenden Nonchalance stellt er seine Liebhaber und Chargen mit seltener Frische und Ursprünglichkeit hin, ohne viel für die äußere Erscheinung zu tun, häufig sogar mit Vermeidung von Schminke …« Das war damals tatsächlich Avantgarde. Winterstein war in Berlin am Deutschen Theater ein Vertreter des Naturalismus in Stücken von Ibsen, Hauptmann oder Gorki. Er war sich auch nicht zu schade, ab 1910 beim noch verpönten Film mitzumachen, und wurde bald unter der Regie von Ernst Lubitsch, Fritz Lang und Friedrich Wilhelm Murnau ein gefragter Filmschauspieler. Nach 1933 blieb er präsent, durfte aber keine Hauptrollen übernehmen, weil sein Sohn Gustav von Wangenheim als Kommunist von Moskau aus gegen die Nazis agitierte.

Um so befreiender war es, als Winterstein nach 1945 wieder bei Theater (als »Nathan«) und Film (»Die Sonnenbrucks«, »Das verurteilte Dorf«, »Genesung«) seine humanistische Botschaft vertreten konnte.

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