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Aus: Ausgabe vom 28.07.2021, Seite 6 / Ausland
Ungleichheit und Pandemie

Auf Kosten der Armen

In Ländern des globalen Südens wütet Coronapandemie wie nie. Derweil feiert EU Impferfolge
Von Frederic Schnatterer
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Eine Frau in Mumbai bastelt Blumenketten. Hinter ihr die »Helden der Pandemie« (Mumbai, 27.7.2021)

Während die Impfkampagne gegen das Coronavirus in den Ländern des globalen Nordens vorangeht, wütet die Pandemie in Ländern mit wenig Einkommen wie nie. Das geht aus einer Rede des UN-Nothilfekoordinators Ramesh Rajasingham hervor, aus der die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) am Montag (Ortszeit) zitierte. Demnach seien arme Länder in diesem Jahr viel härter von der Pandemie betroffen als im vergangenen.

Wie Rajasingham bei einer nichtöffentlichen Sitzung des UN-Sicherheitsrats in New York erklärte, zeigen das die im Vergleich zu 2020 weitaus höheren Zahlen an nachgewiesenen Coronainfektionen sowie die wachsende Anzahl derjenigen, die mit oder an dem Virus sterben. Demnach verzeichneten drei Viertel der Staaten, die auf »humanitäre Hilfe« angewiesen seien, in diesem Jahr bereits mehr Fälle sowie Tote als im gesamten vergangenen Jahr. »Die Pandemie nimmt derzeit zwei unterschiedliche Wege – einen in der reichen und einen in der armen Welt –, die durch drastische Unterschiede bei der Verfügbarkeit von Impfstoffen, den Infektionsraten sowie der Möglichkeit, politische Unterstützung zu leisten, gekennzeichnet sind«, so Rajassingham in seiner Rede. Die Pandemie sei also »noch lange nicht vorbei«, vielmehr befinde sie sich »in einer der gefährlichsten Perioden für die ärmsten Menschen auf unserem Planeten«.

Unterdessen meldete am Dienstag EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, dass in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union mittlerweile 70 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal geimpft sind. 57 Prozent der Volljährigen haben demnach sogar schon den vollen Impfschutz. Obwohl damit das im Frühjahr von Brüssel ausgegebene Etappenziel erreicht wurde, stellen die angegebenen 70 Prozent nur einen Mittelwert dar, wie Gesundheitskommissarin Stella Kyriakis ebenfalls am Dienstag erklärte. Beispielsweise liegen demnach Rumänien oder Lettland mit Impfquoten von unter 50 Prozent deutlich hinter anderen EU-Staaten zurück.

Angesichts der Erfolgsmeldung zitierte die Nachrichtenagentur dpa von der Leyen am Dienstag mit den Worten: »Mit diesen Werten gehört Europa zur weltweiten Spitzentruppe.« Doch was bei der CDU-Politikerin nach einem spaßigen Wettkampf klingt, ist für Bewohner des globalen Südens potentiell tödlicher Ernst. Global gesehen hatten bis Sonntag nur 27,46 Prozent der erwachsenen Weltbevölkerung ihre erste Dosis verabreicht bekommen, gerade einmal knappe 14 Prozent verfügten über den vollen Impfschutz. Laut dem Statistikprojekt »Our World in Data« der Universität Oxford wurden von den weltweit verabreichten 3,93 Milliarden Dosen gerade einmal 10,46 Millionen in Ländern mit einem geringen Einkommen verabreicht.

Zu einem für ärmere Staaten erleichterten Zugang zu Impfstoffen könnte nach Ansicht von Kritikern auch eine zumindest temporäre Freigabe der Patente auf Coronavakzine sowie auf zur Bekämpfung von Covid-19 notwendige Medikamente und andere medizinische Güter beitragen. Um einen entsprechenden Antrag, der bereits vor neun Monaten von Südafrika und Indien eingebracht worden war, ging es beim Treffen des Allgemeinen Rats der Welthandelsorganisation (WTO), das am Dienstag sowie an diesen Mittwoch in Genf stattfindet.

Während mittlerweile mehr als 100 Staaten bei der WTO die Freigabe der Patente fordern, blockiert unter anderem die Bundesregierung eine solche – für die stellvertretende Vorsitzende der Partei Die Linke im Bundestag, Heike Hänsel, »nicht hinnehmbar«. Daher forderte Hänsel am Montag in einer Presseerklärung »die Patentfreigabe verbunden mit einem Know-how- und Technologietransfer«. Dass eine solche beim WTO-Treffen beschlossen wird, ist unwahrscheinlich, eine entsprechende Entscheidung müsste einstimmig getroffen werden. Nach dem Treffen verabschiedet sich das Gremium erst einmal in eine sechswöchige Sommerpause.

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